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Preise für Renditeliegenschaften im Umfeld inflationsgetriebener Zinsanstiege

Veröffentlicht am: 03. März 2023 Letzte Aktualisierung: 23. März 2026

Die Unsicherheiten am Markt für Renditeliegenschaften sind derzeit gross: Wie negativ wirken sich die Zinsanstiege 2023 hier aus? Wie positiv schlagen sich die starke Zuwanderung und die robuste Wirtschaft im Immobilienmarkt nieder? Und welche Entwicklungen sind bei den Preisen von Renditeliegenschaften zu erwarten? Dass diese eng mit der Zinsentwicklung gekoppelt sind, jedoch auch die realen Verzinsungen eine Rolle spielen, haben wir im ersten Blogbeitrag zur Wirkung des aktuellen Marktumfelds auf Renditeliegenschaften im November 2022 bereits thema­ti­siert (vgl. Renditeliegenschaften in turbu­lentem Marktumfeld). 

Wir haben damals auch darauf hinge­wiesen, dass neben der Zinswirkung ebenso das konjunk­tu­relle Umfeld und der Nutzermarkt zur Beurteilung der Entwicklung der Immobilienpreise von grosser Bedeutung sind. Und genau diese Wirkungen verschie­dener Preisdeterminanten nehmen wir im Folgenden unter die Lupe und schätzen die Effekte eines typischen Szenarios mit erhöhter Inflation und weiteren Zinsanstiegen auf die Preise von Renditeliegenschaften ab. Um den funda­men­talen Zusammenhang zwischen Zinsen, Wirtschaftsumfeld und weiteren Einflussfaktoren zu beleuchten, blicken wir zurück und versuchen, aus Mustern in histo­ri­schen Zeitreihen Erkenntnisse für die heutige Situation abzuleiten. Liegen genügend lange Zeitreihen vor, können die Zusammenhänge spezi­fi­scher Einflussfaktoren analy­siert werden, um darauf aufbauend Szenarien abzubilden. 

Unterschiedliche Umfeldeinflüsse

Zinsen wirken insbe­sondere über die folgenden drei Mechanismen auf die Immobilienpreise und ‑renditen ein:Erstens steigt die Renditeerwartung, wenn Anlagealternativen zu Immobilien besser verzinst werden. Denn grund­sätzlich führt eine Zinserhöhung zu einem Geldabfluss aus dem Kapitalmarkt, was einen Rückgang der inves­ti­ti­ons­ge­trie­benen Nachfrage nach Immobilien zur Folge hat. Zweitens sind Eigentümerinnen und Eigentümer, die ihre Liegenschaft mit Fremdkapital finan­ziert haben, mit höheren Zinskosten konfron­tiert, und höhere Fremdkapitalzinskosten führen zu einer gestei­gerten Renditeerwartung. Drittens sind in einem infla­tio­nären Umfeld mit steigenden Löhnen und Zinsen typischer­weise auch steigende Mieten zu beobachten. Und über Mietzinsanpassungen im Zuge höherer Referenzzinssätze sind höhere Bestandesmieten reali­sierbar. Insbesondere in einem Umfeld wie dem gegen­wär­tigen (lebhafte Wohnungsnachfrage, eine zu geringe Wohnungsproduktion und sinkende Leerstände) begünstigt der Flächenmarkt den Anstieg von Mieten, Mieterträgen und damit auch von Immobilienpreisen. Das aktuelle Marktumfeld zeigt exempla­risch, wie die diversen Einflussfaktoren in unter­schied­licher – und teilweise entge­gen­ge­setzter – Weise auf die Immobilienpreise einwirken.

Statistisches Modell für die Zusammenhangsanalyse

Wie stark ist die Reaktion der Immobilienpreise auf Zinsveränderungen im Verhältnis zur Reaktion auf andere Einflussfaktoren? Diese Frage lässt sich mithilfe einer Kointegrationsanalyse beant­worten, die auf der Annahme basiert, dass zwischen zwei oder mehreren Variablen ein stabiles Gleichgewicht existiert und Abweichungen von diesem Gleichgewicht tempo­rärer Natur sind. Darauf aufbauend kann ein Fehlerkorrekturmodell angewendet werden (Vector Error Correction Model), welches sowohl die kurz- als auch die langfris­tigen Beziehungen verschie­dener Einflussfaktoren schätzt. Denn wie erwähnt hängen Immobilienpreise nicht nur von den Zinsen ab, sondern auch von einer Reihe weiterer Faktoren. In der vorlie­genden Studie haben wir die Preise von Renditeliegenschaften als Funktion der Zinsen, des Bruttoinlandproduktes (BIP), der Leerstände sowie der Angebotsmieten model­liert, basierend auf der Zeitreihe von 1980 bis 2020.

Abbildung 1: Impuls-Response-Funktionen

Impuls-Response-Funktionen
Impuls-Response-Funktionen

In Abbildung 1 wird darge­stellt, wie sich der Preisindex für Wohn- oder Geschäftsliegenschaften verhält, wenn sich die dafür relevanten Einflussfaktoren verändern. Die Preise von Renditeliegenschaften reagieren auf Veränderungen des Zinsniveaus (rote Linie) im Vergleich zu den anderen Einflussfaktoren besonders sensitiv, wobei der Preiseffekt bei Wohnliegenschaften grösser ist als bei Geschäftsliegenschaften. Besonders bemer­kenswert ist, dass die jewei­ligen Funktionen erst nach rund 5 Jahren konver­gieren. Daraus lässt sich schliessen, dass die Preise von Wohn- und Geschäftsliegenschaften nicht nur Monate, sondern Jahre brauchen, um nach makro­öko­no­mi­schen Schocks in die Gleichgewichtsbeziehung zurück­zu­finden. Wirkungsverzögerungen lassen sich ebenso bei Veränderungen im Leerstand, im BIP und in den Angebotsmieten beobachten, wobei sich erneut eine höhere Sensitivität im Wohnsegment als bei Geschäftsliegenschaften beobachten lässt. Bei Letzteren verringern segment­spe­zi­fische Eigenschaften wie beispiel­weise fixe Vertragsdauern oder höhere Inflationsindexierungen bei Geschäftsmietverträgen die Sensitivität.

Inflationsgetriebener Zinsanstieg und die Preise von Renditeliegenschaften

Abbildung 1 zeigt jeweils den Effekt einer einzelnen Einflussgrösse auf den Preis einer Renditeliegenschaft. In der Realität kommt es jedoch immer auf die Gesamtkonstellation an. So gehen in einem typischen Szenario steigende Zinsen mit einer steigenden Teuerung und damit auch mit steigenden Angebotsmieten einher. 

Ein solches typisches Szenario – wir nennen es «Inflationsgetriebener Zinsanstieg» – bilden wir im Folgenden ab. Es wird hierbei von einer mittleren Teuerungsrate von plus 2.5% über einen Zeitraum von 5 Jahren ausge­gangen und von einem Zinsanstieg um 250 Basispunkte, dies jedoch in einem expan­siven Wirtschaftsumfeld mit mittleren realen Wachstumsraten von plus 2.0% (nominal plus 4.5%) und in einem soliden Nutzermarkt mit überdurch­schnitt­lichen Mietanstiegen und sinkendem Wohnungsleerstand.

Tabelle 1: Parametrisierung des infla­ti­ons­ge­trie­benen Zinsanstiegs

EinflussfaktorMessung über 5 JahreInflationsgetriebener Zinsanstieg
WohnungsleerstandVeränderung in Prozentpunkten– 0.2 PP
Geschäftsflä­chenleerstandVeränderung in Prozentpunkten– 1.0 PP
BIP nominalAnnualisierte Wachstumsrate+ 4.5 %
InflationAnnualisierte Wachstumsrate+ 2.5 %
Rendite Bundesobliga­tionen (10 J.)Veränderung in Prozentpunkten+ 2.5 PP
Angebots­mieten WohnenAnnualisierte Wachstumsrate+ 3.0 %
Angebotsmieten Büro/Verkauf Annualisierte Wachstumsrate+ 2.5 %

Aus der Simulation des hier darge­stellten Szenarios «Inflationsgetriebener Zinsanstieg» resul­tieren Preisrückgänge bei Wohnliegenschaften um 15% und bei Geschäftsliegenschaften um 14%. Dies entspricht einer mittleren jährlichen Preisveränderung von minus 3.0% bei Wohnliegenschaften und von minus 2.8% bei Geschäftsliegenschaften. Abbildung 2 zeigt den Effekt dieses Szenarios auf die Preise, kumuliert über 5 Jahre.

Abbildung 2: Erwartete Auswirkungen des Szenarios infla­ti­ons­ge­trie­bener Zinsanstieg auf die Marktwerte von Renditeliegenschaften

Obwohl sich die Preise von Wohnliegenschaften gemäss dieser Modellierung um 15% reduzieren, führen die gestie­genen Marktmieten über 5 Jahre hinweg zu einer Nettocashflow-Rendite von insgesamt circa plus 20%, woraus ein Total Return von nominal (kumuliert über den genannten Zeitraum) knapp plus 5% resul­tiert (vor gross­zy­kli­schen Instandsetzungsmassnahmen). Teuerungsbereinigt resul­tiert im Total Return ein Verlust von über 10%, da die höheren Mieten eben auch mit höheren Inflationsraten einher­gehen. In Abbildung 3 wird die simulierte Entwicklung des Preiseffektes, der Nettocashflow-Rendite und des Total Returns kumuliert über 5 Jahre darge­stellt.

Abbildung 3: Entwicklung der mittleren Total Returns Szenario infla­ti­ons­ge­trie­bener Zinsanstieg (kumuliert über 5 Jahre)

Fazit

Noch vor Kurzem war das von uns abgebildete Szenario «Inflationsgetriebener Zinsanstieg» ein theore­ti­sches Szenario. Inzwischen ist es nicht mehr unrea­lis­tisch. Zwar besteht nach wie vor die Hoffnung auf eine Eindämmung der Teuerung und auf nur noch schwache Zinsanstiege. Doch sollten sich die Teuerung und vor allem die erhöhten Zinsen hartnäckig halten, so könnte eine Entwicklung wie die darge­stellte eintreten. In diesem Falle wäre gemäss Modellrechnung mit einem Preisrückgang bei Wohnliegenschaften von rund 15% zu rechnen. Immerhin generieren die Liegenschaften auch während der oben betrach­teten 5 Jahre im Durchschnitt (nominal) positive Cashflow-Returns – dank Mietpreisanstiegen und Leerstandsrückgängen (und unter Ausklammerung grossyz­kli­scher Sanierungsmassnahmen).

Obwohl die reale Dynamik in den Immobilienmärkten bedeutend komplexer ist als hier model­liert, lassen sich inter­es­sante Erkenntnisse aus den Ergebnissen gewinnen. Dazu gehören, abgesehen von der Grössenordnung der zu erwar­tenden Preiswirkung, die zu erwar­tenden Wirkungsverzögerungen: Die Preise für Renditeliegenschaften reagieren zeitlich deutlich verzögert auf Zins- und Umfeldänderungen, und Anpassungsprozesse zur Wiederherstellung von Gleichgewichtszuständen brauchen mehrere Jahre. Damit sind die Preise von Renditeliegenschaften auch entscheidend von der Dauer und Intensität makro­öko­no­mi­scher Entwicklungen abhängig. Der Effekt eines Zinsanstiegs ist also immer im Kontext der gesamt­wirt­schaft­lichen Lage und der Marktkräfte zu betrach­teten. Das solide realwirt­schaft­liche Umfeld und die grosse und ungedeckte Wohnungsnachfrage dürften die Immobilienpreise im gegen­wär­tigen Umfeld erheblich stützen. Dennoch fällt die Zinssensitivität im Verhältnis zu den genannten Faktoren ungleich stärker aus. Und sie dürfte heute auch stärker ausfallen als in der Vergangenheit. Denn einer­seits hat bei den aktuell tiefen Diskontierungssätzen jeder Anstieg der Zinssensitivität einen stärkeren prozen­tualen Effekt auf die Immobilienpreise. Anderseits wird die erhöhte Transparenz auf den Immobilienmärkten zu einer besseren Informationslage und damit zu tenden­ziell kürzeren Anpassungszeiten im Investorenmarkt führen. So bleibt die Hoffnung, dass die Phase der Verunsicherung und der Anpassungsprozesse am Schweizer Markt für Renditeliegenschaften zügig zu Ende geht und eine neue Zuversicht entsteht. 

Weitere Informationen

Wenn auch Sie Ihr Immobilienportfolio gemäss der oben vorge­stellten Methodik einem Stresstest unter­ziehen möchten, dann kontak­tieren Sie uns.

Weitere Erklärungen zu den hier vorge­stellten Zahlen samt mathe­ma­ti­scher Erklärung finden Sie im Grundlagenbericht «Renditeliegenschaften ökono­misch erklärt». So wird etwa auf den Seiten 37/38 beleuchtet, wie sich in den letzten 40 Jahren die Preise von Renditeliegenschaften in Zeiten steigender Zinsen entwi­ckelt haben. Ab Seite 41 zeigen wir den mathe­ma­ti­schen Zusammenhang zwischen Zinsen und Diskontierungssätzen auf.

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