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Bevölkerung und Haushalte: Die Entwicklung in der Schweiz bis 2050

Veröffentlicht am: 03. Juni 2024 Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2025

Die demogra­fische Entwicklung ist eine der wesent­lichen Einflussfaktoren auf den Immobilienmarkt. Sie bestimmt die Nachfrage nach Wohnungen und wirkt sich damit auf deren Preise und Mieten aus. Doch wie wird sich die Schweizer Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten entwi­ckeln? Welche Veränderungen sind bei der Zusammensetzung der Haushalte zu erwarten? Und wie verteilen sich diese Entwicklungen über die Schweiz? Diese Fragen werden anhand neuer klein­räu­miger Bevölkerungs- und Haushaltsprognosemodelle von Wüest Partner beleuchtet. 

Die Beziehung zwischen Demografie und Immobilienmarkt ist vielseitig, komplex und von zahlreichen Wechselwirkungen geprägt. Während ein stärkeres Bevölkerungswachstum die Nachfrage nach Wohnraum ankurbelt, beein­flusst der Wohnungsmarkt seiner­seits das Verhalten der Menschen bei der Haushaltsbildung. So können beispiels­weise ein Mangel an Wohnraum oder hohe Preise die Menschen dazu veran­lassen, vermehrt zusam­men­zu­wohnen. Auch die Stadtplanung, die Zahl und die Art der Neubauten sowie die Distanz zu Arbeitsplätzen, Verkaufsflächen und Infrastruktur wirken sich auf die Entwicklung und die Struktur der Bevölkerung aus.

10 Millionen Einwohner im Jahr 2041?

Das Jahr 2023 zeichnete sich durch ein besonders starkes Bevölkerungswachstum von 1.6 Prozent aus. Dies entspricht rund 145 000 zusätz­lichen Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese Zunahme geht zum einen auf den Arbeitskräftemangel zurück, der viele Unternehmen dazu veran­lasst hat, Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Der Wanderungssaldo der auslän­di­schen Wohnbevölkerung belief sich 2023 auf 98 900 Personen, was den höchsten Wert der letzten 10 Jahre darstellt. Zum anderen wurden ukrai­nische Flüchtlinge, die seit mehr als einem Jahr in der Schweiz leben, 2023 erstmals zur ständigen Wohnbevölkerung gezählt (etwa 50 000 Personen).

Das Bevölkerungswachstum wird 2024 mit +0.9 Prozent voraus­sichtlich wieder auf sein durch­schnitt­liches Niveau zurück­kehren. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass nicht mehr ganz so viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden und dass sich die Fluchtbewegung aus der Ukraine deutlich reduziert hat. Trotzdem ist davon auszu­gehen, dass die Schweiz im laufenden Jahr die 9‑Millionen-Einwohner-Marke überschreiten wird.

Die Schweizer Bevölkerung dürfte langfristig weiter wachsen, und 2041 könnte sie die 10-Millionen-Marke knacken. Die Wachstumsraten werden sich jedoch allmählich zurück­bilden. Denn die Alterung der Bevölkerung und die niedrige Geburtenrate führen zu einem Rückgang des Geburtenüberschusses. Dieser betrug in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt +16 700 Personen. Zwischen 2024 und 2030 wird er jedoch auf +10 900 Personen sinken und ab 2039 sogar negativ sein. Parallel dazu wird die Alterung der Bevölkerung in den grossen Nachbarländern Frankreich, Deutschland und Italien die Erwerbsbevölkerung in diesen Ländern und damit poten­ziell auch die Migrationsströme in die Schweiz verringern.

Bevölkerung und Haushalte: Unterschiedliche Dynamik

In der Schweiz gibt es heute knapp 4 Millionen Haushalte. Bis 2030 ist mit etwa 240 000, bis 2050 mit rund 750 000 zusätz­lichen Haushalten zu rechnen. Obwohl das Bevölkerungswachstum und die Zunahme der Anzahl Haushalte von Natur aus eng mitein­ander verbunden sind, so können sie sich hinsichtlich ihrer Dynamik doch unter­scheiden. Die Entwicklung der Lebensstile und der Altersstruktur der Bevölkerung wird die Art und Weise, wie die Bevölkerung zusam­menlebt, und ihre Entscheidungen in Bezug auf die Haushaltsbildung prägen. Zwischen 2012 und 2022 stieg die Zahl der Haushalte im Durchschnitt um 1.3 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung nur um 0.9 Prozent pro Jahr − und damit um rund 40 Prozent langsamer als die Haushaltszahl.

Dieser Unterschied fiel in den Jahren 2022 und 2023 geringer aus. Die aktuelle Wohnungsknappheit drängte die Bevölkerung dazu, vermehrt grössere Haushalte zu bilden. Doch langfristig bleibt der Trend zur Individualisierung und zur Bildung kleinerer Haushalte bestehen. So werden zwischen 2023 und 2050 die Einpersonenhaushalte am stärksten wachsen (+28 Prozent), dicht gefolgt von den Zweipersonenhaushalten (+24 Prozent). Dieser Trend ist zum einen eine Folge der Alterung der Bevölkerung. Die meisten Menschen über 65 Jahre leben in Ein- oder Zweipersonenhaushalten, und ihr Anteil an der Bevölkerung wird deutlich steigen. Zum andern wird auch der relative wirtschaft­liche Wohlstand in der Schweiz die Entstehung kleiner Haushalte weiter begüns­tigen.

Agglomerationen wachsen am stärksten, Randregionen verlieren Einwohner

Die regio­nalen Analysen zeigen, dass die Bevölkerung in den Agglomerationsgemeinden der grossen Städte am stärksten wachsen wird: Sowohl die Bevölkerung als auch die Zahl der Haushalte dürften dort bis 2030 um mehr als 1 Prozent pro Jahr zulegen. Diese Gemeinden sind aufgrund ihrer Nähe zu den grossen Wirtschaftszentren, der guten Anbindung an den öffent­lichen Nahverkehr und der im Vergleich zu ihren Kernstädten tieferen Wohnkosten sehr attraktiv und können dank einer inten­siven Neubautätigkeit mehr neue Haushalte aufnehmen als die Grossstädte.

Die Gemeinde Bussigny in der Nähe von Lausanne könnte im Jahr 2030 über 30 Prozent mehr Einwohnerinnen und Einwohner aufweisen als 2023. Eine starke Entwicklung wird auch in Thônex, Chêne- Bougeries und Veyrier (Grossraum Genf) oder in Opfikon, Bülach und Dübendorf (Grossraum Zürich) erwartet.

Starkes Wachstum in den Kantonen Freiburg, Waadt und Aargau

Der stärkste Bevölkerungszuwachs aller Kantone wird für den Kanton Freiburg erwartet: Er dürfte bis 2030 jährlich knapp 1.2 Prozent betragen. Die MS-Regionen La Gruyère, Glâne-Veveyse und La Broye, die teilweise nach Lausanne ausge­richtet sind, werden voraus­sichtlich sogar ein Wachstum von über 1.5 Prozent erreichen. Dies dürfte vor allem dann eintreffen, wenn sich die lokale Wirtschaft, vor allem auch in der Region Lausanne, weiterhin sehr positiv entwi­ckelt. Auch die Kantone Waadt, Zürich und Genf werden aufgrund ihrer hohen wirtschaft­lichen Attraktivität und der relativ jungen Bevölkerung überdurch­schnittlich wachsen (der Anteil der über 65-Jährigen ist hier vergleichs­weise gering).

Es gibt aber auch wachs­tums­schwä­chere Gebiete: 21 der 106 MS-Regionen müssen bis 2030 mit einem Bevölkerungsrückgang rechnen. Es handelt sich dabei um periphere Gebiete in den Kantonen Graubünden, Tessin, Bern und Neuenburg, die relativ weit von den wirtschaft­lichen Zentren entfernt sind. Deren alternde Bevölkerung wird nicht durch Zuwanderung ausge­glichen. Allenfalls könnte der Trend zu Homeoffice hier für mehr Dynamik sorgen, da dadurch auch abgele­genere Gegenden attraktiv sind.

Interessant ist, dass die Zahl der Haushalte in den Kantonen Tessin und Neuenburg zunehmen dürfte, obwohl ihre Bevölkerung stagniert oder sogar schrumpft. Diese gegen­läu­figen Trends sind dadurch begründet, dass die durch­schnitt­liche Zahl der Personen pro Haushalt in den kommenden Jahren, insbe­sondere aufgrund der Alterung, weiter sinken wird.

Die Schweiz im Jahre 2050

2050 könnte die Schweiz 10.3 Millionen Einwohner in 4.7 Millionen Haushalten zählen. Die Konzentration der Bevölkerung in den grossen Städten und deren Agglomerationen dürfte weiter zunehmen und eine starke Stadtentwicklung erfor­derlich machen. Dagegen werden einige Randregionen und abgelegene Berggebiete Einwohnerinnen und Einwohner verlieren.

Stand der Prognose: 1. Quartal 2024. Quelle: Wüest Partner.

Ob sich diese Prognosen bestä­tigen, hängt in hohem Mass auch von den inter­na­tio­nalen Entwicklungen ab. So spielt die relative Attraktivität des Schweizer Arbeitsmarkts im Vergleich zum Ausland eine wichtige Rolle beim Zuzug von Arbeitskräften. Kriege oder der Klimawandel haben einen grossen Einfluss auf Flüchtlingsströme. Was den Geburtenüberschuss betrifft, stellt sich die Frage, ob der starke Geburtenrückgang der letzten Jahre nur ein vorüber­ge­hendes Phänomen darstellt oder langfris­tiger Natur ist. Und schliesslich wirkt sich auch die Migrations‑, Wohnungs‑, Familien- und Baupolitik massgeblich auf die Entwicklung der Bevölkerung aus.

Die Prognosemodelle von Wüest Partner

Das Bevölkerungsprognosemodell von Wüest Partner
Dieses Modell ermög­licht es, die Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung auf Gemeindeebene nach Alter, Geschlecht und Nationalität bis 2050 vorher­zu­sagen. Es basiert auf der Methode der Kohortenkomponenten. Als Ausgangspunkt wird die letzte verfügbare Bevölkerungsbilanz des Bundesamts für Statistik (BFS) verwendet. Die zukünf­tigen Entwicklungen werden auf der Grundlage von Annahmen über die Migrations‑, Geburten‑, Sterbe- und Einbürgerungsraten in jeder Kohorte berechnet. So werden beispiels­weise alters­ab­hängige Fertilitäts- und Mortalitätsraten beigezogen, um die Zahl der Geburten und Todesfälle in der Bevölkerung zu prognos­ti­zieren. Die Zu- und Abwanderungsströme werden getrennt geschätzt. Die langfris­tigen Migrationswahrscheinlichkeit sowie den Rückgang der Erwerbsbevölkerung in den Nachbarländern, der das Migrationspotenzial aus diesen Ländern schwächt, werden dabei berück­sichtigt. Das Modell wird mit weiteren Daten (Attraktivität der Gemeinden gemäss Standort- und Marktrating oder Mietpreisniveau, die Kapazität der Gemeinden für die Aufnahme neuer Einwohnerinnen und Einwohner, Entwicklungsareale, Neubautätigkeit usw.) ergänzt. Damit können die lokalen Bevölkerungsprojektionen verfeinert werden. Die beiden Hauptstärken dieses Modells sind erstens die feine Granularität der Daten, die Prognosen auf Gemeindeebene ermög­licht. Zweitens wird das Modell jährlich aktua­li­siert, um die neuesten Zahlen und Trends zu integrieren. So haben wir beispiels­weise kürzlich die Annahmen zur Fertilität nach unten revidiert. Grund dafür ist der in den letzten beiden Jahren beobach­teten Geburtenrückgang.

Das Haushaltsprognosemodell von Wüest Partner
Dieses Modell schätzt die Entwicklung der Anzahl Haushalte bis 2050. Die Grundlage bilden die aktuellen Haushaltsbilanz des Bundesamts für Statistik (BFS) und das Bevölkerungsprognosemodell von Wüest Partner (siehe oben). Die Schweizer Bevölkerung wird mithilfe von Angaben zu Geschlecht, Nationalität und Altersklasse sowie der Art der Gemeinde, in der sie wohnen, in 684 Segmente unter­teilt. Für jedes Segment wird die aktuelle Verteilung der Bevölkerung auf Ein- bis Fünfpersonenhaushalte ermittelt. Die Bevölkerungsprognose sagt vorher, wie viele Personen in Zukunft zu jedem Segment gehören werden. Anhand der Haushaltsgrössenverteilung dieser segmen­tierten Bevölkerungsgruppen sag das Modell dann vorher, wie sich die Gesamtzahl der Haushalte auf natio­naler, regio­naler und kommu­naler Ebene entwi­ckeln wird. Diese auf der Bevölkerungszusammensetzung basie­renden Schätzungen werden mit einem natio­nalen Trend ergänzt. Dieser ermög­licht es, weitere Faktoren zu berück­sich­tigen, die die Entwicklung der Haushalte beein­flussen könnten.

Einsatzmöglichkeiten


Die Wüest Partner Bevölkerungsprognose bietet eine aktuelle, klein­räumige und alters­spe­zi­fische Bevölkerungsvorhersage. Diese kann beispiels­weise als Grundlage für Schulraumplanungen oder zur Standort- und Kapazitätsplanung für Gesundheitsleistungen einge­setzt werden.

Aus dem aktuellen Immo-Monitoring

Dies ist ein Auszug aus unserer aktuellen Immo-Monitoring-Publikation. Wenn Sie mehr Informationen wünschen, können Sie sich hier Ihre Ausgabe bestellen.

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