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Was bei der Wohnungssuche heute zählt

Veröffentlicht am: 01. Oktober 2026

Die diesjährige Befragung im Rahmen des «Immo-Barometers» von Wüest Partner liefert erneut spannende Erkenntnisse zu den Wohnbedürfnissen und den wichtigsten Kriterien bei der Wohnungswahl. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Prioritäten von Mietenden angesichts steigender Mieten, wärmerer Sommer und verän­derter Arbeitsformen verschieben. Der Mietzins gewinnt an Bedeutung, während die Bereitschaft zu Kompromissen zunimmt.

Mietzins wird wichtiger

Die steigenden Mieten und die anhaltend knappe Verfügbarkeit von Mietwohnungen hinter­lassen Spuren bei der Wohnungssuche. Für inzwi­schen 81 Prozent der befragten Mietenden ist der Mietzins ein ausschlag­ge­bendes Kriterium bei der Wahl einer Wohnung. Seine Bedeutung hat gemäss den Umfrageergebnissen in den vergan­genen Jahren deutlich zugenommen. Diese Entwicklung fällt zeitlich mit dem Anstieg der Angebotsmieten zusammen. Seit 2021 ist der hedonische Angebotsmietpreisindex um rund 18 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Mietenden, für die der Mietzins bei der Wohnungssuche ausschlag­gebend ist, von 53 auf 81 Prozent erhöht.

Der Mietzins beein­flusst damit zunehmend, welche Wohnungen überhaupt infrage kommen, welche Wohnfläche sich ein Haushalt leisten kann und an welchen Lagen gesucht wird.



Preis allein entscheidet nicht

Bei der Wahl einer Wohnung ist der Mietzins dennoch nicht das einzige entschei­dende Kriterium. Die diesjährige Umfrage zeigt, dass auch verschiedene Merkmale der Wohnung eine wesent­liche Rolle spielen. An zweiter Stelle folgt das Platzangebot: Für rund 58 Prozent der Befragten ist der vorhandene Platz ausschlag­gebend, für weitere 37 Prozent zumindest von Bedeutung. Auch der allge­meine Komfort geniesst einen hohen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der Mietenden stuft ihn als ausschlag­gebend ein, während weitere 43 Prozent ihm eine gewisse Bedeutung beimessen.



Ebenfalls wichtig sind ein Balkon und der Grundriss der Wohnung. Beide Kriterien werden von jeweils knapp der Hälfte der Befragten als ausschlag­gebend bezeichnet. Zusammen mit dem Platzangebot und dem allge­meinen Komfort bilden sie jene wohnungs­spe­zi­fi­schen Eigenschaften, die bei der Wohnungssuche neben dem Mietzins besonders stark ins Gewicht fallen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Mietende trotz des zuneh­menden Kostendrucks nicht allein an der Höhe des Mietzinses orien­tieren. Entscheidend ist vielmehr, ob eine bezahlbare Wohnung auch den eigenen Anforderungen an Fläche, Funktionalität und Wohnqualität entspricht.

Sommerlicher Wohnkomfort zählt mehr

Eine auffällige Entwicklung zeigt sich beim Kriterium der Innentemperatur während der Sommermonate. Während dieser Punkt im Jahr 2021 erst von rund 20 Prozent der Befragten als ausschlag­gebend einge­stuft wurde, lag der Anteil 2026 bereits bei über 30 Prozent.

Diese Entwicklung ist plausibel. Der Befragungszeitraum liegt jeweils im Juni. In den Juni-Monaten 2025 und 2026 lagen die Temperaturen rund 1.5 bis 2 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2024. Gleichzeitig verbringen viele Menschen aufgrund verän­derter Arbeitsformen mehr Zeit zu Hause. Eine angenehme Raumtemperatur ist damit nicht mehr nur eine Frage des Komforts, sondern zunehmend auch der Arbeits- und Lebensqualität.



Für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie für Projektentwickler gewinnt der sommer­liche Wärmeschutz dadurch an Relevanz. Beschattung, Ausrichtung, Fensterflächen, Begrünung und die Möglichkeit zur Nachtauskühlung können die Attraktivität einer Wohnung künftig stärker beein­flussen. Der Klimakomfort wird damit zu einem Merkmal, das bei der Vermietung von Wohnraum weiter an Bedeutung gewinnen könnte.

Lage und Wohnumfeld bleiben wichtig

Auch die Lage und das Wohnumfeld werden bei der Wohnungswahl stark gewichtet. An erster Stelle steht die Erreichbarkeit mit öffent­lichen Verkehrsmitteln. Für 49.2 Prozent der Befragten ist sie ausschlag­gebend, für weitere 37.1 Prozent zumindest von Bedeutung. Danach folgen die Länge des Arbeitswegs und der Umgebungslärm. Auch Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe spielen für viele Mietende eine wichtige Rolle. Etwas weniger stark, aber weiterhin relevant, werden die Nähe zu Naherholungsgebieten und Grünflächen beurteilt.



Die Wohnungswahl ist somit ein Abwägen zwischen mehreren Dimensionen. Eine Wohnung muss bezahlbar sein und den indivi­du­ellen Bedürfnissen entsprechen. Gleichzeitig soll sie in ein gut erschlos­senes und attrak­tives Umfeld einge­bettet sein. Die Nachfrage richtet sich deshalb nicht nur auf die Wohnung selbst, sondern auch auf die Qualitäten des Quartiers und der näheren Umgebung.

Eine gute Anbindung und ein angenehmes Wohnumfeld können Nachteile der Wohnung teilweise ausgleichen. Umgekehrt kann ein tieferer Mietzins die Bereitschaft erhöhen, bei der Lage oder der Ausstattung Abstriche zu machen.

Arbeitsweg gewinnt wieder an Bedeutung

Die Länge des Arbeitswegs hat bei der Wohnungswahl wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Während sie im Jahr 2021, also während der Pandemie, für lediglich 23 Prozent der befragten Mietenden ausschlag­gebend war, lag dieser Anteil 2026 wieder bei über 40 Prozent. Die stärkere Gewichtung dürfte auch damit zusam­men­hängen, dass viele Haushalte inzwi­schen wieder häufiger am Arbeitsort präsent sind und die tägliche Pendelzeit dadurch stärker ins Gewicht fällt.

Dennoch besteht bei der Wohnungssuche eine gewisse geogra­fische Flexibilität. Viele Mietende sind bereit, zugunsten eines tieferen Mietzinses einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen. Diese Bereitschaft hängt jedoch wesentlich vom heutigen Arbeitsweg ab. Personen mit einem kurzen Arbeitsweg zeigen sich deutlich flexibler, während jene, die bereits heute lange pendeln, ihre Pendelzeit nur begrenzt weiter erhöhen möchten.

Offenbar zählt somit nicht nur die absolute Länge des Arbeitswegs, sondern auch dessen Veränderung gegenüber der heutigen Situation. Eine moderate Verlängerung von bis zu 15 Minuten wird von einer grossen Mehrheit noch akzep­tiert. Mit zuneh­mender zusätz­licher Pendelzeit nimmt die Bereitschaft jedoch deutlich ab. Geografische Flexibilität ist damit durchaus vorhanden, hat aber klare Grenzen.



Mehr Pendelzeit gegen tieferen Mietzins

Die geogra­fische Flexibilität hängt nicht nur von der zusätz­lichen Pendelzeit, sondern auch von der erwar­teten Mietzinsreduktion ab. Bei Personen mit einem kurzen heutigen Arbeitsweg genügt häufig bereits ein moderater finan­zi­eller Vorteil. 58.7 Prozent der Befragten mit einem Arbeitsweg von höchstens 15 Minuten würden für eine Verlängerung um 1 bis 15 Minuten eine Mietzinsreduktion von weniger als CHF 200 als ausrei­chend erachten.

Bei Personen mit einem heutigen Arbeitsweg von 31 bis 45 Minuten liegt dieser Anteil hingegen nur bei 40.7 Prozent. Gleichzeitig erwarten 37.2 Prozent dieser Gruppe eine Reduktion von CHF 200 bis 499.



Bei Personen mit einem bereits langen Arbeitsweg ist die Kompromissbereitschaft am geringsten. Knapp ein Fünftel von ihnen würde eine längere Pendelzeit grund­sätzlich nicht gegen einen tieferen Mietzins eintau­schen. Geografische Flexibilität ist daher nicht gleich­be­deutend mit einer unein­ge­schränkten Bereitschaft zu längeren Arbeitswegen. Sie hängt davon ab, wie lang der heutige Arbeitsweg bereits ist, wie stark er sich verlängert und welcher finan­zielle oder quali­tative Vorteil im Gegenzug geboten wird.

Wohnungssuchende gehen mehr Kompromisse ein

Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt erhöht die Bereitschaft, bei der Wohnungssuche Kompromisse einzu­gehen. Nahezu alle abgefragten Ausstattungs- und Lagekriterien werden heute häufiger als verzichtbar bezeichnet als noch in den Jahren 2020 und 2021.

Besonders deutlich zeigt sich dies beim Garten, bei der Qualität der Umgebungsgestaltung, beim allge­meinen Ausbaustandard sowie bei einem zusätz­lichen Zimmer. Auch auf eine grössere Wohnfläche, eine gute Wohnlage oder die Erreichbarkeit mit dem Auto würden heute mehr Befragte verzichten als vor den starken Mietpreisanstiegen der vergan­genen Jahre.

Bei zentralen Merkmalen wie der Erreichbarkeit mit öffent­lichen Verkehrsmitteln, einem Balkon oder einer Terrasse sowie einem Kellerabteil sind die Befragten hingegen weiterhin nur in geringem Umfang zu Kompromissen bereit. Eine Ausnahme bildet die Nähe zum Arbeitsplatz. Dieses Kriterium wird heute sogar etwas seltener als verzichtbar einge­stuft als noch vor fünf Jahren.



Wohnungsknappheit verschiebt die Prioritäten

Seit 2020 ist der Anteil jener Mietenden, die auf drei oder weniger der abgefragten Kriterien verzichten können, von 43.3 auf 25.9 Prozent gesunken. Gleichzeitig ging die Leerstandsquote von 1.72 auf 0.93 Prozent zurück. Beide Entwicklungen verlaufen damit weitgehend parallel.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Wohnungssuchende in einem zunehmend knappen Markt eher bereit sind, bei mehreren Merkmalen Kompromisse einzu­gehen, um überhaupt eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden.



Fazit: Mietzins, Wohnqualität und Lage

Der Mietzins hat bei der Wohnungssuche deutlich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig bleiben Platzangebot, Komfort, Grundriss und sommer­licher Wohnkomfort wichtige Kriterien. Auch die Lage und das Wohnumfeld zählen stark. Besonders relevant sind die Erreichbarkeit mit öffent­lichen Verkehrsmitteln, die Länge des Arbeitswegs, der Umgebungslärm und die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten.

Eine gewisse geogra­fische Flexibilität ist vorhanden, hat jedoch Grenzen. Ein moderater zusätz­licher Arbeitsweg kann durch einen tieferen Mietzins ausge­glichen werden. Mit zuneh­mender Pendeldistanz nimmt diese Bereitschaft jedoch ab.

Gleichzeitig sind Wohnungssuchende bei verschie­denen Ausstattungs- und Lagekriterien kompro­miss­be­reiter geworden. Ihre Ansprüche sinken damit nicht generell. Vielmehr setzen Wohnungssuchende im aktuellen Marktumfeld deutli­chere Prioritäten.

Der «Immo-Barometer» von Wüest Partner

Der «Immo-Barometer» ist eine gesamt­schwei­ze­rische Umfrage zu den Themen Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse. Wüest Partner hat Die Befragung auch im Jahr 2026 mit der Unterstützung des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV) und des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT Schweiz) durch­ge­führt.

Dabei werden jeweils rund 1000 reprä­sen­tativ ausge­wählte Haushalte in der deutsch- und franzö­sisch­spra­chigen Schweiz ausführlich zu ihrer aktuellen Wohnsituation und zu allfäl­ligen Veränderungsabsichten befragt. Es handelt sich beim «Immo-Barometer» um eine Langzeitstudie, die erstmals im Jahr 1988 und seither mindestens alle zwei Jahre erhoben wurde.

Infos zum Referenzzinssatz und anderen Immobiliendaten im Immo-Monitoring

Lesen Sie mehr über die kurz- und langfris­tigen Perspektiven des Schweizer Wohnungsmarktes im Immo-Monitoring.