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Wohnzufriedenheit im Kontext der Innenverdichtung

Veröffentlicht am: 30. November 2023 Letzte Aktualisierung: 10. September 2024

Die erste Etappe des Raumplanungsgesetzes schob der Zersiedelung einen Riegel und die Kantone wurden angehalten, die Verdichtung nach innen zu forcieren. Inzwischen ist die Umsetzung auf kanto­naler Ebene in allen Kantonen abgeschlossen, und der Ball liegt nun bei den Gemeinden. Hier zeigen sich grosse Unterschiede in der Umsetzung: Während in gewissen Agglomerationsräumen bereits spürbar verdichtet wurde, lassen entspre­chende Vorstösse in den Städten auf sich warten und es besteht Aufholbedarf.

Das Bestreben nach Innenverdichtung wirft die Frage nach der Akzeptanz auf: Wie steht es um die Wohnzufriedenheit in dicht besie­delten Gebieten im Vergleich zu weniger dicht besie­delten? Welche Aspekte des Wohnens werden in diesen verdich­teten Zonen positiver und welche negativer wahrge­nommen? Diesen Fragen widmen wir uns im dritten und letzten Teil der Blogtrilogie zur Haushaltsbefragung «Immo-Barometer» (siehe Infobox), in welcher wir im Jahr 2023 erstmals die wahrge­nommene Dichte des Wohnumfeldes der Umfrageteilnehmenden ermittelt haben.

Geringere Wohnzufriedenheit in dicht bebauten Gebieten

Zu diesem Zweck haben wir die Antworten der Umfrageteilnehmenden bezüglich der wahrge­nom­menen Dichte im Wohnumfeld den Antworten zur Wohnzufriedenheit gegen­über­ge­stellt. Es zeigt sich, dass sowohl Mietende als auch Eigentümerinnen und Eigentümer, die ihr Umfeld als dichter bebaut empfinden, tenden­ziell weniger zufrieden sind. Der Anteil der Mietenden, denen es in ihren vier Wänden aktuell sehr gut gefällt, ist im Wohnumfeld mit 3- oder mehrge­schos­sigen Bauten (mittlere bis sehr hohe Dichte) mit rund 38 Prozent etwas tiefer als in weniger dicht besie­delten Gebieten, wobei dies in verschie­denen Wohnfaktoren begründet ist. Bei den Eigentümerinnen und Eigentümern bewegt sich die Zufriedenheit insgesamt auf höherem Niveau als bei den Mietenden, tiefere Zufriedenheitswerte bei höherer Dichte sind jedoch auch in diesem Segment feststellbar.

Wie gefällt es Ihnen aktuell in Ihrer Wohnung / in Ihrem Haus?

Klare Unterschiede bei objektspezifischen Faktoren

Differenzierte Analysen der Wohnzufriedenheit und der Wohnfaktoren nach Dichte haben wir nur in der Gruppe der Mietenden vorge­nommen, denn die Zahl der Eigentümerinnen und Eigentümer in dichten und sehr dichten Wohnumfeldern ist zu gering für tragfähige Aussagen. Bei vielen internen Faktoren ist der Anteil der zufrie­denen Mietenden deutlich kleiner im Wohnumfeld mit mittlerer oder hoher Dichte. Am grössten ist der Unterschied zwischen der Zufriedenheit bei hoher Wohndichte gegenüber tiefer Wohndichte bei dem Faktor «Erscheinung der hausei­genen Grün- und Aussenflächen». Hier ist der Anteil der Befragten, die aktuell eher oder sehr zufrieden sind, in Gebieten mit mittlerer Wohndichte rund 12 Prozentpunkte und in Gebieten mit hoher Dichte sogar 22 Prozentpunkte tiefer als in Siedlungszonen mit geringer Dichte. Dies dürfte zu einem gewissen Grad auch die zusätz­liche Zahlungsbereitschaft für öffent­liche Räume in den dicht besie­delten Grossstädten erklären (siehe «Der Wert des öffent­lichen Raums»).

In dicht bebauten Gegenden ist ein weiträu­miger Ausblick oft stark einge­schränkt. Erwartungsgemäss ist daher eine der grösseren Abweichungen zwischen den Befragten auch beim Wohnfaktor «Aussicht» zu finden. Dabei gilt es festzu­halten, dass beim Wohnfaktor Licht und Sonne kaum Abweichungen auszu­machen sind. Trotz Einschränkungen der Aussicht profi­tieren viele befragte Haushalte offenbar noch von genügend Sonnenlicht.

Wie wichtig sind/wären die folgenden Punkte für Sie bzw. für Ihren Haushalt aktuell bei der Objektauswahl?

Ausgeglichene Zufriedenheit mit Preis-Leistungs-Verhältnis

Der Mietzins ist einer jener Faktoren, bei denen grosse Abweichungen in der Beurteilung der Zufriedenheit festzu­stellen sind. Zunächst mag das ein wenig überra­schen. Die wahrge­nommene Dichte fällt aber in städti­schen Gebieten natur­gemäss höher aus, und im Normalfall muss dort mit einem höheren Mietzins für eine vergleichbare Wohnung gerechnet werden. Einhergehend mit den höheren Kosten ist jedoch auch das Infrastrukturangebot umfang­reicher. Dementsprechend gering fallen schliesslich die Unterschiede beim Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen Mietenden in Gebieten mit hoher Dichte gegenüber solchen in Gebieten mit gerin­gerer Dichte aus. Die Zufriedenheit mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis im Wohnumfeld mit geringer Dichte ist aber schliesslich doch etwas höher.

Naherholungsgebiete auch in dichtem Wohnumfeld gut erreichbar

Die Haushaltsbefragung zeigt, dass die Differenz der Zufriedenheitswerte in Bezug auf die Nähe zu Naherholungsgebieten zwischen den Befragten in einem Wohnumfeld mit hoher Dichte und jenen in einem Wohnumfeld mit gerin­gerer Dichte nur sehr klein ausfällt. Dies dürfte vor allem auch auf kurze Reisezeiten aufgrund einer guten Erschliessung mit dem öffent­lichen Verkehr zurück­zu­führen sein. Letzterer ist einer der wenigen Wohnfaktoren, bei denen die Zufriedenheit von Personen in dichterem Wohnumfeld höher ausfällt als bei jenen in einem Wohnumfeld mit gerin­gerer Dichte. Die gut ausge­baute Infrastruktur dürfte einer der Hauptgründe für die Beliebtheit von Städten sein, vor allem auch, weil der Nähe zum öffent­lichen Verkehr bei der Wohnungssuche ein überdurch­schnittlich hohes Gewicht zukommt (siehe «Schweizer Wohnzufriedenheit: Trends und Einflussfaktoren im Fokus»).

Ebenfalls auffallend ist die hohe Zufriedenheit der Befragten in einem Wohnumfeld mit geringer Dichte bei den Faktoren Einkaufsmöglichkeiten in der näheren Umgebung und Nähe zu Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten. Hier gibt es nur kleine Differenzen zwischen den verschie­denen Dichtekategorien – ein Indiz dafür, dass in der Schweiz auch in peripheren Gebieten ein gut ausge­bautes Einkaufs- und Dienstleistungsangebot existiert.

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Fazit

Die Umfrage zeigt auf, dass die Befragten mit zuneh­mender wahrge­nom­mener Dichte des Wohnumfelds eine abneh­mende Wohnzufriedenheit ausweisen. Dabei ist es oftmals eine Kombination aus Faktoren, welche durch die Dichte des Wohnumfelds beein­flusst werden und die zu diesen Resultaten führen. Um die Akzeptanz der Siedlungsentwicklung nach innen zu erhöhen, muss an der Qualität der Standortfaktoren gearbeitet werden, die aktuell weniger gut einge­schätzt werden. Und bei der Umsetzung von Verdichtungsprojekten sollte darauf geachtet werden, dass die Objektqualitäten wenn immer möglich optimiert werden.

Obwohl in der Umfrage eine etwas tiefere Wohnzufriedenheit in dicht bebauten Gebieten festge­stellt wurde, ist davon auszu­gehen, dass sich die städtische Gebiete auch in Zukunft hoher Beliebtheit erfreuen. Denn zum einen liegt hier vieles nahe am Wohnort, was man fürs Arbeiten und fürs tägliche Leben und Geniessen braucht. Und zum andern sind in den Städten dank gutem Anschluss an den öffent­lichen Verkehr auch weiter entfernte Ziele, beispiels­weise für einen Aufenthalt in der Natur, effizient erreichbar.


Nach den Beiträgen zur allge­meinen Wohnzufriedenheit («Schweizer Wohnzufriedenheit: Trends und Einflussfaktoren im Fokus») und zur Thematik Nachhaltigkeit bei der Objektauswahl («Nachhaltig Wohnen: Trends und Unterschiede») war dies der dritte und letzte Teil der Blogtriologie zur Haushaltsbefragung «Immo-Barometer».


Der «Immo-Barometer» von Wüest Partner
Der «Immo-Barometer» ist eine gesamt­schwei­ze­rische Umfrage zu den Themen Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse, welche Wüest Partner auch im Jahr 2023 mit der Unterstützung des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV) und des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT Schweiz) durch­führte. Dabei werden jeweils rund 1000 reprä­sen­tativ ausge­wählte Haushalte in der deutsch- und franzö­sisch­spra­chigen Schweiz ausführlich zur aktuellen Wohnsituation und zu allfäl­ligen Veränderungsabsichten befragt. Es handelt sich beim «Immo-Barometer» um eine Langzeitstudie, die erstmals im Jahr 1988 und seither mindestens alle zwei Jahre erhoben wurde.

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