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Nachhaltige Schulraumplanung – Baldige Trendwende bei Schülerzahlen

Veröffentlicht am: 15. Januar 2025 Letzte Aktualisierung: 19. August 2025

Drei Beiträge zur nachhal­tigen Schulraumplanung befassen sich jeweils mit einem zentralen Aspekt: Der erste Beitrag legt den Fokus auf die Schülerprognose bis 2040, während der zweite Beitrag strate­gische Optionen bei der Schulraumplanung in den Mittelpunkt stellt. In einem dritten Beitrag werden Fragen der ökolo­gi­schen, ökono­mi­schen und sozialen Nachhaltigkeit in der Schulraumplanung thema­ti­siert.

Die Schweiz steht in den nächsten 30 Jahren vor grossen demogra­fi­schen Herausforderungen. Eine alternde Bevölkerung, niedrige Geburtenraten und Migration werden die Bevölkerungsentwicklung prägen. Dies erfordert eine voraus­schauende Planung. Die öffent­liche Hand muss angemessen in Infrastrukturgebäude inves­tieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Dazu gehören neben Gesundheitseinrichtungen insbe­sondere die Schulen. Die Volksschule hat für die Gemeinden eine hohe Budgetrelevanz, da Bau und Betrieb der Schulgebäude eine bedeu­tende Position im kommu­nalen Finanzhaushalt darstellen. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Schülerzahlen zu werfen, denn wir stehen vor einer Trendwende.

Divergierende Entwicklung

Wüest Partner erwartet, dass die Schweizer Bevölkerung auch im nächsten Jahrzehnt dynamisch wachsen wird. Die Anzahl der Schulkinder hingegen dürfte schon bald stagnieren. Bisher nahmen diese beiden Grössen noch im Gleichschritt zu. Seit 2010 wuchs die Schweizer Bevölkerung um starke 14%. Fast so stark wuchs auch die Anzahl der Schulkinder. 2023 besuchten rund 1.01 Millionen Schülerinnen und Schüler die obliga­to­rische Schule (95% in öffent­lichen Schulen, 5% in Privatschulen). Diese umfasst Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe 1. Das Alter der Schülerinnen und Schüler in der obliga­to­ri­schen Schule beträgt zu Beginn des jewei­ligen Schuljahrs in der Regel 4 bis 14 Jahre. Die Bevölkerung wird gemäss Prognose von Wüest Partner bis 2040 relativ linear weiter­wachsen (+11% gegenüber 2023). Die Schülerzahl hingegen dürfte sich während­dessen eher seitwärts bewegen. Bis 2028 erhöht sich die Zahl der Schulkinder noch um rund 14’000, womit dann der Höchststand erreicht wäre. Anschliessend setzt ein langsamer Rückgang ein, sodass bis 2040 gut 24’000 Schulkinder weniger als im Spitzenjahr zu erwarten sind.

Was beeinflusst die Entwicklung von Schülerzahlen?

Die Entwicklung der Schülerzahlen wird von drei zentralen Einflussgrössen beein­flusst:

  • Demografie: Der für das Jahr 2028 prognos­ti­zierte Höchststand der Anzahl Schülerinnen und Schüler ist auf den Schuleintritt der Enkelkinder der Babyboomer zurück­zu­führen. 1964 war das Jahr, in dem in der Schweiz am meisten Mädchen geboren wurden. Die Frauen dieses Jahrgangs brachten im Durchschnitt im Alter von 28 Jahren Kinder auf die Welt. Der Jahrgang 1992 bildet somit ein weiteres lokales Geburtenhoch. Diese Generation bekommt im Schnitt mit 33 Jahren Kinder und sorgt 2025 für den nächsten Höhepunkt bei der Zahl der Geburten. Mit 4 Jahren treten die Kinder dieser Generation in den Kindergarten ein, was einen Höhepunkt bei den Schülerzahlen kurz vor 2030 ergibt. Danach folgen vielerorts kleinere Elternjahrgänge, was folglich zu leicht rückläu­figen Schülerzahlen führt.
  • Wanderungssaldo: In unserem natio­nalen Bevölkerungsszenario gehen wir von einem leichten Rückgang des Wanderungssaldos ab 2030 aus. Der wichtigste Grund für die sinkende Zuwanderung ist der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials in den wichtigsten Herkunftsländern. Insbesondere in Deutschland und Italien sowie in gerin­gerem Umfang auch in Frankreich, wird erwartet, dass sich die Erwerbsbevölkerung aufgrund der starken Alterung der Gesellschaft bis 2040 deutlich verkleinert (-10% in Italien, ‑6% in Deutschland, ‑2% in Frankreich). Es dürfte dem attrak­tiven Schweizer Arbeitsmarkt zwar auch in Zukunft gelingen, Fachkräfte aus dem Ausland anzuziehen, aber das Wachstum könnte sich etwas verlang­samen. Da sich ein Grossteil der Zuwanderinnen im gebär­fä­higen Alter befindet, wird eine geringere Zuwanderung langfristig zu sinkenden Geburtenzahlen und folglich zu weniger Schulkinder führen.
  • Fertilitätsrate: In den Jahren 2022 und 2023 ging die Fertilitätsrate schweizweit deutlich zurück. Die zusam­men­ge­fasste Geburtenziffer ist definiert als die durch­schnitt­liche Kinderzahl, die eine Frau – basierend auf den aktuell beobach­teten Geburtenraten jeder Altersklasse – im Laufe ihres Lebens zur Welt bringen würde. Sie erreichte im Jahr 2023 rekord­tiefe 1.33, nachdem der Durchschnittswert der 2010er-Jahre noch bei 1.52 gelegen hatte. Auch im Jahr 2024 zeigten sich keine Anzeichen für eine Erholung. Mittelfristig könnte sich die Fertilitätsrate jedoch wieder leicht erhöhen, da ein Teil des jüngsten Rückgangs auf ein Herauszögern der Familiengründung zurück­zu­führen sein könnte und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Fertilitätsmedizin Fortschritte machen dürften.

Umzugsbewegungen entscheidend für lokale Schülerzahlen

Die oben darge­stellten Ausführungen erfolgten aus gesamt­schwei­ze­ri­scher Sicht. Allerdings ist die Heterogenität innerhalb der Schweiz sehr gross. Für die Entwicklung der Schülerzahlen in einer Gemeinde oder einer Region ist neben Demografie, Zuwanderung und Fertilität auch das Umzugsverhalten junger Familien entscheidend. So verzeichnen Schweizer Grossstädte bei Personen im typischen Familiengründungsalter einen negativen Wanderungssaldo, weil das Angebot an famili­en­freund­lichem Wohnraum in den Innenstädten sehr begrenzt ist. Die Agglomerationsgemeinden im Umkreis dieser Grossstädte weisen hingegen einen deutlich positiven Saldo auf, insbe­sondere dort, wo das Wohnungsangebot wächst. Bei gut erschlos­senen, mittel­grossen Gemeinden sind die Ausgestaltung von Familien- und Steuerpolitik sowie die Bau- und Zonenordnung ausschlag­gebend. Die Städte Lenzburg und Dübendorf etwa haben in den letzten Jahren dank reger Bautätigkeit viele junge Familien angezogen und erwarten nun einen deutlichen Anstieg der Schülerzahlen.

Grosse Unterschiede je nach Gemeindetyp

Die meisten Gemeinden verzeich­neten in der jüngeren Vergangenheit steigende Schülerzahlen und in einigen wird sich dieser Trend auch künftig fortsetzen. Allerdings gibt es auch Gemeinden, in denen die Schülerzahlen – wie auf natio­naler Ebene – nur noch wenige Jahre steigen, bevor sie zu sinken beginnen. In einigen Gemeinden hat dieser Rückgang bereits einge­setzt. Insgesamt sind es vor allem städtische und eher bevöl­ke­rungs­reiche Gemeinden, in denen die Schülerzahlen langfristig wachsen. In den eher kleinen, periur­banen und ländlichen Gemeinden hingegen werden die Schülerzahlen in vielen Fällen rückläufig sein. Gemeinden mit mittel­fristig noch steigenden, aber langfristig sinkenden Schülerzahlen sind von der Grösse her recht unter­schiedlich aufge­stellt. Zu dieser Kategorie zählen sowohl Grossstädte wie Zürich und Basel als auch viele kleinere Gemeinden.

Rückgang vor allem in ländlichen Regionen

Während in grossen Teilen der Ostschweiz, im Jurabogen und in den alpinen Regionen (blau einge­färbte MS-Regionen) die Schülerzahlen bis 2040 voraus­sichtlich sinken werden, dürften sie in der Region Zürich, im Aargau sowie rund um den Genfersee (rot einge­färbte MS-Regionen) auch langfristig weiter­wachsen.

Fazit

Die Entwicklung der Schülerzahlen unter­scheidet sich nicht nur stark von Region zu Region, sondern variiert auch innerhalb derselben nach Gemeindetyp. Verschiedene Faktoren wie Demografie, Wanderungssaldo, Fertilität und Umzugsverhalten prägen diese Entwicklung. Darüber hinaus können kommunale Entscheide wie Anpassungen der Bau- und Zonenordnung oder famili­en­po­li­tische Massnahmen mit einiger Verzögerung zu Veränderungen bei den Schülerzahlen führen.


Ausblick

Im zweiten Beitrag (erscheint Ende Januar) werden Handlungsansätze für eine gelin­gende mittel- bis langfristige Schulraumplanung vorge­stellt, sowie Fragen der ökolo­gi­schen, ökono­mi­schen und sozialen Nachhaltigkeit analy­siert. Dabei geht es beispiels­weise um die Abwägung zwischen Neubauten und Umnutzungen bestehender Gebäude oder zwischen Fixbauten und Provisorien.


Das Bevölkerungsprognosemodell von Wüest Partner

Das Bevölkerungsprognosemodell von Wüest Partner ermög­licht es, die Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung auf Gemeindeebene nach Alter, Geschlecht und Nationalität bis 2050 vorher­zu­sagen. Das Modell erlaubt es damit, die Zahl der Kinder im schul­pflich­tigen Alter oder andere von der demogra­fi­schen Zusammensetzung der Bevölkerung abhängige Entwicklungen zu prognos­ti­zieren.

Angebot Schulraumplanung

Steht in Ihrer Gemeinde eine Schulraumplanung an?

Gerne unter­stützen wir Sie dabei, mittels detail­lierten Schülerprognosen den mittel- und langfris­tigen Schulraumbedarf und den daraus abgelei­teten Handlungsbedarf zu ermitteln.

Tagesseminar Schulraumplanung und Umsetzung

In Zusammenarbeit mit dem Verband Zürcher Schulpräsidien findet am 30. Januar 2025 und am 1. Oktober 2025 jeweils ein Tagesseminar zur Schulraumplanung und Umsetzung statt.

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