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Nachhaltig Wohnen: Trends und Unterschiede

Veröffentlicht am: 23. November 2023 Letzte Aktualisierung: 10. September 2024

Angesichts der wachsenden Bedeutung umwelt­freund­licher Lebensweisen wird auch das ökolo­gische Bewusstsein bei der Wahl des Wohnraums immer entschei­dender. Doch wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Auswahl eines neuen Daheims? Welche Unterschiede gibt es diesbe­züglich zwischen Mietenden und Eigentümerinnen und Eigentümern? Und welche Faktoren entscheiden darüber, ob Personen mit selbst genutztem Wohneigentum eine Sanierung in Angriff nehmen oder nicht? Diese Fragen beant­worten die hier vorge­stellten Ergebnisse unserer Haushaltsbefragung «Immo-Barometer» (siehe Infobox):

Nachhaltigkeit ist bei der Wohnungswahl ein Thema

Für rund ein Viertel der Befragten ist der Faktor Nachhaltigkeit ausschlag­gebend bei der Auswahl des Wohnobjektes. Und für etwas mehr als die Hälfte der Befragten wäre er von Bedeutung, wenn sie heute umziehen würden. Besonders gewichtig ist die Bedeutung der Nachhaltigkeit für Eigentümerinnen und Eigentümern. Die Thematik geniesst insgesamt zwar nicht denselben Stellenwert wie zum Beispiel das Preis-Leistungs-Verhältnis der Objekte, rangiert aber im Schnitt aller Umfrageteilnehmenden im oberen Mittelfeld der abgefragten Objekteigenschaften.

Festzuhalten ist, dass sich die Wichtigkeit des Faktors Nachhaltigkeit in den vergan­genen Jahren im Vergleich zur Relevanz anderer Faktoren stark erhöht hat. Dies dürfte zum einen auf eine zuneh­mende Sensibilisierung der Gesellschaft für die Thematik zurück­zu­führen sein. Zum andern ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die hohen Energiepreise im vergan­genen Jahr einen Einfluss auf den Stellenwert des Energieverbrauchs bei der Wohnungswahl gehabt haben. Doch obwohl die Tendenz bei den Mietenden und den Eigentümerinnen und Eigentümern in eine ähnliche Richtung geht, gibt es doch auch erheb­liche Unterschiede.

Wie wichtig ist / wäre Ihnen die Nachhaltigkeit bei der Objektauswahl ?

Klarer Fokus auf energetischen Themen

Vier von fünf befragten Eigentümerinnen und Eigentümer geben an, dass für sie die Energieeffizienz des Gebäudes bei der Auswahl des Objektes von Bedeutung oder sogar ausschlag­gebend ist. Der Anteil der befragten Eigentümerinnen und Eigentümer, welche die Energieeffizienz als ausschlag­ge­bendes Gebäudemerkmal bezeich­neten, ist seit dem letzten Jahr konstant geblieben. Der Anteil jener Befragten, welche mit «Auch noch von Bedeutung» antwor­teten, hat hingegen im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozentpunkte zugenommen.

Hier dürften sich die gestie­genen Energiekosten besonders deutlich zeigen, denn bei den Mietern und Mieterinnen blieb eine vergleichbar signi­fi­kante Veränderung aus. Obwohl auch bei Letzteren die energe­ti­schen Themen im Vordergrund stehen, haben sie generell einen tieferen Stellenwert, als dies bei den Eigentümerinnen und Eigentümern der Fall ist. Dafür legen Mietende mehr Wert auf jene Themen, die insgesamt eine geringere Zustimmung erhalten – so beispiels­weise die begrünten Fassaden und Dachflächen sowie die Zertifizierung von Gebäuden. Die autofreie Siedlung gewinnt zwar marginal an Bedeutung, bleibt aber für die meisten Schweizerinnen und Schweizer bei der Objektsuche eher neben­sächlich (rund 37 Prozent) oder sogar komplett irrelevant (41 Prozent).

Welche der folgenden Nachhaltigkeitsthemen sind / wären Ihnen bei der Auswahl eines Wohnobjekts wichtig?

Mietende: Werden Nachhaltigkeit und Energieeffizienz unterschätzt?

Bei den Mieterinnen und Mietern hat in den letzten Jahren die Bedeutung des Faktors Nachhaltigkeit bei der Wohnungssuche zwar ebenfalls zugelegt, dennoch geniesst der Faktor in dieser Suchgruppe einen spürbar tieferen Stellenwert als bei den Eigentümerinnen und Eigentümern. Einer der Hauptgründe dafür dürfte sein, dass die Mietenden schlichtweg weniger Möglichkeiten haben, an der Liegenschaft etwas zu verändern, und sich daher eher dem Markt ausge­liefert sehen.

Weiter ist es denkbar, dass Mieterinnen und Mieter nicht daran glauben, von einer energe­ti­schen Sanierung zu profi­tieren. Ein Beispiel dafür wäre, dass bei einem Heizungsersatz in erster Linie die Investoren von den positiven finan­zi­ellen Effekten profi­tieren, während sich für die Mietenden lediglich die Mietzinsen aufgrund der Überwälzung der Investitionskosten erhöhen. Dieser Gedanke wäre dann aber zu kurz gefasst, denn durch den Heizungsersatz würden sich wiederum die Nebenkosten für die Mietenden deutlich verringern. Im Endeffekt dürfte bei einer gezielten Sanierung auch für die Mieterinnen und Mieter ein positiver Effekt resul­tieren, wie beispiels­weise die Wüest-Partner-Studie «Energetische Sanierungen: 3 Gewinner» aufge­zeigt hat.

Welche Faktoren motivieren zu einer energetischen Sanierung?

Weil für die Erreichung der Netto-Null-Ziele energe­tische Sanierungen im Bestand ein grosses Gewicht haben, haben wir nachge­fragt, was denn tatsächlich zu Sanierungen motiviert. Gemäss den Ergebnissen unserer «Immo-Barometer»-Befragung waren bei den Eigentümerinnen und Eigentümern die Reduktion der Energiekosten und das vorhandene Eigenkapital in rund einem Drittel der Fälle ausschlag­gebend und in einem weiteren Drittel von Bedeutung für die geplante Sanierung. Damit steht die finan­zielle Komponente über der Verbesserung der ökolo­gi­schen Nachhaltigkeit. Ebenfalls relevant sind sowohl für Stockwerkeigentümerinnen als auch für Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern in über der Hälfte der Fälle Fördergelder, steuer­liche Abzüge und günstige Finanzierungsbedingungen.

Wie wichtig sind/waren die nachfolgenden Faktoren für die geplanten Instandhaltungsprojekte?

Wieso werden nicht noch mehr Sanierungen vorgenommen?

Jene Personen, die keine oder nur kleine Sanierungen planen, wurden nach den Gründen dafür gefragt. Wenig erstaunlich gibt ein Grossteil der Befragten an, dass eine Sanierung ihres Objekts aktuell nicht nötig sei. Diese Resultate sind aller­dings mit Vorsicht zu geniessen. Denn die Frage wurde so gestellt, dass sie eher auf den subjektiv wahrge­nom­menen Handlungsbedarf und den Sanierungszyklus abzielte als auf die ökolo­gi­schen und ökono­mi­schen Effekte der Sanierung. Während eine Sanierung vielleicht nicht in allen Fällen als nötig erscheint, kann sie dennoch nebst dem ökolo­gi­schen Nutzen im Betrieb auch finan­zielle Vorteile mit sich bringen. So hat beispiels­weise die Analyse von Wüest Partner aus dem Jahr 2023 («Immo-Monitoring 2023 | 2») ergeben, dass Einfamilienhäuser mit erneu­er­baren Heizsystemen und Solaranlagen höhere Verkaufspreise erzielen. Der Preis eines Hauses mit Wärmepumpe und Solaranlage in der Schweiz kann im Mittel um 4.6 Prozent (55’000 Franken bei 1.2 Millionen Franken Durchschnittspreis) höher ausfallen als jener von vergleich­baren Objekten mit fossilen Heizungen und ohne Photovoltaikanlagen. Bei einer modernen Holzheizung in Kombination mit einer Photovoltaikanlage steigt der Preis sogar um 5.4 Prozent. Bei Eigentumswohnungen ist der Preiszuwachs durch erneu­erbare Energien etwas geringer. Die Vor- und Nachteile einer energe­ti­schen Sanierung müssen aber jeweils von Fall zu Fall geprüft werden. Eine Hilfestellung bietet in diesem Zusammenhang «Wüest Refurb» (siehe Infobox).

Wieso werden nicht noch mehr oder keine Sanierungen durchgeführt?

Fazit

Die Nachhaltigkeit gewinnt also weiter an Bedeutung und hat bei der Wohnungssuche als nicht mehr wegzu­den­kender Faktor Einzug gehalten. Der Stellenwert der Thematik fällt bei den Eigentümerinnen und Eigentümern deutlich höher aus als bei den Mietenden. Einerseits, weil der Handlungsspielraum von Ersteren grösser ist, und anderer­seits, weil bei ihnen die damit verbunden Kosten direkter spürbar sind.

Die Herausforderungen zur Erreichung des Netto-Null-Zieles bleiben weiterhin bestehen, die Umfrage stimmt jedoch insofern zuver­sichtlich, als sich der Trend eines zuneh­menden Stellenwerts der Themen Nachhaltigkeit und Energieverbrauch am Immobilienmarkt weiter fortsetzt. Die Umfrage zeigt aber auch, dass bei energe­ti­schen Sanierungen, gerade im aktuellen Umfeld von steigenden Finanzierungskosten, der Kostenkomponente eine tragende Rolle zukommt.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um den zweiten Teil der Blogtriologie zur «Immo-Barometer»-Befragung. Im ersten Teil «Schweizer Wohnzufriedenheit: Trends und Einflussfaktoren im Fokus» wurden die generelle Wohnzufriedenheit und wichtige Faktoren bei der Objektauswahl aufge­zeigt. Im dritten und letzten Teil (30. November 2023) wird das Thema Wohnzufriedenheit in Zusammenhang mit der Überbauungsdichte vertieft behandelt.

Der «Immo-Barometer» von Wüest Partner
Der «Immo-Barometer» ist eine gesamt­schwei­ze­rische Umfrage zu den Themen Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse, welche Wüest Partner auch im Jahr 2023 mit der Unterstützung des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV) und des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT Schweiz) durch­führte. Dabei werden jeweils rund 1000 reprä­sen­tativ ausge­wählte Haushalte in der deutsch- und franzö­sisch­spra­chigen Schweiz ausführlich zur aktuellen Wohnsituation und zu allfäl­ligen Veränderungsabsichten befragt. Es handelt sich beim «Immo-Barometer» um eine Langzeitstudie, die erstmals im Jahr 1988 und seither mindestens alle zwei Jahre erhoben wurde.

Sanierungsrechner «Wüest Refurb»
Das Tool «Wüest Refurb» bietet eine Schätzung und Hilfestellung für viele der oben genannten Entscheidungsgrundlagen für eine Sanierung. So können im Tool beispiels­weise die Reduktion der Energiekosten, die Reduktion des CO2-Austosses und die Fördergelder für ein bestimmtes Sanierungsprojekt berechnet werden. Wüest Partner hat das Thema Fördergelder in der Frühlingsausgabe des «Immo-Monitorings» (2023|2) und die Effizienz von Sanierungen (Fokus Mehrfamilienhäuser) in der diesjäh­rigen Herbstausgabe des «Immo-Monitorings» (2024|1) ausführlich behandelt.

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