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Trends und Wohnwünsche für das höhere Alter

Veröffentlicht am: 10. Oktober 2024 Letzte Aktualisierung: 23. März 2026

Mit dem Alter ändern sich die Wohnanforderungen und viele Menschen stehen vor der Frage, ob sie in ihrem vertrauten Zuhause bleiben oder eine alters­ge­rechte Wohnform wählen sollen. Die aktuelle Immo-Barometer-Befragung 2024 von Wüest Partner beleuchtet diese Thematik erstmals im Detail, vor allem: Wie hoch ist die Bereitschaft, im höheren Alter das vertraute Zuhause aufzu­geben? Welche Gründe sprechen für einen möglichen Umzug, und welche Wohnformen werden bevorzugt? Diese und weitere Fragen wurden gezielt an Menschen über 50 Jahre gerichtet – einer Altersgruppe, die sich erwar­tungs­gemäss bereits mit dem Thema «Wohnen im Alter» beschäftigt. Die vorlie­gende Umfrage bietet wertvolle Einblicke in die Einstellungen und Präferenzen dieser wachsenden Zielgruppe.

Hohe Bereitschaft zur Wohnungsanpassung und Umzugsgründe im Alter

Die Befragung zeigt, dass viele Menschen über 50 Jahre grund­sätzlich bereit sind, ihre Wohnsituation im Alter anzupassen. Fast drei Viertel der Mietenden und mehr als zwei Drittel der Eigentümerinnen und Eigentümer können sich vorstellen, im höheren Alter umzuziehen. Dies weist auf eine hohe Bereitschaft hin, sich den verän­derten Anforderungen des Alters zu stellen. Der Besitzstatus spielt jedoch eine wesent­liche Rolle: Mietende sind erwar­tungs­gemäss am ehesten bereit, ihre Wohnsituation zu ändern. Aber auch unter den Eigentümerinnen und Eigentümern von Einfamilienhäusern zeigt sich eine bemer­kens­werte Offenheit: Über 29 Prozent geben an, mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit im Alter umzuziehen, während weitere 43 Prozent einen Umzug für vorstellbar halten. Bei den Eigentümerinnen und Eigentümern von Stockwerkeigentum ist die Umzugsbereitschaft jedoch deutlich geringer. Hier planen nur rund 17 Prozent mit hoher Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit einen Umzug im höheren Alter. Dies deutet einer­seits auf eine grössere Zufriedenheit oder eine stärkere Bindung an die bestehende Wohnsituation hin. Andererseits könnten die typischer­weise grössere Barrierefreiheit und der niedrigere Flächenverbrauch im Bereich der Eigentumswohnungen eine Rolle spielen, was den Wunsch nach einem kleineren Wohnobjekt verringert. Zudem dürfte der geringere Aufwand für den Unterhalt der Aussenflächen ebenfalls von Bedeutung sein. Im Vergleich zu den Mietenden könnte es aufgrund der getätigten Amortisationen eine geringere Wohnkostenbelastung bei Eigentumswohnungen geben.

Frage: Können Sie es sich vorstellen, Ihre Wohnsituation im höheren Lebensalter zu verändern, d.h. aus ihrer aktuellen Wohnung / ihrem aktuellen Haus auszuziehen?

Abbildung 1

Diese Vermutungen spiegeln sich auch in den Antworten der Befragten wider: Zu hohe Wohnkosten und zu grosse Häuser sowie Wohnungen werden häufig als Umzugsgründe genannt. Die Gründe für einen möglichen Umzug im Alter variieren je nach Wohnsituation: Mietende über 50 Jahre nennen vor allem finan­zielle Aspekte. Die Reduktion der Wohnkosten ist für viele ein entschei­dender Faktor, wenn sie darüber nachdenken, ihre Wohnung im fortge­schrit­tenen Alter zu wechseln. Bei Eigentümerinnen und Eigentümer über 50 Jahre, insbe­sondere von Einfamilienhäusern, steht hingegen der Aufwand für den Unterhalt im Vordergrund. Mit zuneh­mendem Alter scheint es vielen schwer­zu­fallen, die Instandhaltung von Haus und Garten alleine zu bewäl­tigen. Ein Umzug in eine kleinere, pflege­leichtere und vor allem hinder­nis­freie Wohnform wird daher von vielen als sinnvoll erachtet.

Frage: Was sind die Gründe dafür, dass sie im höheren Alter umziehen möchten/einen Umzug in Betracht ziehen?

Abbildung 2 – Die befragten konnten mehrere Gründe auswählen, die Grafik zeigt wie oft eine Option pro Gruppe gewählt wurde.

Bevorzugte Wohnformen im Alter

Die Befragung zeigt, dass die Mehrheit der über 50-Jährigen eine klassische Wohnung bevorzugt. Diese Wohnform ermög­licht es, den eigenen Haushalt eigen­ständig zu führen und gewähr­leistet die Nähe zu wichtigen Infrastrukturen wie Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und öffent­lichem Nahverkehr – Aspekte, die im Alter zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Auch das Mehrgenerationenhaus findet vergleichs­weise hohen Zuspruch. Viele Befragte sehen darin eine attraktive Alternative, die das Zusammenleben verschie­dener Altersgruppen fördert. Unklar bleibt jedoch, ob sie sich auf das Zusammenleben mit fremden Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern oder eher auf das Wohnen mit eigenen Kindern im Alter beziehen. In jedem Fall zeigt sich eine bemer­kens­werte Offenheit für neue Wohnkonzepte, die soziale Interaktion und gegen­seitige Unterstützung ermög­lichen.

Im Gegensatz dazu treffen Alters- und Pflegeheime auf deutlich weniger Zustimmung. Diese Wohnform wird oft erst in Betracht gezogen, wenn gesund­heit­liche Einschränkungen eine selbst­ständige Lebensführung unmöglich machen. Der geringe Zuspruch verdeut­licht, dass der Wunsch nach Autonomie und Unabhängigkeit im Alter für viele zentral ist, weshalb Pflegeheime häufig als letzte Option betrachtet werden.

Insgesamt zeigt die Befragung, dass ältere Menschen grossen Wert auf ihre Selbstständigkeit legen und Wohnformen bevor­zugen, die ihnen diese erhalten. Die klassische Wohnung bleibt die erste Wahl, während alter­native Konzepte wie Mehrgenerationenhäuser auf Offenheit stossen. Pflegeheime oder Senioren-Residenzen werden hingegen erst bei gravie­renden gesund­heit­lichen Einschränkungen als Wohnoption akzep­tiert.

Frage: Welche Wohnform würden Sie in Bezug auf eine Veränderung Ihrer Wohnsituation im höheren Lebensalter bevorzugen?

Abbildung 3 – Die Befragten wurden gebeten, die verschie­denen Optionen zu rangieren

Regionale Präferenzen und Suchradius

Ältere Menschen zeigen bei der Wohnungssuche im Alter unter­schied­liche regionale Präferenzen. Besonders auffällig ist die höhere Flexibilität unter den Mietenden sowie den Eigentümerinnen und Eigentümern von Einfamilienhäusern: Rund zwei Drittel der Mietenden und fast 75 Prozent der Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern wären bereit, ihre aktuelle Wohngemeinde zu verlassen und in eine andere Gemeinde oder sogar weiter entfernt zu ziehen. Diese Bereitschaft zur Mobilität ist bei Eigentümerinnen und Eigentümern von Stockwerkeigentum hingegen deutlich geringer. Fast 40 Prozent würden eine neue Wohnung innerhalb der gleichen Gemeinde bevor­zugen und nur etwa ein Viertel der Stockwerkeigentümerinnen und ‑eigen­tümer sucht ausserhalb ihrer jetzigen Wohnregion. Interessant ist, dass die Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern die einzige Gruppe ist, die nicht in der direkten Nachbarschaft sucht. Es ist gut möglich, dass Bewohnerinnen und Bewohner von Einfamilienhaussiedlungen ihre Wohngemeinde als unzurei­chend erschlossen oder ungenügend mit Infrastruktur ausge­stattet empfinden. Bemerkenswert ist die insgesamt geringe Bereitschaft aller Gruppen, den eigenen Kanton oder Grossraum zu verlassen. Dies deutet darauf hin, dass ältere Menschen zwar bereit sind, ihre Wohnsituation anzupassen, jedoch stark an ihrer vertrauten Region sowie den dortigen sozialen und infra­struk­tu­rellen Gegebenheiten festhalten.

Frage: In welchem Umkreis um Ihren derzeitigen Wohnort würden Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus im höheren Lebensalter suchen?

Abbildung 4

Wichtige Faktoren bei der Wohnungssuche

Bei der Suche nach einer alters­ge­rechten Wohnung spielen mehrere Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Für ältere Mietende stehen die Wohnkosten an erster Stelle – ein bezahl­bares Zuhause hat für viele höchste Priorität. Ebenso wichtig sind Barrierefreiheit und die Möglichkeit, ein selbst­be­stimmtes Leben zu führen. Auch die Infrastruktur im Wohnumfeld – wie ein guter Anschluss an den öffent­lichen Verkehr und nah gelegene Einkaufsmöglichkeiten – trägt zur Lebensqualität bei. Obwohl soziale Faktoren wie die Nähe zu Familie und Freunden oder kultu­relle Angebote eine Rolle spielen, sind wirtschaft­liche und praktische Überlegungen meist wichtiger. Insgesamt zeigt sich, dass die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit des Wohnraums sowie die Qualität der umlie­genden Infrastruktur zentrale Kriterien bei der Wahl einer alters­ge­rechten Wohnform sind.

Frage: Welche der folgenden Eigenschaften einer Wohnung / eines Hauses sind Ihnen besonders wichtig in Bezug auf das Wohnen im Alter?

Abbildung 5 – Die Befragten wurden gebeten, die verschie­denen Optionen zu rangieren, wobei der erste Rang die wichtigste Option darstellte. Abegebildet ist jeweils der durch­schnitt­liche Rang der Option.

Lesebeispiel: Mietende haben die Option «Kostengünstiger Wohnraum» durch­schnittlich auf dem 2.75 Rang platziert und ist damit innerhalb der Gruppe der Mietenden die wichtigste Option.

Fazit

Die Befragung von Personen über 50 Jahren zeigt deutlich, dass viele ältere Menschen aktiv über ihre Wohnsituation im Alter nachdenken und eine hohe Bereitschaft besteht, diese anzupassen. Während bei Mietenden häufig finan­zielle Aspekte im Vordergrund stehen, konzen­trieren sich Eigentümerinnen und Eigentümer vor allem auf die Reduzierung des Unterhaltsaufwands und die Schaffung von Barrierefreiheit. Die klassische Wohnung bleibt dabei die bevor­zugte Wahl, da sie sowohl den Wunsch nach Unabhängigkeit als auch nach Komfort vereint.

Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit diese Anpassungsbereitschaft angesichts steigender Mieten, hoher Immobilienpreise und eines begrenzten Wohnungsangebots tatsächlich erfüllt werden kann. Insbesondere die häufig niedrigen Wohnkosten – ältere Eigentümerhaushalte haben bekanntlich oft höhere Amortisationen ihrer Hypotheken reali­siert – sowie das bestehende Mietrecht, das Bestandsmieten oft weit unter den Marktmieten hält, dürften die Wohnmobilität weiterhin einschränken. Dies führt dazu, dass der Wunsch nach einer passenden Wohnform in vielen Fällen unerfüllt bleibt, sowohl für ältere als auch für jüngere Haushalte.

Nach den Beiträgen zur allge­meinen Wohnzufriedenheit («Wohnzufriedenheit: Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen») und zur Wohnsituation der jüngeren Generation («Wohnsituation und Wünsche der jüngeren Generation») war dies der dritte und letzte Teil der Blogtriologie zur Haushaltsbefragung «Immo-Barometer 2024».

Der «Immo-Barometer» von Wüest Partner
Der «Immo-Barometer» ist eine gesamt­schwei­ze­rische Umfrage zu den Themen Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse. Wüest Partner hat diese auch im Jahr 2024 mit der Unterstützung des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV) und des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT Schweiz) durch­ge­führt. Dabei werden jeweils rund 1000 reprä­sen­tativ ausge­wählte Haushalte in der deutsch- und franzö­sisch­spra­chigen Schweiz ausführlich zur aktuellen Wohnsituation und zu allfäl­ligen Veränderungsabsichten befragt. Es handelt sich beim «Immo-Barometer» um eine Langzeitstudie, die erstmals im Jahr 1988 und seither mindestens alle zwei Jahre erhoben wurde.