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Nach dem SNB-Zinsentscheid: Wie wird sich der Immobi­li­en­markt 2026 entwi­ckeln?

Veröffentlicht am: 12. Dezember 2025 Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2025

Am 11. Dezember 2025 hat die Schwei­ze­rische Natio­nalbank (SNB) ihren Leitzins bei 0 % belassen. Die Teuerung fiel zuletzt tiefer aus als erwartet, bei der mittel­fris­tigen Infla­ti­ons­er­wartung hat sich für die Natio­nalbank jedoch nicht viel verändert. Die bedingte Infla­ti­ons­pro­gnose liegt für 2026 bei 0.3 % und für 2027 bei 0.6 %. Beides sind Werte im Bereich der Preis­sta­bi­lität. Für 2026 rechnet die SNB in ihrem Basis­sze­nario mit einem moderaten Wirtschafts­wachstum.

Gleich­zeitig betont die SNB, dass die Hürde für eine Wieder­ein­führung von Negativ­zinsen hoch bleibt. Die Natio­nalbank schliesst diesen Schritt jedoch nicht aus, sollte dies zur Sicherung der Preis­sta­bi­lität notwendig werden. In unserem Basis­sze­nario gehen wir auch im 2026 von einem Leitzins bei 0.0 % aus.



Was bedeutet dieser Entscheid für den Schweizer Bau- und Immobi­li­en­markt?

Finan­zierung bleibt günstig – mit klaren Unter­schieden nach Laufzeit

Der Zinsent­scheid stabi­li­siert das Finan­zie­rungs­umfeld. Kurzfristige Finan­zie­rungen haben bereits seit Anfang profi­tiert: SARON-Hypotheken haben sich nach den Zinssen­kungen 2025 seit Jahres­beginn um rund 50 Basis­punkte verbilligt.

Anders präsen­tiert sich die Lage bei langen Laufzeiten. Die Kondi­tionen für Festhy­po­theken reagierten bislang nur verhalten auf die geldpo­li­tische Lockerung. Eine spürbare Entspannung bei den langfris­tigen Finan­zie­rungs­kosten ist kurzfristig nicht zu erwarten.

Parallel dazu bleiben Schweizer Bundes­ob­li­ga­tionen trotz jüngster leichter Rendi­te­an­stiege wenig attraktiv. Die 10-jährige Bundes­ob­li­gation rentiert aktuell bei rund 0.3 % und bietet risiko­aversen Anlege­rinnen und Anlegern kaum Alter­na­tiven. Das stützt die Nachfrage nach Immobilien, sowohl bei privaten als auch bei insti­tu­tio­nellen Inves­toren.

Indirekte Immobi­li­en­an­lagen: Rückenwind mit hohen Erwar­tungen

Indirekte Immobi­li­en­an­lagen blicken auf eine ausser­or­dentlich starke Perfor­mance zurück. Kotierte Immobi­li­en­aktien (WUPIX®-A) und Immobi­li­en­fonds (WUPIX®-F) erzielten bereits 2024 zweistellige Total Returns und setzten diesen Trend 2025 fort. Per Ende November 2025 lag die Jahres­per­for­mance bei +21.0 % respektive +14.3 %.

Diese Entwicklung reflek­tiert das weiterhin tiefe Zinsniveau und den Mangel an Anlage­al­ter­na­tiven. Gleich­zeitig liegen die Agios klar über den langfris­tigen Durch­schnitts­werten: bei Immobi­li­en­ak­ti­en­ge­sell­schaften bei über 22 %, bei Immobi­li­en­fonds sogar bei mehr als 34 %. Ein grosser Teil der positiven Zukunfts­er­war­tungen ist damit bereits einge­preist.

Auch der Primär­markt ist weiterhin in Bewegung. Nach den schwachen Jahren 2022 und 2023 nahm das Emissi­ons­vo­lumen 2024 deutlich zu. Für 2025 ist mit Kapital­auf­nahmen von über 8 Milli­arden Franken zu rechnen. Für 2026 dürfte die Aktivität hoch bleiben, auch wenn das ausser­ge­wöhn­liche Niveau von 2025 wahrscheinlich nicht wieder erreicht werden dürfte. Die künftige Perfor­mance wird stärker von der globalen und natio­nalen Kapital­markt­ent­wicklung abhängen.



Direkte Anlagen: Preise hoch, Dynamik könnte etwas abflachen

Rendi­te­lie­gen­schaften mit Mietwoh­nungen verteu­erten sich im 3. Quartal 2025 gegenüber dem Vorjah­res­quartal quali­täts­be­reinigt um 6.9 %. Auch Geschäfts­ob­jekte mit Büro- und Retail­flächen legten mit +4.1 % deutlich zu. Die Preis­ent­wicklung signa­li­siert eine hohe Zahlungs­be­reit­schaft und ein breit abgestütztes Vertrauen in den Markt.

Vor allem zwei Faktoren stützen die Preise weiterhin:

  • Eine geringe Markt­li­qui­dität, insbe­sondere bei Mehrfa­mi­li­en­häusern.
  • Inves­ti­ti­ons­druck infolge Kapital­erhö­hungen bei indirekten Vehikeln.

Für 2026 rechnen wir jedoch mit einer nachlas­senden Preis­dy­namik. Die Preise für Mehrfa­mi­li­en­häuser haben sehr hohe Niveaus erreicht, während die Ertrags­aus­sichten verhal­tener ausfallen und Regulie­rungs­ri­siken zugenommen haben. Bei Geschäfts­lie­gen­schaften dürfte sich die Preis­ent­wicklung stabi­li­sieren, mit klarer Diffe­ren­zierung nach Lage, Objekt­qua­lität und ESG-Profil.



Bauin­ves­ti­tionen: Positive Entwicklung mit Fokus Umbau

Das anhaltend tiefe Zinsniveau verbessert die Kalku­lier­barkeit von Bau- und Sanie­rungs­pro­jekten. Gleich­zeitig hat sich die Baupreis­dy­namik deutlich abgeschwächt. Diese Kombi­nation wirkt stabi­li­sierend und liefert Gründe für die Erwar­tungen im nächsten Jahr: Für 2026 wird ein nominaler Anstieg der Bauin­ves­ti­tionen von +3.4 % im Neubau und +8.5 % im Umbau erwartet. Ein wesent­licher Treiber im Umbau­be­reich sind Vorzieh­ef­fekte im Zusam­menhang mit der Abschaffung des Eigen­miet­werts. Weil die Reform voraus­sichtlich erst ab 2028 oder 2029 greift, dürften viele Eigen­tü­me­rinnen und Eigen­tümer Sanie­rungen 2026 vorziehen, solange Unter­halts­kosten noch steuerlich absetzbar sind.

Ob sich der Aufschwung beim Wohnneubau auch im 2027 fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Aktuell ist die Zahl der neuen Wohnungen in den Bauge­suchen wieder rückläufig, sodass sich die Neubau­tä­tigkeit mittel­fristig auch wieder etwas abschwächen könnte.



Mietwoh­nungs­markt: Entlastung bei den Bestan­des­mieten

Nach den starken Anstiegen der Jahre 2023 und 2024 hat sich das Wachstum der Angebots­mieten deutlich abgeschwächt. Im 3. Quartal 2025 lag der hedonische Angebots­miet­preis­index noch 1.9 % über Vorjahr, nach +6.0 % im Jahr 2024. Gründe sind eine nachlas­sende Zusatz­nach­frage, eine leicht erhöhte Neubau­tä­tigkeit und zuneh­mende Erschwing­lich­keits­grenzen. Für 2026 erwarten wir im Schweizer Durch­schnitt einen moderaten Anstieg der Angebots­mieten von +0.7 %.

Bei den Bestan­des­mieten dürfte 2026 hingegen Entlastung bringen. Die zweimalige Senkung des Referenz­zins­satzes im 2025 – zuletzt per 1. September auf 1.25 % – ermög­licht Mietzins­sen­kungen. In der Praxis dürften diese meist zwischen −1.3 % und −2.6 % liegen. Insgesamt rechnen wir mit rückläu­figen Bestan­des­mieten von −0.8 %.



Wohnei­gentum: Preis­wachstum mit weniger Tempo

Nach den kräftigen Preis­an­stiegen der vergan­genen Jahre verliert das Preis­wachstum im Wohnei­gentum 2026 an Dynamik. Die Neubau­tä­tigkeit bei den Eigen­tums­woh­nungen nimmt zu, zusätz­liche Impulse von der Zinsseite bleiben begrenzt, und sowohl Konjunktur als auch Bevöl­ke­rungs­wachstum haben sich abgeschwächt. Gleich­zeitig sorgen Unsicher­heiten am Arbeits­markt für vorsich­tigere Kaufent­scheide.

Die Rahmen­be­din­gungen bleiben dennoch unter­stützend. Das Angebot wächst nur moderat, die Finan­zie­rungs­kosten sind weiterhin tief, und die angespannte Lage im Mietmarkt erhöht den Anreiz zum Eigen­tums­erwerb. Für 2026 erwarten wir Preis­an­stiege von +2.8 % bei Eigen­tums­woh­nungen und +3.1 % bei Einfa­mi­li­en­häusern. Risiken bestehen insbe­sondere bei einer stärkeren konjunk­tu­rellen Abkühlung, während eine erneute Angebots­ver­knappung oder dynamische Zuwan­derung zusätz­lichen Preis­druck erzeugen könnten.



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