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Bedarfsorientierte Strategieentwicklung für preisgünstigen Wohnraum

Veröffentlicht am: 13. Oktober 2025 Letzte Aktualisierung: 24. März 2026

Die Gemeinde Wangen-Brüttisellen steht vor zahlreichen Arealentwicklungen, während gleich­zeitig der Gebäudebestand mit günstigen Bestandsmieten vor einem Sanierungszyklus steht. Diese bauliche Transformation wirft zentrale Fragen auf: Wie soll sich die Gemeinde weiter­ent­wi­ckeln? Wer wird künftig in Wangen-Brüttisellen wohnen? Und wie kann auch Wohnraum für einkom­mens­schwache Bevölkerungsgruppen geschaffen werden? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat die Gemeinde Wangen-Brüttisellen proaktiv gehandelt und gemeinsam mit Wüest Partner eine Strategie erarbeitet.

Was bedeutet «preisgünstig» überhaupt?

Im ersten Schritt wurden mit dem Gemeinderat die relevanten Begriffe geklärt und präzi­siert. Zwar wird der Ausdruck «preis­günstig» in Gesetzen und Verordnungen verwendet («Der Bund fördert den Bau, die Erneuerung und den Erwerb preis­güns­tigen Wohnraums sowie die Tätigkeit von Organisationen des gemein­nüt­zigen Wohnbaus…» WFG, SR 842 § 2) und im Kanton Zürich sogar im Rahmen der Förderlandschaft in Relation zu Investitionskosten quanti­fi­ziert.

Ausserhalb staat­licher Förderinstrumente sind jedoch weder «bezahlbar» noch «preis­günstig» eindeutig definiert und müssen daher gemein­de­spe­zi­fisch festgelegt werden. Als Diskussionsgrundlage diffe­ren­ziert Wüest Partner wie folgt (s. Abbildung):

  • Preisgünstig: bezieht sich auf die günstigsten Marktsegmente (z. B. Angebotsmieten bis zum 30%-Quantil).
  • Bezahlbarkeit: stellt eine subjektive Perspektive dar und beschreibt den Anteil des Haushaltseinkommens, der für Wohnen aufge­wendet wird.
  • Gemeinnütziger Wohnungsbau: ist nicht gewinn­ori­en­tiert und wird meist von Genossenschaften auf Basis der Kostenmiete angeboten.

preis­günstig
«günstig, vorteilhaft im Preis.» 1

  • rechtlich nicht klar definiert
  • beschreibt die Nutzerperspektive im Hinblick auf den Preis
  • Mieten im Vergleich zu ähnlichen Flächen an vergleich­barer Lage günstiger verfügbar
  • relativer Begriff verglichen mit einer Referenzgrösse

bezahlbar
«sich bezahlen lassend; die Möglichkeit bietend, etwas bezahlen zu können.» 1

  • Rechtlich nicht klar definiert
  • Nutzerperspektive
  • Orientiert sich an Ertragsstärke (Einkommen)
  • z.B. bezahlbar, wenn Miete < ein Drittel des Bruttoeinkommens

gemein­nützig
«dem allge­meinen Wohl dienend; nicht auf Gewinn ausge­richtet, sondern sozialen Aufgaben dienend.» 1

  • Nutzen der Gemeinschaft steht im Vordergrund
  • sozialer Hintergrund, kann z.B. die Unterstützung von Bedürftigen bedeuten
  • «Der gemein­nützige Wohnungsbau zielt darauf ab, das allge­meine Wohl zu fördern und dabei keine eigenen Interessen in materi­eller und wirtschaft­licher Hinsicht zu verfolgen.(…)» 2

ertrags­op­ti­miert
«finan­zi­eller Nutzen; Gewinn den etwas einträgt» (Ertrag)1

«so gestalten oder verbessern, dass das bestmög­liche Ergebnis erreicht wird.» (optimieren)1

  • Marktmiete wird als die Miete, die unter normalen Marktbedingungen (d.h. bei freiem Angebot und Nachfrage) erzielt werden kann und gewis­ser­massen den bestmög­lichen Ertrag unter einer Renditeerwartung für den Eigentümer wider­spiegelt.

1gemäss Duden, Abfrage 07/2023
2vgl. Wohnraumförderungsgesetz WFG, Art.4

Bedarfsermittlung

Im zweiten Schritt stand die Klärung des Bedarfs im Vordergrund. Dabei wurden sowohl das aktuelle und künftig erwartete Wohnraumangebot als auch die Bevölkerungsentwicklung analy­siert. Diese daten­ba­sierte Auslegeordnung ermög­lichte ein fundiertes Verständnis der baulichen und sozio­de­mo­gra­fi­schen Strukturen und zeigte Chancen sowie Risiken für die Gemeindeentwicklung auf. Die eigent­liche Bedarfsermittlung erfolgte über die Gegenüberstellung von Haushaltseinkommen und Mietausgaben auf Gemeindeebene. Die resul­tie­rende Mietbelastung, diffe­ren­ziert nach Haushaltstypen, erlaubte die Identifikation und Quantifizierung der relevanten Zielgruppen für preis­güns­tigen Wohnraum.

Handlungsoptionen für die Gemeinde

In einem dritten Schritt präsen­tierte Wüest Partner verschiedene Optionen zur Erweiterung des Angebots an preis­güns­tigem Wohnraum. Die Handlungsoptionen sind vielseitig und können von Beratungsdienstleistungen für inter­es­sierte Eigentümerschaften, über Finanzierungshilfen, Abgabe von Bauland, raumpla­ne­rische Massnahmen bis hin zu Bautätigkeit durch die Gemeinde reichen. Wichtig ist, dass sie auf die Möglichkeiten der Gemeinde abgestimmt sind. In Wangen-Brüttisellen wurden unter anderem raumpla­ne­rische Massnahmen, die Subjektförderung sowie eine aktive Bodenpolitik disku­tiert. Die Umsetzung soll nun in einzelne kommu­nalen Masterpläne integriert werden, indem Mindestanteile an preis­güns­tigem Wohnraum festgelegt werden.

Fazit und Ausblick

In Wangen-Brüttisellen stehen ein sozio­de­mo­gra­phi­scher Wandel und zahlreiche Entwicklungen an. Als gestal­tungs­willige Gemeinde begleitet Wangen-Brüttisellen diese grund­le­genden Entwicklungen aktiv und hat in diesem Zusammenhang ihre Strategie zur Frage des preis­güns­tigen Wohnraums definiert.

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