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Biodiversität und Klimaresilienz im Siedlungsraum: Warum die Immobilienbranche jetzt gefordert ist

Veröffentlicht am: 15. Juli 2025 Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2026

Verantwortung und Hebel der Immobilienwirtschaft

Die globale Biodiversitätskrise ist kein abstraktes Umweltproblem mehr, sondern ein drängendes Thema mit weitrei­chenden wirtschaft­lichen und gesell­schaft­lichen Konsequenzen. Der Global Risks Report des WEF listet Biodiversitätsverlust und Ökosystemkollaps bereits heute unter den Top-3-Risiken mit langfristig gravie­renden Auswirkungen. Besonders betroffen sind urbane Räume, in denen Klimaresilienz und Lebensqualität zunehmend unter Druck geraten.

Die Akteur:innen der Immobilienbranche nehmen hier eine Schlüsselrolle ein. Sie entscheiden über die Nutzung, Gestaltung und Pflege grosser Flächen. Damit beein­flussen sie direkt den Zustand der biolo­gi­schen Vielfalt und die Klimaresilienz im Siedlungsraum – etwa durch die Förderung natur­naher Freiräume, Entsiegelungsmassnahmen, Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwassermanagement oder die Gestaltung und Vernetzung von diversen Lebensräumen. Die gute Nachricht: Durch gezielte Massnahmen lassen sich Biodiversität, Standortattraktivität und Klimaanpassungspotenziale gleich­zeitig fördern.

ESG-Ratings als Entscheidungshilfe: Biodiversität messbar machen

Bereits heute hat Wüest Partner mit den RE ESG-Ratings ein umfas­sendes Instrumentarium geschaffen, um Nachhaltigkeit im Immobilienbereich messbar zu machen. Biodiversitätsaspekte sind integraler Bestandteil:

  • Im stand­ort­ba­sierten «RE ESG Location» wird auf Basis von Rasterdaten der Anteil und die Diversität von Grünflächen sowie der Versiegelungsgrad beurteilt. Zudem erfolgt eine Beurteilung der Klimaresilienz des Standorts in Form von Hitze- und Kühlgradtagen.
  • Im liegen­schafts­spe­zi­fi­schen «RE ESG Plus» werden gebäu­de­be­zogene Massnahmen zur Lebensraumförderung sowie die Qualität der biodi­ver­si­täts­wirk­samen Flächen der Umgebung, auf Dächern und Fassaden diffe­ren­ziert durch Experten bewertet.

Damit werden ökolo­gische Qualitäten in der Standort- und Objektbeurteilung trans­parent – ein wichtiger Schritt, um Biodiversität als Bestandteil ökono­mi­scher Entscheidungsprozesse zu etablieren.

Erkenntnisse aus einer Studie für das BAFU: Wo Immobilieninvestor:innen heute stehen

Im Rahmen einer von Wüest Partner – im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) – im Frühling 2025 durch­ge­führten Untersuchung, wurden 267 insti­tu­tio­nelle Akteur:innen befragt und zehn quali­tative Interviews geführt. Die wichtigsten fünf Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusam­men­fassen:

  1. Wachsende strate­gische Bedeutung: Biodiversität gewinnt bei Akquisitionen und im Portfoliomanagement zunehmend an Relevanz – besonders bei Investor:innen mit langfris­tigem Horizont oder starkem ESG-Fokus. Die Gruppe der Befragten, die das Kriterium «Klimaresilienz, Biodiversität und Aussenraum» als ausschlag­gebend im Zuge von Akquisitionen beurteilt, wächst von nur 7 Prozent auf mittel­fristig 27 Prozent. Damit wächst die Relevanz so stark wie kaum ein anderes Nachhaltigkeitskriterium.
  2. Fokus auf Neubau statt Bestand: Während 82 Prozent der Befragten angaben, dass das Thema Biodiversität bei Neubauten eine Rolle spielt, lag der Anteil für Bestandsbauten nur bei 61 Prozent.
  3. Berichterstattung trotz einge­schränkter Datengrundlage: Ein Drittel der Befragten gab an, öffentlich zum Thema Biodiversität Bericht zu erstatten. Dem gegenüber steht aller­dings der Fakt, dass nur 16 Prozent der Befragten bei der Mehrheit der Liegenschaften den Zustand der Biodiversität misst bzw. erfasst. 50 Prozent erfassen sie gar nicht.


  1. Messinstrumente fehlen: 70 Prozent der Befragten geben an, keine geeig­neten Instrumente zur Messung des Biodiversitätszustands zu nutzen. Bestehende Tools wie BioValues sind kaum verbreitet und kommen, wenn dann, bei Neubauprojekten zum Zug.


  1. Wunsch nach Orientierung: Nach Einschätzung von mehr als 40 Prozent der Befragten wäre ein Benchmarking mit anderen Portfolios zum Thema Biodiversität relevant. Gemeinsam mit einer Standardisierung von Messgrössen und einer einheit­lichen Begriffsverwendung zählt das Benchmarking zu den zentralen Hebeln zur Förderung des Themas.

Nächster Schritt: Die Charta für Biodiversität

Um die fragmen­tierten Ansätze zu bündeln und einen syste­ma­ti­schen Wandel anzustossen, initiiert Wüest Partner mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt eine Charta für Biodiversität im Siedlungsraum. Dabei stehen folgende Ziele im Mittelpunkt:

  • Synergien zu nutzen: Investor:innen vernetzen und eine Plattform zur gemein­samen Erarbeitung von Strategien bieten,
  • Momentum erzeugen: Branchenstandards setzen und Transparenz schaffen, konkrete Zielwerte für Bestandsentwicklung und Neubau formu­lieren,
  • Messbarkeit und Vergleichbarkeit ermög­lichen: Instrumente für Monitoring, Reporting und Benchmarking bereit­stellen.

Die Charta soll eine Plattform für Investor:innen bieten, eine gemeinsame Vision für klima­re­si­liente, biodivers gestaltete urbane Räume zu entwi­ckeln. Sie richtet sich an alle, die Verantwortung tragen – insbe­sondere insti­tu­tio­nelle Investor:innen, die heute die strate­gi­schen Hebel für ein Zukunftsthema nutzen wollen, um Veränderungen im grossen Massstab anzustossen.

Mitwirkende gesucht

Wir laden alle Immobilieninvestor:innen ein, sich an der Entwicklung der Charta zu betei­ligen – durch Mitgestaltung, Erfahrungsaustausch und Pilotierung. Gemeinsam können wir eine Branchenlösung schaffen, die Wirkung entfaltet – für Mensch, Natur und nachhaltige und resiliente Immobilien-Portfolios.

Interesse an einer aktiven Mitwirkung oder dem Erhalt weiter­füh­render Informationen? Wenden Sie sich gerne an Julia Selberherr (Kontaktbox).

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