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Schweizer Gebäudepark: Der aktuelle Stand im Absenkpfad

Veröffentlicht am: 22. April 2026 Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2026

Der Schweizer Gebäudepark befindet sich auf dem Absenkpfad Richtung Netto-Null. Diese erfreu­liche Botschaft ist aller­dings im Kontext der engen Methodik des Treibhausgasinventars zu sehen, wonach nur Emissionen aus der Verbrennung von Öl und Gas dem Gebäudesektor angerechnet werden. Der Strom, der in Gebäuden verbraucht wird, oder die grauen Emissionen, die beim Um- und Neubau von Gebäuden entstehen, werden dem Industrie- und nicht dem Gebäudesektor zugeordnet.

Dieser Beitrag erläutert die Definitionen, die im Treibhausgasinventar verwendet werden und inter­pre­tiert die relevan­testen Zahlen und Entwicklungen.

Deutlicher Rückgang der Emissionen trotz mehr Fläche

Der Schweizer Gebäudesektor emittierte 2024 total 8.8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente1, das sind 22 Prozent der CO2- Emissionen der Schweiz. Dieser Wert stammt aus dem Treibhausgasinventar, welches das Bundesamt für Umwelt (BAFU) jährlich erstellt. Die neuesten verfüg­baren Daten stammen aus dem Jahr 2024, wobei die Werte der einzelnen Jahre auch wetter­be­dingten Schwankungen unter­liegen.

Aber auch der langfristige Trend zeigt in die gleiche Richtung: Zwischen 1990 und 2024 gelang eine Reduktion um 47 Prozent (das Jahr 1990 wurde im Pariser Klimaabkommen als Referenzjahr definiert). Zu den vielschich­tigen Gründen für den bedeu­tenden Rückgang zählen techno­lo­gische Fortschritte, striktere Baugesetze und vielver­spre­chende wirtschaft­liche Überlegungen.

Die Wirtschaftlichkeit haben wir kürzlich in einer umfas­senden Studie beleuchtet. Demnach sind grosse Investitionen zu tätigen, dafür sinken die Heizkosten und steigen die Marktwerte. Insgesamt halten sich Investitionen (nach Abzug von Fördergeldern und Steuerersparnissen) und Marktwertsteigerungen für die Eigentümerschaft in etwa die Waage, jedoch gibt es erheb­liche Unterschiede nach Objekt. Die Rentabilität für den Eigentümer variiert je nach Objekt und Sanierungsmassnahme, zeigt jedoch klare Muster. Sie sinkt typischer­weise mit der Sanierungstiefe, steigt jedoch mit der Höhe der staat­lichen Unterstützung, der Grösse der Liegenschaft und dem lokalen Preisniveau.

Der Rückgang der Emissionen ist umso bemer­kens­werter, als die beheizte Gebäudefläche, die sogenannte Energiebezugsfläche (EBF), im gleichen Zeitraum um 49 Prozent auf 808 Mio. m2 zugenommen hat (gemäss der auf der Webseite des BFE ausge­wie­senen Schätzung von Wüest Partner). Das bedeutet, dass die Emissionsintensität, also die Emissionen pro beheizte Flächeneinheit, noch stärker zurückging, und zwar um 65 Prozent. Dividiert man die gesamten Emissionen des Gebäudesektors durch die totale Energiebezugsfläche, resul­tierte im Jahr 2024 ein Durchschnittswert von noch 10.9 kg CO2-Äquivalenten pro Quadratmeter EBF.

Die zentrale Rolle der Heizung

Die Reduktion der Treibhausgasemissionen von Gebäuden ist in erster Linie auf die verwen­deten Heiztechnologien zurück­zu­führen. Als Folge der neuen kanto­nalen Baugesetze, die sich auf die MuKEn 2014 abstützen, werden Öl- und Gasheizungen am Lebensende mittler­weile mehrheitlich durch erneu­erbare Systeme ersetzt. In Neubauten werden schon seit einiger Zeit vor allem Wärmepumpen, Fernwärme oder Holzschnitzelheizungen einge­setzt. Mit der Substitution der fossilen Wärmeerzeuger Öl und Gas verschwinden deren Emissionen aus dem Treibhausgasinventar.

Dämmungen reduzieren Wärmebedarf

Ebenfalls einen Effekt haben Sanierungen der Gebäudehülle. Der Einbau neuer Fenster sowie das Dämmen von Fassade und Dach reduzieren den Wärmebedarf eines Gebäudes typischer­weise um mehr als die Hälfte. Der reduzierte Energiebedarf senkt bei fossil beheizten Liegenschaften die Treibhausgasemissionen. Auch Dämmungen leisten einen wichtigen Beitrag zu den Energiezielen.

Gemäss den Energieperspektiven 2050+ des Bundes soll der Wärmebedarf von Gebäuden, in Quadratmeter EBF gerechnet, zwischen 2020 und 2050 um 35 Prozent verringert werden. Die Energieperspektiven 2050+ haben aber eine tiefere Verbindlichkeit und Legitimation als ein Gesetz.

Klimaziel: Netto-Null bis 2050

Nachdem die Stimmbevölkerung am 18. Juni 2023 das Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz, die Innovation und die Stärkung der Energiesicherheit (KIG) angenommen hat, sind die Absenkziele nun auch auf Gesetzesstufe kodifi­ziert. Gemäss Artikel 4 des KIG darf der Gebäudepark 2040 nur noch 18 Prozent der Treibhausgasemissionen von 1990 ausstossen, was bedeutet, dass die Emissionen zwischen 2024 und 2040 immer noch um 66 Prozent reduziert werden müssen. Ab 2050 gilt dann das Netto-Null-Ziel, welches besagt, dass die Schweiz ab 2050 nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstossen darf, als durch natür­liche und technische Speicher aufge­nommen werden können.

Für 2030 gibt es kein auf Stufe Gesetz veran­kertes Ziel für den Sektor Gebäude, aber eine Verordnung. Gemäss Art. 3 dieser CO2-Verordnung dürfen die Emissionen des Gebäudeparks 2030 noch die Hälfte des Werts von 1990 betragen.

Bisheriges Tempo reicht, um auf dem Absenkpfad zu bleiben

Dieses Zwischenziel dürfte der Gebäudepark erreichen. Das letzte Zwischenziel, das in der Verordnung zum letzten CO2-Gesetz publi­ziert worden war, sah einen Rückgang der Emissionen um 40 Prozent bis 2020 vor (vergleiche Tabelle 1 in der Botschaft zur Revision des CO2-Gesetzes). Zwar verpasste der Gebäudepark diesen Zielwert knapp, er erreichte ihn jedoch im Jahr 2022 – und bestä­tigte die Unterschreitung auch in den Jahren 2023 und 2024.

Wie sind die Rückgänge der letzten Jahre im Vergleich zum angestrebten zukünf­tigen Absenkpfad einzu­ordnen? Damit die vom Gebäudepark emittierten 8.8 Millionen Tonnen CO2 ‑Äquivalente aus dem Jahr 2024 bis 2050 auf null reduziert werden können, müssen die Emissionen jedes Jahr um 340’000 Tonnen gesenkt werden. Das ist weniger als in den letzten Jahren: Zwischen 2010 und 2022 betrug der durch­schnitt­liche Rückgang 420’000 Tonnen pro Jahr. Das Tempo des Rückgangs der 2010er Jahre wäre also ausrei­chend, um dem vorge­se­henen Absenkpfad zu folgen. Die häufig gemachte Aussage, wonach die Sanierungsrate zu tief sei oder zu wenig inves­tiert werde, stimmt also nicht bezüglich den Klimazielen für den Betrieb des Gebäudeparks. Dieser ist auf dem Pfad, um die anhand des Treibhausgasinventars gemes­senen Klimaziele zu erreichen. Das ist vielver­spre­chend.

Zudem war über die letzten drei Dekaden eine Beschleunigung des Rückgangs zu beobachten. In den Nullerjahren betrug der durch­schnitt­liche Rückgang lediglich 200’000 Tonnen pro Jahr, und zwischen 1990 und 2000 war gar noch ein Anstieg von 20’000 Tonnen pro Jahr zu verzeichnen. Bei dieser vielver­spre­chenden Einschätzung sind drei teils wider­sprüch­liche Aspekte zu beachten:

  1. Einerseits gilt auch bei der Vermeidung von Emissionen das Pareto-Prinzip, wonach die Effizienz von energe­ti­schen Sanierungen zwar bei einem Teil der Liegenschaften hoch ist, aber bei einem anderen Teil der Liegenschaften deutlich tiefer ausfällt. Diese relativ schwer zu sanie­renden Liegenschaften werden tenden­ziell später energe­tisch auf den neuesten Stand gebracht. So zeigt etwa der Blick auf die tiefe wirtschaft­liche Profitabilität der energe­ti­schen Sanierung einer selten genutzten Ferienwohnung, dass das Halten des Reduktionstempos keine Selbstverständlichkeit darstellt.
  2. Es sind weitere techno­lo­gische Fortschritte zu erwarten. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind etwa die gesun­kenen Preise von Photovoltaikanlagen oder die stetig steigende Leistung von Wärmepumpen.
  3. Mit der Umstellung auf elektrisch betriebene Wärmepumpen reduzieren sich zwar die Emissionen des Gebäudeparks, aller­dings findet auch eine gewisse Verschiebung statt: So zählt der Strom, mit dem die Wärmepumpen betrieben werden, zum Industriesektor.

In der Tat ist die Einteilung in Sektoren entscheidend, um die vielver­spre­chende Einschätzung bezüglich Gebäudepark und Absenkpfad richtig einzu­ordnen.

Methodik des Treibhausgasinventars

Die in der Schweiz anfal­lenden Treibhausgasemissionen werden verschie­denen Sektoren zugeteilt. Wenn man die Logik des Treibhausgasinventars auf den häufig verwen­deten Begriff der Scopes überträgt, könnte man sagen, dass für den Gebäudesektor nur Scope-1-Emissionen berück­sichtigt werden.

Bei Gebäuden sind Scope-1-Emissionen solche, die direkt vor Ort bei der Verbrennung von Öl und Gas entstehen, um die Gebäude zu beheizen und Warmwasser aufzu­be­reiten. Viele Emissionen, die im Zusammenhang mit Gebäuden entstehen, werden nicht dem Gebäudesektor zugeordnet. Dies gilt etwa für Emissionen, die bei der Produktion von Elektrizität anfallen, die zwar in Gebäuden gebraucht, aber an einem anderen Ort erzeugt wird (Scope 2). Darüber hinaus werden Emissionen aus der Güterproduktion in Gewerbe- oder Industriebauten ebenso wenig berück­sichtigt wie dieje­nigen aus dem Einbau neuer Bauteile, die sogenannten «grauen Emissionen» (Scope 3)2.

Gebäudesektor mit stärkerer Reduktion als Verkehr und Industrie

Am meisten Emissionen verur­sachte der Verkehr mit 33 Prozent im Jahr 2024, gefolgt von der Industrie mit 22 Prozent. Während der Gebäudepark seine Emissionen seit 1990 um 47 Prozent reduzieren konnte, verzeichnete der Verkehr einen Rückgang von 10 Prozent und die Industrie einen solchen von 33 Prozent. Im Sektor «Übrige», zu dem etwa die Landwirtschaft oder die Abfallbewirtschaftung gehören, betrug der Rückgang 13 Prozent. Angelehnt an die unter­schied­lichen Entwicklungen in der Vergangenheit sehen die eidge­nös­si­schen Klimaziele für Gebäude auch für die Zukunft raschere Senkungen vor als für die anderen Sektoren (vergleiche nachfol­gendes Säulendiagramm).

Emissionen nach Sektor in Zehnjahresschritten. Index, totale Emissionen 1990 von 55.1 Mio Tonnen CO2-Äquivalente=100. Quellen: reali­siert bis 2020 gemäss Treibhausgasinventar BAFU, Ziele gemäss Verordnungsentwurf CO2-Gesetz für 2030 sowie KIG für 2040 und 2050). *2050: Keine Daten für den Sektor «Übrige»

An dieser Stelle gilt es festzu­halten, dass die Bauwirtschaft nicht zum Gebäudesektor, sondern zur Industrie gerechnet wird. Der Bau und die Sanierung von Gebäuden verur­sachen bedeu­tende CO2-Emissionen. Die Reduktion dieser aus Sicht der Immobilien grauen Emissionen ist nötig, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft schreitet voran, insbe­sondere durch die Wahl der Materialien. Wir schätzten in einer Studie, dass Emissionen im Umfang von 1.2 Prozent des Treibhausgasinventars einge­spart würden, wenn es gelingen sollte, den Anteil von Holz als Baumaterial in der Schweiz zu verdoppeln.

Die Rolle und Herausforderung der Kreislaufwirtschaft

Da vollständig CO2-neutrales Bauen derzeit kaum reali­sierbar ist, gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Das bedeutet, dass bestehende Gebäude möglichst lange genutzt oder mit rezyklierten Materialien saniert statt neu gebaut werden sollten. Angesichts der dynami­schen Siedlungsentwicklung in der Schweiz und der Tatsache, dass viele Bauteile so stark mitein­ander verklebt sind, dass sie nur schwer getrennt und wieder­ver­wendet werden können, stellt dies jedoch eine erheb­liche Herausforderung für die Bauwirtschaft dar. Im Vergleich dazu ist der Austausch von Heizsystemen wesentlich einfacher. Auf diesem Weg kann der Gebäudesektor den Absenkpfad Richtung Netto-Null einhalten.

Wie wichtig es zur Erreichung der Klimaziele ist, dass der Betrieb des Gebäudeparks den Absenkpfad einhalten kann, zeigt sich an dessen hohem Anteil an den Gesamtemissionen: Zwischen 1990 und 2010 war der Gebäudesektor im Durchschnitt für 30 Prozent der im Treibhausgasinventar verzeich­neten Emissionen verant­wortlich.

  1. Es gibt neben Kohlendioxid weitere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas, die für eine Erwärmung des Klimas sorgen. Für eine einheit­liche Beurteilung wird deren Klimawirkung in CO2-Äquivalente umgerechnet. ↩︎
  2. Diese Methodik orien­tiert sich an den sogenannten GreenHouseGas-Richtlinien des Rahmenübereinkommens UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change).  ↩︎