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Schweizer Wohnzu­frie­denheit: Trends und Einfluss­fak­toren im Fokus

Veröffentlicht am: 16. November 2023 Letzte Aktualisierung: 10. September 2024

Wie steht es um die Wohnzu­frie­denheit der Schweizer Haushalte? Welche Wohnfak­toren werden als besonders wichtig erachtet, und wie haben sich diese in den vergan­genen Jahren verändert? Wüest Partner führte auch in diesem Jahr mit der Unter­stützung des Hausei­gen­tü­mer­ver­bandes Schweiz (HEV) und des Schwei­ze­ri­schen Verbands der Immobi­li­en­wirt­schaft (SVIT) die Haushalts­be­fragung «Immo-Barometer» (siehe Infobox) zu den Wohnbe­dürf­nissen in der Schweiz durch. Aus den Umfra­ge­re­sul­taten liessen sich spannende neue Erkennt­nisse gewinnen.

Hohe Wohnzu­frie­denheit in der Schweiz

Die Einwoh­ne­rinnen und Einwohner der Schweiz sind weiterhin sehr zufrieden in ihren vier Wänden. Über 90 Prozent der Mietenden gefällt es aktuell in ihrer Wohnung gut (48 Prozent) oder sogar sehr gut (44 Prozent). Noch höher ist die Zufrie­denheit bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern. Hier sind es gar 76 Prozent, denen es aktuell sehr gut gefällt, und weitere knapp 23 Prozent, denen es ziemlich gut gefällt. Damit sind die Zufrie­den­heits­werte weiterhin sehr hoch, dennoch lässt sich ein leichter Abwärts­trend über die vergan­genen Jahre ausmachen: Sowohl bei den Miete­rinnen und Mietern als auch bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern haben sich die Anteile der Befragten, welchen es in ihrem derzei­tigen Zuhause sehr gut gefällt, von einem hohen Niveau ausgehend leicht reduziert.

Wie gefällt es Ihnen aktuell in Ihrer Wohnung / in Ihrem Haus?

Leicht rückläufige Tendenz auf hohem Niveau

Bei den Mietenden setzte dieser Trend bereits etwas früher ein und es fällt auf, dass es nicht einzelne Faktoren sind, mit denen sich die Mietenden weniger zufrieden zeigen. Vielmehr führt die Summe von leicht tieferen Werten – wenn auch auf immer noch sehr hohem Niveau – bei verschie­denen Wohnfak­toren zu diesem Resultat. Bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern erfolgte die Verschiebung der Anteile von «Sehr gut» zu «Ziemlich gut» erst ab 2022. Dies dürfte unter anderem von den höheren Hypothe­kar­kosten und den gestie­genen Energie­kosten ausgelöst worden sein.

Mit dem moderaten Rückgang der Zufrie­den­heits­werte hat folge­richtig auch die Umzugs­wahr­schein­lichkeit zugenommen: Seit dem Jahr 2018 ist der Anteil der Befragten, der sicher nicht umziehen will, bei den Mietenden um rund 3 Prozent­punkte auf gut 32 Prozent und bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern um rund 4 Prozent­punkte auf eine weiterhin deutliche Mehrheit von 68 Prozent gesunken.

Verän­derung der Zufrie­den­heits­werte hängt vor allem bei den Eigen­tümern vom Alter ab

Bei der Unter­scheidung nach Alters­klassen zeigen sämtliche Kategorien eine sehr hohe Wohnzu­frie­denheit. Der kleinste Anteil der Befragten, denen es in der aktuellen Wohnung ziemlich gut oder sogar sehr gut gefällt, findet sich bei den Mietenden zwischen 35 und 49 Jahren. Aber auch in dieser Alters­klasse liegt er im Mittel der Jahre 2022 und 2023 weiterhin deutlich über 90 Prozent und damit bereits sehr hoch. Noch besser gefällt es den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern in ihren eigenen vier Wänden. Hier ist jedoch im mittleren Alters­segment ein leichter Rückgang zwischen den Jahren 2016 bis 2021 und im Schnitt der vergan­genen 2 Jahre festzu­stellen.

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Finan­zie­rungs­kon­di­tionen dürften mitent­scheidend sein

Ein möglicher Grund für diese Tendenz könnte sein, dass die gestie­genen Finan­zie­rungs­kosten in dieser Alters­klasse erheblich stärker ins Gewicht fallen, da hier noch weniger Personen Amorti­sa­ti­ons­zah­lungen getätigt haben. Im Gegensatz dazu dürften die über 50-Jährigen bereits einen beträcht­lichen Teil des Kredites zurück­ge­zahlt haben, womit die Zinsan­stiege zwar weiterhin spürbar sein dürften, jedoch deutlich weniger Einfluss auf das Haushalts­budget haben. Bei den unter 35-jährigen Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern ist festzu­halten, dass die Fallzahl relativ gering ausge­fallen ist. Dies weil sich viele Schwei­ze­rinnen und Schweizer Wohnei­gentum in diesem Alter noch nicht leisten können. Die Gründe für die niedrige Eigen­tums­quote der jüngeren Schwei­ze­rinnen und Schweizer und mögliche Lösungs­an­sätze wurden ausführlich in der «Immo-Monitoring»-Herbstausgabe (2024 | 1) beschrieben.

Generell ist die Wohnzu­frie­denheit in der Schweiz also sehr hoch. Sie hat aber leicht abgenommen, weshalb die Umzugs­wahr­schein­lich­keiten zugenommen haben. Doch auf welche Kriterien achten Herr und Frau Schweizer besonders, wenn sie auch der Suche nach einem Domizil sind?

Höhere Kosten­sen­si­ti­vität im Umfeld steigender Wohnkosten

Wie schon in den Vorjahren wird die Liste der wichtigsten Faktoren bei der Wohnungswahl von den Kosten (Mietzins resp. Hypothe­karzins) und vom Preis-Leistungs-Verhältnis angeführt. Für fast alle befragten Mietenden ist der Mietzins ausschlag­gebend oder «auch noch von Bedeutung». Eine ähnlich hohe Relevanz geniesst das Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern fallen diese Werte nur leicht tiefer aus. Über alle Nutzer­typen hinweg hat die Wichtigkeit der finan­zi­ellen Faktoren im Vergleich zu den Vorjahren nochmals zugenommen. Haupt­grund dafür dürfte wiederum das gegen­wärtige Umfeld sein, welches von Hypothekar- und Mietzins­er­hö­hungen geprägt ist. Denn die Umfrage zeigte auch, dass ein Grossteil der Mietenden und zwei Drittel der Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümer eine leicht höhere oder gar eine stark höhere Wohnkos­ten­be­lastung erwarten.

Wie wichtig sind/wären die folgenden Punkte für Sie bzw. für Ihren Haushalt aktuell bei der Objekt­auswahl?

Höhere Quali­täts­an­sprüche an die Innen­räume

Ein auffallend starker Anstieg des Stellen­werts war auch beim Komfort und vor allem bei der Lärmiso­lation der Wohnung festzu­stellen. Das erstaunt nicht, da Homeoffice seit der Pandemie stark zugenommen hat. Es wird mehr Zeit zu Hause verbracht, vor allem auch tagsüber. Lärm in der Wohnum­gebung, sei es durch Nachbarn, Bauar­beiten oder wegen höheren Verkehrs­auf­kommens etwa während der Rushhour, können dadurch als viel störender wahrge­nommen werden. Besonders bei den Mietenden, die Lärmemis­sionen oftmals stärker ausge­setzt sind, als dies bei den Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümern der Fall ist, ist ein auffal­lender Anstieg der Wichtigkeit dieses Faktors seit 2021 festzu­stellen. Doch nicht nur die Ansprüche an die Lärmiso­lation sind gestiegen, auch die Wohnfak­toren «Komfort», «vorhan­dener Platz» oder «Raumein­teilung» haben nochmals an Bedeutung gewonnen und rangieren allesamt unter den wichtigsten Punkten bei der Auswahl einer geeig­neten Wohnung oder eines geeig­neten Einfa­mi­li­en­hauses.

Wie wichtig ist / wäre ihnen die Lärmiso­lation bei der Objekt­auswahl ?

Steigende Mobili­täts­an­sprüche

In der diesjäh­rigen Umfrage geben rund 88 Prozent der Befragten an, dass die Nähe von öffent­lichen Verkehrs­mitteln von Bedeutung oder sogar ausschlag­gebend bei der Objekt­auswahl ist. Während der Corona­pan­demie büssten bei der Auswahl einer Wohnung Mobili­täts­fak­toren wie die Nähe zu Anschlüssen des öffent­lichen Verkehrs oder auch die Länge des Arbeits­weges an Wichtigkeit ein. Homeoffice ist zwar heute nicht mehr wegzu­denken, dennoch dient es vielerorts mittler­weile eher als Ergänzung zum klassi­schen Büro denn als durch­gehend genutzte Alter­native. Die Tatsache, dass wieder vermehrt im Büro vor Ort gearbeitet wird, plausi­bi­li­siert, dass die Mobili­täts­kri­terien stark an Bedeutung zurück­ge­winnen. So ist beispiels­weise auch der Faktor «öffent­liche Verkehrs­mittel in der Nähe» wieder auf das Vorkri­sen­niveau gestiegen.

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Fazit

Obwohl viele Schwei­ze­rinnen und Schweizer aktuell in ihren vier Wänden sehr zufrieden sind, hat die Wohnzu­frie­denheit auf hohem Niveau leicht ab- und die Umzugs­be­reit­schaft eher zugenommen. Im aktuellen Umfeld steigender Zinsen erstaunt es nicht, dass den Wohnkosten grosses Gewicht bei der Auswahl eines geeig­neten Wohnob­jekts zukommt. Zudem lässt sich im Zeitver­gleich feststellen, dass sowohl die Quali­täts­an­sprüche an die Wohnung als auch die Mobili­täts­an­sprüche einen deutlichen Anstieg verzeich­neten. In den weiteren Teilen dieser Blogtri­logie leuchten wir die Themen Nachhal­tigkeit (Teil 2, 23. November 2023) und Wohnzu­frie­denheit in Zusam­menhang mit der Überbau­ungs­dichte (Teil 3, 30. November 2023) weiter aus.

Der «Immo-Barometer» von Wüest Partner
Der «Immo-Barometer» ist eine gesamt­schwei­ze­rische Umfrage zu den Themen Wohnzu­frie­denheit und Wohnbe­dürf­nisse, welche Wüest Partner auch im Jahr 2023 mit der Unter­stützung des Hausei­gen­tü­mer­ver­bandes Schweiz (HEV) und des Schwei­ze­ri­schen Verbandes der Immobi­li­en­wirt­schaft (SVIT Schweiz) durch­führte. Dabei werden jeweils rund 1000 reprä­sen­tativ ausge­wählte Haushalte in der deutsch- und franzö­sisch­spra­chigen Schweiz ausführlich zur aktuellen Wohnsi­tuation und zu allfäl­ligen Verän­de­rungs­ab­sichten befragt. Es handelt sich beim «Immo-Barometer» um eine Langzeit­studie, die erstmals im Jahr 1988 und seither mindestens alle zwei Jahre erhoben wurde.

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