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Kreislaufwirtschaft und Immobilien: Chance für innovative Investor:innen

Veröffentlicht am: 13. September 2023 Letzte Aktualisierung: 23. März 2026

Der Bau und Betrieb von Gebäuden und Infrastrukturen ist verant­wortlich für rund 50 Prozent des Rohstoffbedarfs, einen Drittel der CO2-Emissionen und über 80 Prozent des Abfallaufkommens in der Schweiz. Dies macht deutlich, wie gross die Verantwortung ist, die die Bau- und Immobilienbranche trägt, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren. In diesem Zusammenhang gewinnt die Transformation von einer linearen zu einem zirku­lären Wirtschaftssystem stetig an Bedeutung. Wie aber steht es um die Kreislaufwirtschaft im Immobilienmarkt? Nutzen die Investor:innen die sich daraus ergebenden Chancen? Oder überwiegt angesichts der Komplexität des Themas noch die Skepsis? Wüest Partner wollte es genauer wissen und hat die Entscheidungsträger:innen gefragt. Erfahren Sie mehr dazu in diesem Artikel.

Kreislaufwirtschaft gewinnt an Relevanz

Während langer Zeit richteten die meisten Investor:innen den Fokus auf die Optimierung des Energiebedarfs von Immobilien bzw. auf die Reduktion der Emissionen, die in deren Betrieb anfallen. Nun jedoch gewinnt die Themen graue Energie und Kreislaufwirtschaft für eine wachsende Zahl an Investor:innen an Relevanz. Am 27. Juni 2023 hat eine Gruppe von insti­tu­tio­nellen Bauherrschaften die Charta für kreis­lauf­ori­en­tiertes Bauen unter­zeichnet.

Handlungsmaximen der Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft ist ein umfas­sendes Konzept. Für die Bauwirtschaft ist das Thema Recycling heute schon sehr präsent. Das Thema Reuse, im Sinne einer Wiederverwendung von Bauteilen, wird von einzelnen Akteuren aus Architektur und Bauwirtschaft voran getrieben, auch durch die zuneh­mende Etablierung von Bauteilbörsen. Aus der Sicht der Investor:innen besteht die Herausforderung jedoch darin, den ganzen Lebenszyklus einer Immobilie anhand zirku­lärer Prinzipien zu gestalten. Dafür reichen Reuse und Recycling nicht aus. Bis zu 10 mit «Re» begin­nende Grundprinzipien werden in diesem Zusammenhang genannt. Wir konzen­trieren uns hier neben Reuse und Recycling auf die Handlungsmaximen Refuse, Reduce und Rethink, die wir wie folgt in einer Pyramide anordnen können:



Handlungsmaxime der Kreislaufwirtschaft
Strategien im Umgang mit dem Gebäudepark

Dabei gilt: Je höher eine Maxime angeordnet ist, desto wichtiger ist sie, um ein Immobilienportfolio im Sinne der Kreislaufwirtschaft nachhaltig zu bewirt­schaften.

Refuse

An oberster Stelle steht die Maxime «Refuse» und damit die Vermeidung von baulichen Massnahmen. Angesichts der Knappheit von Ressourcen und in Anbetracht der Energie, die bei Bauvorhaben verbraucht wird (Stichwort graue Energie), sollen bestehende Strukturen möglichst lange weiter­ge­nutzt werden. Das bedeutet, dass alter­native Nutzungsformen geprüft werden sollen, um den unnötigen Abriss von Gebäuden zu vermeiden und den Gebäudebestand zu schützen.

Reduce

Nicht immer lassen die Umstände die Weiternutzung eines Gebäudes zu, sei es aus techni­schen, funktio­nalen oder wirtschaft­lichen Gründen. Wenn bauliche Massnahmen unver­meidbar sind, soll der Ressourcenverbrauch möglichst gering gehalten werden.

Rethink

Das Neu- und Umdenken von Konzepten im Umgang mit Immobilien ist ein weites Feld. So kann man neue Wohn- und Arbeitsformen entwi­ckeln, um Gebäude länger zu nutzen, dank innova­tiver Planungsprozesse den Ressourcenverbrauch verringern oder neue bioba­sierte Bauweisen erproben. Im Neu- wie auch im Umbaubereich gilt es, im Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft Konzepte wie Nutzungsflexibilität, die Zugänglichkeit von Bauteilen, eine schlanke Gebäudetechnik oder die Trennung von Struktur und Technik schon in der Planungsphase zu berück­sich­tigen.

Reuse

Von Wiederverwendung spricht man, wenn Materialien oder ganze Bauteile entweder in gleicher Funktion oder für einen neuen Zweck wieder­ver­wendet werden.

Recycle

Erst wenn sich ein Produkt nicht mehr länger nutzen lässt, wird es dem Recycling zugeführt. Beim Recycling werden Materialien gesammelt, teilweise oder vollständig aufbe­reitet und in neue Güter umgewandelt. So bleiben sie möglichst lange im Kreislauf. Recycling sollte jedoch die letzte Wahl sein: In fast allen Fällen ist es besser, Produkte möglichst lange zu nutzen, da Recycling wegen des Verbrauchs von Energie, Wasser oder Chemikalien die Umwelt belastet.

Umfrage zeigt: Investorinnen und Investoren setzen vermehrt auf Kreislaufwirtschaft

Die Umfrage

Im Auftrag der Senn Resources AG führte Wüest Partner im Herbst 2022 eine Umfrage durch. Dabei wurden über 300 Schweizer Unternehmen, die in Immobilien inves­tieren, befragt. Diese Umfrage wurde bereits zum zweiten Mal durch­ge­führt. Wie damals im Herbst 2020 wurde sie auch diesmal um 10 quali­tative Interviews mit ausge­wählten Expert:innen ergänzt.

Ziel der Umfrage

Das Ziel der Umfrage bestand darin, heraus­zu­finden, welchen Stellenwert die Nachhaltigkeit generell in der Schweizer Immobilienwirtschaft geniesst. Ausserdem sollte die Frage beant­wortet werden, wie hoch die Zahlungsbereitschaft für verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte ausfällt (mehr dazu im Blogartikel «Sind nachhaltige Immobilien wertvoller?»).

Rendite, Standort und Mikrolage ausschlag­gebend

Die Umfrage hat gezeigt, dass bei Akquisitionsentscheiden nach wie vor die klassi­schen Faktoren Rendite, Standort und Mikrolage ausschlag­gebend sind. Nur 31 Prozent der Investor:innen gaben an, dass das Thema Kreislaufwirtschaft beim Kauf einer Immobilie eine Rolle spielt. Damit bewegt sich das Thema bezüglich Relevanz auf einem ähnlichen Niveau wie die Themen Biodiversität, Klimaresilienz und Aussenraum.

Mittelfristig zuneh­mende Relevanz von ökolo­gi­schen Aspekten

Sobald die Investor:innen jedoch die mittel­fristige Relevanz von Nachhaltigkeitsaspekten beurteilen, gewinnen diese deutlich an Gewicht. Dazu gehören Themen wie der ökolo­gische Fussabdruck, Lebenszykluskosten, Nutzungsflexibilität und Klimaresilienz. 65 Prozent der Investor:innen geben an, dass die Kreislaufwirtschaft mittel­fristig von Bedeutung sein wird. Für 19 Prozent ist das Thema mittel­fristig sogar ausschlag­gebend.





Lebenszyklus: Flexible Nutzung besonders wertvoll

Die Umfrage hat gezeigt, dass mehr als jeder zweite Investor bei Akquisitionen auf die Nutzungsflexibilität achtet. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob Wohnungsgrössen verän­derbar sind oder wie flexibel das Steigzonenlayout gestaltet ist, um künftige Nutzungsänderungen zu ermög­lichen. Ebenso ist für rund die Hälfte der Investor:innen eine schlanke Gebäudetechnik entscheidend.

Mehr erfahren über Strategieberatung bei Wüest Partner.

Zirkuläre Gebäude: Wachsende Zahlungsbereitschaft

Die Umfrage von Herbst 2022 zeigte zwar, dass 38 Prozent der Investor:innen nicht bereit sind, mehr zu zahlen für ein Gebäude, das nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft erstellt wurde. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass dieser Wert anlässlich der Umfrage 2020 noch bei 54 Prozent lag. Auf der anderen Seite hat der Anteil derje­nigen, die angaben, eine erhöhte Zahlungsbereitschaft für zirkuläre Gebäude zu haben, zugenommen: Im Herbst 2020 waren es insgesamt noch 17 Prozent. Im Herbst 2022 gaben immerhin schon 20 Prozent der Investor:innen an, bereit zu sein, für ein zirku­läres Gebäude bis zu 3 Prozent mehr zu zahlen, 7 Prozent würden sogar mehr als 3 Prozent mehr zahlen.





Dominanz des Themas Energieeffizienz über graue Energie

Das Thema Kreislaufwirtschaft hat es noch nicht ganz auf den Radar aller Investor:innen geschafft: Nur 27 Prozent geben eine erhöhte Zahlungsbereitschaft an für Gebäude, die nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft erstellt wurden. Themen, die sich auf den Betrieb und die energe­tische Performance beziehen, haben derzeit noch einen gewissen Vorsprung: Bei Gebäuden, die mehr Energie produ­zieren als sie verbrauchen, oder bei besonders energie­ef­fi­zi­enten Gebäuden mit einem hohen Anteil erneu­er­barer Energie (Minergie) sind 41 Prozent der Investor:innen bereit, einen höheren Preis zu berappen.

Sie wollen mehr über das Thema Wertrelevanz erfahren? Lesen Sie dazu den Blogartikel «Sind nachhaltige Immobilien wertvoller?».






Drei Haltungen zur Nachhaltigkeit: Erfüllen, Mitdenken, Umdenken

Die Haltung von Schweizer Immobilieninvestoren bei ihrem Umgang mit Nachhaltigkeit lässt sich den folgenden drei Kategorien zuordnen:

Erfüllen

Eine erste Gruppe von Investor:innen orien­tiert sich an gewohnten Prozessen. Das Nachhaltigkeitsverständnis wird durch Gesetzesgrundlagen und Normen bestimmt. Innovation oder nachhal­tiges Bauen haben einen eher geringen Stellenwert, es fehlt oft an Wissen oder an Fachkräften.

Mitdenken

Eine zweite Gruppe von Investor:innen geht davon aus, dass nachhal­tiges Bauen mittel- oder langfristig die Risiken minimiert. Auch der Anlegerdruck spielt eine Rolle: Ihre Liegenschaften orien­tieren sich an aktuellen Nachhaltigkeitsstandards, um nicht zu «stranded assets» zu verkommen. Diese Gruppe möchte sich abheben von der Konkurrenz, indem sie ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen anhand von beson­deren Pilot- oder Leuchtturmprojekten signa­li­siert, Erfahrungen sammelt, sich am Diskurs beteiligt.

Umdenken

Eine wachsende Gruppe von Investor:innen ist bereit, einen Schritt weiter­zu­gehen und umzudenken. Sie streben nach Innovation und entwi­ckeln neue Konstruktionsweisen, Prozesse, Wohnformen mit dem Ziel, eine neue, radikale Nachhaltigkeit zu etablieren. Diese Gruppe engagiert sich am stärksten für Themen der Kreislaufwirtschaft.

Wüest Partner und Durable unterstützen Kund:innen bei der Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft

Dienstleistungen

Wir bieten unseren Kund:innen folgende Dienstleistungen:

  • Entwicklung von Leitfäden und Konzepten zur Kreislaufwirtschaft
  • Definition von Anforderungen im Bereich Kreislaufwirtschaft für die Projektentwicklung und Planung
  • Strategien zum Erhalt von bestehenden Gebäuden und Gebäudeerneuerung
  • Implementierung von Massnahmen der Kreislaufwirtschaft in den Prozessabläufen einer Organisation
  • Szenarioanalysen für konkrete Bauprojekte

Unser Angebot in der Übersicht.

Entwicklungspartnerschaft

Wir sind auf der Suche nach inter­es­sierten Kund:innen, die als Entwicklungspartner:innen davon profi­tieren wollen, dass neue Produkte auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Dabei handelt es sich um folgende Angebote:

  • Portfolioanalyse hinsichtlich Ressourcen/Baumaterialien: Erstellung von Gebäuderessourcenpässen als Erweiterung des Gebäudemodells in «Wüest Dimensions»
  • Monitoring des Ressourcenverbrauchs (bei Sanierungen und Neubauten) und der grauen Emissionen
  • Circularity Reporting (Beurteilung von Rückbaubarkeit, Trennbarkeit, Rezyklierfähigkeit etc. basierend auf dem Gebäuderessourcenpass)

Treten Sie in Kontakt mit uns.