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Wirtschaftliche Folgen des Coronavirus

Veröffentlicht am: 17. April 2020 Letzte Aktualisierung: 14. August 2025

Die Gesundheit und Sicherheit der Schweizer Bevölkerung hat oberste Priorität. Dieses Prinzip scheint in der Coronavirus-Krise richtig und wichtig. Doch je länger, je mehr zeigt es sich, dass eine ganzheit­liche Betrachtung aller betrof­fenen Bereiche notwendig ist. Neben der Gesundheit sind dabei die Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie zentral. Insbesondere im letzt­ge­nannten Bereich möchte Wüest Partner einen Beitrag leisten. Mit einem neuen Modell können die Folgen der Verbreitung des Coronavirus und der damit verbun­denen wirtschaft­lichen Einschränkungen auf die Schweizer Wirtschaft abgeschätzt werden. Vor allem die folgenden drei Fragestellungen stehen im Fokus:

  • Was kosten die Einschränkungen durch die Covid-19-Verordnung?
  • Wie viele Beschäftigte sind betroffen und wie hoch ist der Wertschöpfungsausfall?
  • Welche Regionen der Schweiz leiden besonders unter wirtschaft­lichen Einbussen?
Wirtschaftliche Folgen des Coronavirus

Coronavirus: Unterschiede der Betroffenheit

Wir erachten den Ansatz eines sogenannten Bottom-up-Modells zur Beantwortung dieser Fragen als geeignet und zielführend. Dies ermög­licht es, die Anteile der Beschäftigten, die nur einge­schränkt arbeiten können, jeder Wirtschaftsbranche abzuschätzen. Zudem kann der Wertschöpfungsverlust abgebildet werden.

Das Modell berück­sichtigt die Beschäftigten in jeder einzelnen der 794 Subbranchen in jeder Gemeinde der Schweiz. Die Ergebnisse lassen sich für Grossregionen und Kantone sowie für verschiedene Perioden zusam­men­fassen. Zur Abschätzung der Wertschöpfungsverluste werden branchen­spe­zi­fische Unterschiede berück­sichtigt. Als Datengrundlage für das Modell dienen die neusten Beschäftigungs- und Produktionsstatistiken des Bundesamtes für Statistik (BFS). Zusätzlich fliessen Abschätzungen seitens Wüest Partner für die Einschränkungen in Abhängigkeit der zeitlichen Phase ein. Diese berück­sich­tigen die neusten Anpassungen der Vorschriften des Bundesrates vom 16. April 2020, die in der Covid-19-Verordnung 2 und den damit einher­ge­henden Erläuterungen abgebildet sind. Denn bekann­ter­massen ist der Coiffeur-Salon ab dem 27. April 2020 wieder offen, während die Gastronomie noch bis auf unbestimmte Zeit einem vollstän­digen Lockdown unter­worfen bleibt. Abschätzungen zu den Auswirkungen der Einschränkungen sind somit weitgehend, aber nicht vollständig möglich.

Noch heraus­for­dernder ist es abzuschätzen, wie lange die Wirtschaft einge­schränkt sein wird. In der Modellierung des Grundszenarios bilden wir – ohne hierzu genauere Informationen zu haben – die Auswirkungen unter der Annahme ab, dass die einschrän­kenden Massnahmen ab dem 1. Oktober 2020 aufge­hoben werden. So resul­tiert in der Summe ein Verlust der Gesamtwertschöpfung in der Schweiz von rund 57 Milliarden Franken für das Jahr 2020 (ceteris paribus gegenüber einem unein­ge­schränkten Wirtschaftsgang). Dies entspricht einem Anteil von ungefähr 8 Prozent am gesamten Bruttoinlandprodukt des letzten Jahres von rund 700 Milliarden Franken. Falls die Einschränkungen Ende Juli aufge­hoben werden, würde der kumulierte Wertschöpfungsverlust bei rund 42 Milliarden Franken – oder 6 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung – zu stehen kommen. Nach der Aufhebung der Massnahmen dürften sich viele Wirtschaftszweige wieder norma­li­sieren oder sogar von Nachholeffekten profi­tieren, während in anderen Branchen Zweitrundeneffekte wie ein tieferer Konsum, eine gedämpfte Investitionstätigkeit und Globalnachfrage und nicht zuletzt auch vermehrte Konkurse in etlichen Branchen zu beobachten sein dürften. Auch dazu wurden Annahmen getroffen und in einer letzten Phase abgebildet. Der kumulierte Wertschöpfungsverlust resul­tiert als Summe der einzelnen zeitlichen Phasen und Wirkungen in den einzelnen Branchen. Die Ergebnisse haben wir in 15 Branchengruppen und auf Stufe Kantone konso­li­diert.

Von drei auf zwei Milliarden Franken pro Woche

In der aktuell noch immer andau­ernden Phase des weitge­henden Lockdowns dürfte pro Arbeitswoche rund drei Milliarden Franken an Wertschöpfung verloren gehen. Es ist davon auszu­gehen, dass rund 875’000 vollzeit­äqui­va­lente Beschäftigte in der Schweiz als direkte Folge der behörd­lichen Einschränkungen zurzeit nicht ihrer gewohnten Beschäftigung nachgehen können, was rund 22 Prozent der Gesamtbeschäftigung entspricht. Diese Zahl wird sich nun nach einer ersten Lockerung ab dem 27. April 2020 auf rund 720’000 reduzieren und dann ab dem 11. Mai 2020 auf rund 550’000 vollzeit­äqui­va­lente Beschäftigte. Ab dem 8. Juni werden immerhin noch rund 445’000 Personen ganz oder teilweise einge­schränkt beschäftigt bleiben und der Wertschöpfungsverlust liegt bei zwei Milliarden Franken. Dahinter steckt die Annahme, dass das «Social Distancing» auch im Sommer die Geschäftstätigkeiten noch spürbar einschränken könnte. Für einige Regionen sind die wirtschaft­lichen Einschränkungen heute schon gross und werden voraus­sichtlich auch anhalten. Namentlich die Kantone Graubünden und Wallis, in denen der Tourismus ein bedeu­tender Wirtschaftszweig darstellt, sind hart getroffen. In den Kantonen Graubünden und Wallis sind 28 respektive 29 Prozent in ihrer Tätigkeit einge­schränkt. Der Hotellerie und Gastronomie stehen grosse Herausforderungen bevor und ein stark beschleu­nigter Strukturwandel sowie eine Vielzahl an Konkursen ist leider wahrscheinlich. Auf der anderen Seite ist in gewissen Wirtschaftsräumen und Branchen auch mit Kompensationseffekten zu rechnen. Diese dürfen unserer Meinung nach aber nicht überschätzt werden.

Zur inter­ak­tiven Darstellung der Ergebnisse gelangen Sie hier.

Im Wissen um die Fragilität der Zeitpunkte und die diffus anmutenden Einschränkungen in den unter­schied­lichen Subbranchen sowie die unter­schied­lichen Erwartungen an Zweitrundeneffekte haben wir uns entschieden, für inter­es­sierte Anspruchsgruppen eigene Einstellungsmöglichkeiten zu bieten. Damit können eigene und regionale Szenarien auf der Basis des Wüest Partner Modells abgebildet werden. Datahouse, die Tochterfirma von Wüest Partner hat dazu ein inter­ak­tives Dashboard auf einer eigenen Website mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten umgesetzt. Dieses beinhaltet auch einen Expertenmodus, in dem nach Kantonen diffe­ren­ziert eigene Annahmen abgebildet werden können. Wir möchten damit einen Beitrag zu einem hoffentlich vermehrt ganzheitlich geführten Diskurs in der Coronavirus-Krise leisten.