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Naturgefahren: Steigende Risiken für Immobilien. Gefahrenpotential abschätzen

28. Juli 2021

Nature, Outdoors, Weather

Naturgefahren und Wetterextreme sind seit jeher eine Gefahr für Menschen, Sachwerte und Infrastruktur. In dicht besiedelten Ländern wie der Schweiz ist der Sachwert von Liegenschaften und Infrastrukturanlagen hoch, ebenso die Risiken durch Naturgefahren, wie Rutschungen oder Murgänge. Dementsprechend sind der Schutz und die Beurteilung des Gefahrenpotenzials für Immobilien von zentraler Bedeutung.

Klimawandel beeinflusst die Intensität und Häufigkeit von Naturgefahren

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit und die Intensität von Wetterextremen und Naturgefahren. Gemäss jüngstem Global Risk Report des World Economic Forums werden Wetterextreme als das Risiko mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit und überdurchschnittlichen Auswirkungen wahrgenommen.

Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als Kühlere (ca. 7 % pro Grad Celsius). Dementsprechend ist mit dem wärmeren Klima insbesondere mit heftigeren Niederschlägen bzw. sogenannten Starkniederschlägen zu rechen. Hochwasser und Oberflächenabfluss, verursacht durch Starkniederschläge, stellen in der Schweiz die «teuerste Naturgefahr» dar. Schäden infolge von Hochwasser haben in der Schweiz seit 1972 teuerungsbereinigte Kosten von 12.7 Mia. CHF verursacht.

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2021 ein Sommer der Wetterextreme

Dieser Sommer ist von Wetterextremen geprägt. Während in Kanada und in den USA extreme Temperaturen von bis zu 50°C herrschten, gab es hierzulande ausserordentlich viele Starkniederschläge, Gewitter und Hagel. Am 23. Juni fielen in einer halben Stunde bis zu 40 Liter pro Quadratmeter, am darauffolgenden Tag führten Starkniederschläge im Bahnhof Aarau zu Überschwemmungen. Eine Woche später, am 28. Juni, verursachten golfballgrosse Hagelkörner in Wolhusen (LU) Schäden an Fahrzeugen, Dächern und Fassaden. Die im Juli anhaltenden Niederschläge und damit verbundene Fluten und Erdrutsche haben in Deutschland zahlreiche Todesopfer gefordert. In der Schweiz wurde für viele Seen und Flüsse die höchste Gefahrenstufe verhängt, viele Pegelstände näherten sich denjenigen des Rekordjahres 2005, als durch Naturgefahren über CHF 3 Mia. Sachschaden entstand.

Laut der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft betragen die teuerungsbereinigten mittleren Schadenskosten zwischen 1972 und 2018 rund CHF 305 Mio. pro Jahr. In diesem Jahr dürfte die Schadenssumme diesen Mittelwert deutlich übersteigen.

Abb.: Räumliches und zeitliches Auftreten der Naturgefahren Murgang, Rutschung, Sturz und Hochwasser (rechts). Schätzung der verursachten Schäden anhand von Zeitungsmeldungen. Quelle: WSL Unwetterschadens-Datenbank der Schweiz, Wüest Partner

Gefahrenkarten helfen bei der Einschätzung der Gefährdung

Wann und wo ein Ereignis genau zu Schäden an einem Gebäude führen wird, ist schwer vorauszusehen. Mittels Gefahrenkarten, welche die Exposition als Kombination aus Wahrscheinlichkeit und Intensität von spezifischen Naturgefahren abbilden, kann die Gefährdung an einem Standort oder Gebiet bestimmt werden (Abb. 2). Um daraus das spezifische Risiko für eine Liegenschaft abzuschätzen, muss zudem die Verletzlichkeit und der Wert einer Immobilie berücksichtigt werden. Liegenschaften mit einer Tiefgarage oder einem Keller sind z.B. bezüglich des Oberflächenabfluss vulnerabler als nicht unterkellerte.

Abb. 2: Gefährdung durch Oberflächenabfluss am Beispiel der Stadt Zürich. Quellen: Bundesamt für Umwelt, Wüest Partner

Berücksichtigung verschiedenster Naturgefahren

Risiken durch Naturgefahren werden in Standortanalysen von Wüest Partner miteinbezogen. Um die Exposition von Liegenschaften und Liegenschaftsportfolios noch besser abbilden zu können, haben wir eine umfassende Naturgefahren-Datenbank aufgebaut. Wüest Dimensions, die führende Real Estate Management Plattform, enthält neu Datensätze zu Hochwasser, Oberflächenabfluss, Sturm, Hagel, Murgang, Hangmure, Sturzprozessen, Rutschungen, Lawinen, Erdbeben und Radon. Für das gesamte Schweizer Siedlungsgebiet kann die Gefährdung pro Naturgefahr abgefragt und teilweise auf Karten visualisiert werden. Dies ermöglicht das Gefahrenpotential abzuschätzen, und wo nötig, geeignete Massnahmen zu ergreifen.

Bilder/Grafiken: Wüest Partner, Wüest Dimensions, Pixabay.com, Istockphoto.com

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