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Beschäftigungsaussichten Schweiz

Veröffentlicht am: 27. November 2025 Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2026

Die Beschäftigung in der Schweiz wächst weiter – aller­dings langsamer als in den letzten zehn Jahren. Demografische Trends und techno­lo­gi­scher Wandel wie beispiels­weise Produktivitätsgewinne durch KI und Automatisierung verändern die Struktur der Wirtschaft. Das Beschäftigungswachstum verlagert sich zunehmend in dienst­leis­tungs­ori­en­tierte Branchen. Räumlich konzen­triert sich das Wachstum auf die grossen Zentren und die wirtschaftlich diver­si­fi­zierten Flachlandregionen rund um Zürich, Basel, Zug und Genf. Das zeigt die neu entwi­ckelte Wüest-Partner-Beschäftigungsprognose, die Aussagen zur regio­nalen Branchen- und Beschäftigungsentwicklung liefert. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir erstens das nationale Beschäftigungswachstum der Zukunft und zweitens regionale Ergebnisse.

Nationales Beschäftigungswachstum schwächt sich ab

In den kommenden Jahrzehnten dürfte sich das Beschäftigungswachstum in der Schweiz verlang­samen. Zwischen 2014 und 2023 nahm die Zahl der Vollzeitäquivalente durch­schnittlich um 1.2 % pro Jahr zu. Gemäss unserer Prognosemodelle dürfte sich diese hohe Dynamik nun abflachen.

Kurzfristig belasten die Beschäftigungsentwicklung globale Unsicherheiten – etwa Handelskonflikte oder US-Zölle – sowie eine abgeschwächte Konjunktur infolge der schwä­cheren Weltnachfrage und des starken Frankens. Zudem hat der zuneh­mende Einsatz von künst­licher Intelligenz (KI) bereits erste Spuren im Schweizer Arbeitsmarkt hinter­lassen und dürfte auch mittel­fristig erheb­lichen Einfluss haben. KI, Automatisierung und Robotik erhöhen laufend die Produktivität und könnten dadurch den zusätz­lichen Arbeitskräftebedarf dämpfen. Gleichzeitig entstehen jedoch in einzelnen Branchen neue Tätigkeiten und Berufsbilder – insbe­sondere in techno­lo­gie­in­ten­siven Bereichen – sodass KI dort sogar zu zusätz­licher Beschäftigungsdynamik führen kann.

Langfristig wirken zudem demogra­fische Faktoren bremsend. Die Alterung der Bevölkerung führt dazu, dass das Arbeitskräftepotenzial künftig weniger stark wächst als früher. Bis 2035 erwarten wir ein durch­schnitt­liches Beschäftigungswachstum von 0.7 % pro Jahr. Die Schweiz tritt damit in eine Phase ein, in der der Arbeitsmarkt zwar stabil bleibt, aber nur noch moderat expan­diert.



Zentren wachsen weiter – Peripherien geraten unter Druck

Die regio­nalen Unterschiede im erwar­teten Beschäftigungswachstum zwischen 2026 und 2035 sind deutlich (Abbildung 2). Besonders dynamisch entwi­ckeln sich die urbanen Zentren und ihre Agglomerationen – allen voran Zug, Zürich, Lausanne, Genf oder die Stadt Bern. Sie profi­tieren von einer hohen Branchenvielfalt, einem überdurch­schnitt­lichen Anteil techno­lo­gie­ori­en­tierter Dienstleistungen sowie inter­na­tio­naler Verflechtung.

Viele ländliche und periphere Regionen – etwa im Jura, im Alpenraum oder in Teilen der Ost- und Zentralschweiz – entwi­ckeln sich dagegen deutlich verhal­tener oder verzeichnen gar negative Wachstumsraten. Die wirtschaft­liche Konzentration auf die grossen Zentren verstärkt sich somit weiter, während struk­tur­schwä­chere Gebiete zunehmend mit stagnie­render oder rückläu­figer Beschäftigung konfron­tiert sind.



Regional breit abgestützte Abschwächung der Dynamik

Der Vergleich mit der vergan­genen Dekade zeigt eine flächen­de­ckende Verlangsamung (Abbildung 3). Nahezu alle MS-Regionen wachsen künftig langsamer als zwischen 2014 und 2023. Wirtschaftsstarke Regionen wie Zug, Zürich, Genf oder Lausanne bleiben zwar Wachstumsstandorte, doch die Dynamik nimmt auch dort ab.

In Teilen der Nordschweiz – insbe­sondere in den Agglomerationen von Zürich und Basel – kann der Beschäftigungsrückgang relativ klein gehalten werden. Ein höheres durch­schnitt­liches Beschäftigungswachstum dürften lediglich die MS-Regionen Basel-Stadt, Stadt Bern, Baden, Zimmerberg und Brugg-Zurzach erreichen.



Zunehmende Divergenz zwischen den Kantonen

Abbildung 4 zeigt das prognos­ti­zierte Beschäftigungswachstum ausge­wählter Kantone im Vergleich zum Landesdurchschnitt. Zug zählt zusammen mit Zürich, Genf und Basel-Stadt zu den dynamischsten Kantonen. Er profi­tiert von einer hohen Dichte inter­na­tio­naler Unternehmen – insbe­sondere in den Bereichen Finanzdienstleistungen, ICT und Unternehmensberatung – sowie von grosser Innovationskraft. Dies führt bis 2055 zu einem überdurch­schnitt­lichen Beschäftigungszuwachs. Aufgrund seines starken Dienstleistungsfokus ist der Kanton jedoch stärker von KI betroffen, was mittel­fristig gewisse Risiken birgt.

Auch die Waadt dürfte ein überdurch­schnitt­liches Beschäftigungswachstum verzeichnen. Der Kanton profi­tiert von einer diver­si­fi­zierten Wirtschaftsstruktur mit einem starken Gesundheits‑, Bildungs- und Forschungssektor – etwa durch die EPFL und den Biotech-Cluster Biopôle in Épalinges bei Lausanne.

Der Kanton Bern wächst dagegen nur moderat. Der grosse öffent­liche Sektor wirkt stabi­li­sierend, erzeugt jedoch wenig zusätz­liche Impulse. Die Schwäche konzen­triert sich vor allem auf die peripheren Gebiete des Kantons, während die Stadt Bern selbst robust wächst.

Ländlich geprägte Kantone wie Appenzell Innerrhoden, Graubünden oder Obwalden verzeichnen aufgrund ihrer starken Ausrichtung auf das verar­bei­tende Gewerbe rückläufige Beschäftigung. Der Strukturwandel hin zu einer technologie- und dienst­leis­tungs­ori­en­tierten Wirtschaft führt hier zu Arbeitsplatzverlusten, die nur teilweise kompen­siert werden können.

Insgesamt verstärkt sich die Divergenz zwischen den Regionen: Urbane, gut vernetzte Kantone wie Zug und Waadt wachsen überdurch­schnittlich, während periphere und indus­triell geprägte Gebiete zurück­fallen.



Fazit

Die Beschäftigung in der Schweiz wächst weiter, doch das Tempo verlangsamt sich deutlich. Technologischer Wandel, Automatisierung und der zuneh­mende Einsatz von KI dämpfen den zusätz­lichen Arbeitskräftebedarf, während die demogra­fische Alterung das inlän­dische Potenzial begrenzt. Gleichzeitig verstärkt sich die regionale Divergenz: Zentren und gut vernetzte Kantone bleiben Wachstumspole, während periphere und indus­triell geprägte Regionen zurück­fallen. Die Schweiz tritt damit in eine Phase ein, in der der Arbeitsmarkt stabil bleibt, sich aber struk­turell stark wandelt – mit erheb­lichen Auswirkungen auf Branchen, Regionen und zukünftige Standortentscheidungen von Unternehmen.

Mehr über das neue Wüest-Partner-Beschäftigungsprognosemodell

Wüest Partner schätzt die künftige Beschäftigung für jede Gemeinde der Schweiz bis 2055 – diffe­ren­ziert nach neun Branchengruppen. Das Modell kombi­niert kurzfristige Arbeitsmarktsignale mit langfris­tigen Strukturtrends und gemein­de­spe­zi­fi­schen Faktoren. Damit bietet es eine in der Schweiz einzig­artige Grundlage für Standortplanungen, Marktpotenzialanalysen und strate­gische Entscheide von Investor:innen, Entwickler:innen oder der öffent­lichen Hand.

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