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Infrastruktur: Eine wachsende Anlageklasse

Veröffentlicht am: 16. Mai 2023 Letzte Aktualisierung: 14. August 2025

Die Infrastruktur bildet das Fundament, welches alle wirtschaft­lichen, sozialen und privaten Aktivitäten unter­stützt. Sie erstreckt sich über sämtliche grund­le­gende Einrichtungen, Anlagen, Netzwerke und Systeme, die für ein reibungs­loses Funktionieren unserer Gesellschaft notwendig sind.
Unter anderem wegen der zentralen Bedeutung für die Gesellschaft, erheb­licher Investitionskosten, die damit verbunden sind, und aufgrund einer Sicherstellung des freien Zugangs für die Bürgerinnen und Bürger wird es oft als Aufgabe des Staates angesehen, die Infrastruktur bereit­zu­stellen, instand zu halten und zu verwalten. In jüngster Zeit ist jedoch das Interesse privater Investorinnen und Investoren in Europa an dieser Anlageklasse gewachsen. Vor allem in den folgenden Faktoren sehen die Investoren vielver­spre­chendes Potenzial: wachsender Bedarf, stabile Einnahmen, Inflationsschutz, Diversifikation und Nachhaltigkeitsgründe.

Wirtschaftliche und soziale Infrastruktur

Die ökono­mische Infrastruktur umfasst die Anlagen und Netzwerke, die für das Funktionieren von Wirtschafts- und Handelsaktivitäten unerlässlich sind. Dazu zählen Verkehr und Mobilität, Energie, Kommunikation und die sonstigen Infrastrukturen. Die soziale Infrastruktur hingegen bezieht sich eher auf Aspekte, die soziale Bedürfnisse und öffent­liche Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit, Kultur oder Sport unter­stützen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Sie umfasst daher zahlreiche öffent­liche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken und Museen, aber auch Sportanlagen oder sogar das Justiz- und Verteidigungssystem.

Infrastruktur

Wachsender Bedarf an Infrastruktur

In einer sich immer schneller wandelnden Welt wird eine moderne und nachhaltige Infrastruktur sehr relevant bleiben, weshalb der Bedarf an Infra­strukturen weiter zunehmen dürfte. Die folgenden Faktoren geben diesem Trend einen Nährboden.

Bevölkerungswachstum

Das konti­nu­ier­liche Wachstum der Welt­bevölkerung bringt die vorhandene Infrastruktur an ihre Grenzen. Diese Entwicklung betrifft auch die Schweiz, da sie eine vergleichs­weise starke Bevölkerungszunahme verzeichnet. Gemäss Prognosen der Vereinten Nationen könnte die Einwohnerzahl der Schweiz im Jahr 2050 auf 9.74 Millionen ansteigen, was einem Zuwachs von 13.2 Prozent innerhalb von 30 Jahren entspricht. Dies steht im Kontrast zu den Vorhersagen für viele andere Teile des europäi­schen Kontinents, in denen die Bevölkerung voraus­sichtlich eher schrumpfen wird. Sei es im Bereich Verkehr, Bildung, Gesundheitswesen oder Energieversorgung − die Nachfrage wird zwangs­läufig parallel zur Bevölkerungsentwicklung zunehmen.

Demografischer Wandel

In den vergan­genen Jahrzehnten ist der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung beträchtlich gewachsen: von 9.6 Prozent im Jahr 1950 auf 18.8 Prozent in der Gegenwart. Bis 2050 wird sich dieser Anteil voraus­sichtlich noch signi­fikant auf 25.6 Prozent ausdehnen. Dementsprechend wird die Nachfrage nach Gesundheitseinrichtungen und barrie­re­freiem Wohnraum in die Höhe schnellen.

Wirtschaftliches Wachstum

Mit der Expansion der Volkswirtschaften steigt auch der Bedarf an modernen und leistungs­fä­hi­geren Infrastrukturen. Der Energiebedarf nimmt im Gleichklang mit der natio­nalen Produktion zu, ebenso wie das Kommunikationsaufkommen oder die durch­schnitt­liche Anzahl an Jahren, die in Bildung inves­tiert werden. Im Gegenzug können Staaten auch beschliessen, in ihre Infrastruktur zu inves­tieren, um das Wachstum ihrer Wirtschaft anzukurbeln und zu stimu­lieren. Diese beiden Effekte manifes­tieren sich in der ausge­prägten Korrelation (84 Prozent) zwischen Infrastrukturinvestitionen und dem Bruttoinlandsprodukt der jewei­ligen Länder.

Alternde Infrastruktur

Viele der bestehenden Einrichtungen sind überholt oder leistungs­schwach und bedürfen somit einer Instandsetzung oder Erneuerung, was den Bedarf an neuen Infrastrukturvorhaben erhöht.

Technischer Fortschritt

Der rasante techno­lo­gische und wissen­schaft­liche Fortschritt lässt Infrastrukturen schneller veralten. Selbst wenn die Infrastruktur noch funkti­ons­fähig ist, könnten neuartige Technologien einen überle­genen oder effizi­en­teren Dienst bereit­stellen.

Digitale Infrastruktur

Infolge der Covid-19-Pandemie und des zuneh­menden Homeoffice sowie aufgrund von häufi­geren virtu­ellen Besprechungen ist der Bedarf an einer leistungs­starken Kommunikationsinfrastruktur (Glasfaser, Mobilfunknetze) und Rechenzentren erheblich gestiegen. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) wird die Bandbreitennutzung pro Anwender von 214 kbit/s im Jahr 2019 auf 397 kbit/s im Jahr 2022 anwachsen, was einem Plus von 85 Prozent entspricht.

Energiewende und nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit und das dringende Erfordernis, unseren CO2-Fussabdruck zu reduzieren, stehen im Zentrum öffent­licher Aufmerksamkeit und politi­scher Diskussionen. Die Nachfrage nach Infrastrukturvorhaben, die diese Zielsetzungen unter­stützen, wie etwa erneu­erbare Energien oder effiziente Abfallbewirtschaftung, erfährt einen enormen Zuwachs. Darüber hinaus fördert die öffent­liche Hand aktiv Programme, die Nachhaltigkeit begüns­tigen. Auf europäi­scher Ebene existieren beispiels­weise diverse Fonds, die grüne Infrastrukturprojekte kofinan­zieren. Hierzu zählt der «LIFE Clean Energy Transition», der für den Zeitraum 2021 bis 2027 mit einem Budget von 1 Milliarde Euro ausge­stattet ist.

Energieautonomie

Der Krieg in der Ukraine und dessen Folgen für die Energieversorgung Europas haben weiter verdeut­licht, wie essen­ziell eine unabhängige Energieversorgung ist. Die Nachfrage nach Anlagen zur Energiegewinnung ist demzu­folge gewachsen, insbe­sondere nach solchen mit keinem oder sehr tiefen CO2-Ausstoss.

Der Bedarf an Infrastrukturen ist grösser denn je. Daher überrascht auch die erhöhte Dynamik bei der Neubautätigkeit nicht. Es ergibt sich damit Potenzial für private und insti­tu­tio­nelle Investoren, und das umso mehr, als dass die Regierungen vieler Länder mit einer stetig wachsenden Verschuldung konfron­tiert sind − was ihren Handlungsspielraum bei der Finanzierung von Grossprojekten teilweise limitiert.

Warum in Infrastruktur investieren?

Angesichts des stetig wachsenden Bedarfs an moderner und nachhal­tiger Infrastruktur bieten sich einige Potenziale für Privatinvestoren und Privatinvestorinnen. Doch wodurch zeichnen sich Infrastrukturinvestments aus?

  • Stabilität und Berechenbarkeit: Direkte Investitionen in Infrastrukturen versprechen einen vergleichs­weise bestän­digen und berechen­baren Cashflow. Dies macht sie insbe­sondere für langfristig orien­tierte Investierende attraktiv.
  • Schutz vor Inflation: Die Erträge aus Infrastrukturprojekten sind oftmals explizit an die Inflation gekoppelt, da die den Nutzerinnen und Nutzern in Rechnung gestellten Preise unmit­telbar von der Inflation beein­flusst werden.
  • Schutz vor Konjunkturschwankungen: Infolge ihrer funda­men­talen Natur ist die Nachfrage nach zahlreichen Infrastrukturleistungen weitest­gehend konjunk­tur­re­sistent und wenig schwan­kungs­an­fällig.
  • Verlockende Renditen und Diversifizierung des Portfolios

Infrastrukturinvestitionen sind aber nicht frei von Risiken. Die wichtigsten Risiken in diesem Zusammenhang sind: Verschärfung der Regulatorien, mangelnde Transparenz, Baurisiko, opera­tives Risiko, finan­zi­elles Risiko, Marktrisiken, soziale und ökolo­gische Risiken sowie der grosse Zeitaufwand für das Investment.

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