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Direktanlagen: Eine spannende Phase in europäischen Metropolen

Veröffentlicht am: 09. August 2024 Letzte Aktualisierung: 22. April 2025

Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni 2024 einen ersten Zinsschritt nach unten vollzogen haben, liegen die Zinsen im Euroraum noch immer auf einem hohen Niveau, und es ist noch unsicher, ob, wann und in welchem Ausmass weitere Schritte folgen werden. Insbesondere die Inflationsrate liegt im Euroraum noch immer über dem angestrebten Ziel von 2%. Trotz der heraus­for­dernden Marktbedingungen zeigen sich jedoch erste Anzeichen einer Stabilisierung auf dem europäi­schen Immobilieninvestmentmarkt.

Allgemeiner Rückgang des Transaktionsvolumens

Viele europäische Länder erlebten im Nachgang der Zinserhöhungen zwischen 2022 und 2023 einen markanten Rückgang im Volumen der Immobilientransaktionen. Je nach Bericht sank das Transaktionsvolumen zum Beispiel in Frankreich im 2023 um 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einzelne Quellen sprechen sogar von einem Rückgang von bis zu 70 Prozent. Ähnlich verzeich­neten auch andere europäische Länder signi­fi­kante Einbussen: In Spanien fiel das Investitionsvolumen um 45 Prozent, in Deutschland um 50 Prozent und in den Niederlanden um nahezu 60 Prozent.

Neben dem Rückgang der Transaktionsaktivität war der europäische Immobilienmarkt auch durch eine sinkende Zahlungsbereitschaft gekenn­zeichnet, was zu höheren Anfangsrenditen führte. Zwischen dem zweiten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2024 stiegen die Spitzenrenditen für Büroimmobilien in europäi­schen Grossstädten um über 130 Basispunkte. Besonders stark war der Anstieg in Ländern, in denen aufgrund steigender Finanzierungskosten, Währungsabwertungen oder Insolvenzen von Immobilien- oder Bauunternehmen hohe Unsicherheit herrschte. In Amsterdam etwa kletterten die Spitzenrenditen um 230 Basispunkte. In Deutschland verzeich­neten München und Berlin Anstiege um 190 bzw. 200 Basispunkte. Auch Wien erlebte einen markanten Anstieg von 200 Basispunkten, der vermutlich durch die Insolvenz des Unternehmens Signa beein­flusst wurde. In den Pariser Geschäftsvierteln QCA und La Défense wurden ebenfalls deutliche Zunahmen der Spitzenrenditen um 130 bzw. 165 Basispunkte regis­triert.

Im Gegensatz zu anderen europäi­schen Städten verzeich­neten Genf und Kopenhagen mit Anstiegen von 75 Basispunkten einen vergleichs­weise moderaten Anstieg der Spitzenrenditen. Dies lässt sich haupt­sächlich auf zwei Faktoren zurück­führen. Zum einen verfolgen Investoren in diesen Ländern eine langfristige Anlagestrategie und weisen eine geringere Verschuldung auf als in anderen Regionen. Zum anderen profi­tieren diese Länder von einem überdurch­schnitt­lichen Beschäftigungswachstum, das eine konti­nu­ierlich hohe Nachfrage nach Büroflächen sichert. In der Schweiz trägt ausserdem die niedrige Volatilität zu stabilen Spitzenrenditen bei.

Die Mieten an den Top-Standorten für Bürogebäude in europäi­schen Grossstädten zeigten mehrheitlich einen Aufwärtstrend. So stiegen sie beispiels­weise in Wien um 25%, in München um 14% und in London um 7%. Lediglich in Genf war ein Rückgang um 2% zu verzeichnen. Trotz neuer Arbeitsmodelle wie Homeoffice und Desk-Sharing, die grund­sätzlich zu einer reduzierten Nachfrage nach Büroflächen führen könnten, stiegen die Spitzenmieten aufgrund mehrerer Faktoren. Erstens tendieren Mieten in Inflationszeiten generell dazu zu steigen. Zweitens streben Unternehmen weiterhin nach den besten verfüg­baren Standorten. Drittens ist das Potenzial für den Bau neuer Flächen in erstklas­sigen Lagen begrenzt, was das Angebot einschränkt.

In den europäi­schen Metropolen variieren die Leerstandsquoten für Büroflächen erheblich. Besonders hohe Leerstände sind in Städten zu finden, die in den vergan­genen fünf bis zehn Jahren intensiv in neue Gebäude inves­tiert haben, darunter Dublin und Helsinki.

Nach einer Phase der Preisanpassung entstehen neue Investitionsmöglichkeiten

Seit der Zinserhöhung im Jahr 2022 haben die Büroinvestmentmärkte in einigen Bereichen erheb­liche Korrekturen durch­laufen, was die Frage aufkommen lässt, ob sich dadurch inter­es­sante Investitionsmöglichkeiten ergeben könnten. Wie so oft im Immobiliensektor, ist die Antwort stark stand­ort­ab­hängig. Dennoch scheinen viele europäische Grossstädte das Ende ihrer Korrekturphase erreicht zu haben. Diese Einschätzung basiert auf einer Analyse der aktuellen realen Renditeunterschiede und deren Vergleich mit den Durchschnittswerten der letzten zehn Jahre.

Um den realen Unterschied zwischen den Spitzenrenditen von Büroimmobilien und den Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zu berechnen, haben wir die durch­schnitt­liche Inflationsrate der letzten fünf Jahre von den nominalen Renditen der Staatsanleihen abgezogen. Diese durch­schnitt­liche Inflationsrate dient als Näherungswert für die erwartete Inflation (sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart). Im Gegensatz dazu werden die Spitzenrenditen von Büros nicht infla­ti­ons­be­reinigt, da Immobilienrenditen generell als infla­ti­ons­re­sistent angesehen werden. Die resul­tie­rende Differenz zwischen der Spitzenrendite und der infla­ti­ons­be­rei­nigten Rendite der Staatsanleihen zeigt den realen Aufschlag an, den Büroimmobilien im Vergleich zu Staatsanleihen erzielen. Dieser Aufschlag reflek­tiert das immobi­li­en­spe­zi­fische Risiko.

Die Analyse der Daten offenbart, dass die auf dem beschrie­benen Weg ermit­telten realen Renditeunterschiede in den meisten der betrach­teten Metropolen über den Durchschnittswerten der letzten zehn Jahre liegen. Dies lässt darauf schliessen, dass der Markt in einigen Städten aufgrund der herrschenden Unsicherheit mögli­cher­weise überre­agiert hat, was nun inter­es­sante Investitionsmöglichkeiten schafft. Besonders in Paris zeigt sich, dass die aktuelle reale Renditedifferenz ihren Zehnjahresdurchschnitt übertrifft, ein Hinweis darauf, dass die Korrekturphase mögli­cher­weise abgeschlossen ist und eine Zunahme der Investitionstätigkeit zu erwarten ist.

Aus dem aktuellen Immo-Monitoring Frankreich

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