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Wohnattraktivitätsstrategie für die Stadt Delémont

Veröffentlicht am: 21. Oktober 2025 Letzte Aktualisierung: 24. März 2026

Eingebettet im Herzen des Juras hat Delémont in den vergan­genen Jahren eine Phase des Übergangs durch­laufen – geprägt von einer stabilen Bevölkerungsentwicklung und einem sich stetig wandelnden Wohnungsangebot. Auch wenn die Gemeinde inzwi­schen wieder ein leichtes Wachstum verzeichnet, gelingt es bis anhin nur bedingt, die bestehenden Leerstände zu füllen – gleich­zeitig nimmt die Zahl der Arbeitsplätze weiter zu.

Mit einer vielschich­tigen Analyse und der Erarbeitung strate­gi­scher Handlungslinien hat Wüest Partner die Stadt Delémont dabei unter­stützt, die zentralen Entwicklungsachsen für die Zukunft zu definieren. Ziel ist es, ihre Positionierung als attrak­tiver und nachhal­tiger Lebensraum im Netzwerk der Schweizer Städte zu stärken. Die wichtigsten Erkenntnisse werden im Folgenden vorge­stellt.

Eine komplexe Positionierung

Delémont zählt rund 12’000 Einwohner, verzeichnete aber in den letzten Jahren nur eine schwache Bevölkerungsentwicklung, während die Einwohnerzahl in der Schweiz weiter zunahm.

Die Stadt profi­tiert jedoch von einer privi­le­gierten Lage: die Nähe zu Basel, Bern, Zürich und Paris, ausge­zeichnete Zug- und Autobahnanbindung, ein bemer­kens­wertes natür­liches und archi­tek­to­ni­sches Erbe sowie eine breit abgestützte Wirtschaftsstruktur mit lokalen und inter­na­tio­nalen Unternehmen. Zwischen 2013 und 2023 stieg die Zahl der Vollzeitäquivalente (VZÄ) um 1’420 (+15,1 Prozentpunkte) – eine deutlich positivere Entwicklung als jene der Bevölkerung.



Über die zuvor erwähnten Qualitäten hinaus und trotz ihres Status als regio­nales urbanes Zentrum, bleibt Delémont vor allem wegen ihrer hohen Lebensqualität und der gross­zü­gigen Freiräume attraktiv – zumal diese zu deutlich modera­teren Preisen zugänglich sind als in anderen Schweizer Städten. Der Medianpreis für ein Einfamilienhaus liegt beispiels­weise bei ca. CHF 5’100/m2 (CHF 10’300/m2 in Basel).

Angesichts dieser dualen terri­to­rialen Identitäten kann eine Diskrepanz zwischen Immobilienangebot und ‑nachfrage schnell zu einem Attraktivitätsverlust führen, der durch die wachsende Konkurrenzfähigkeit aufgrund beispiels­weise attrak­ti­verer Preise und Typologien (Verfügbarkeit Einfamilienhäuser) der Nachbargemeinden und des Nachbarlandes Frankreich noch verstärkt wird.

Eine umfassende und mehrdimensionale Diagnose

Um die Dynamiken zu verstehen, wurde eine genaue Diagnose anhand verschie­dener Indikatoren erstellt, die Themen wie Immobilien, Demografie, Wirtschaft und Steuern abdecken. Die Studie hat es ermög­licht, die Herausforderungen der Gemeinde hervor­zu­heben und sie mit den Nachbargemeinden zu vergleichen:

  • Eine dynamische Wirtschaft, die jedoch auf den sekun­dären Sektor ausge­richtet ist (mit mittleren Einkommen und nur begrenzter Attraktivität für die jüngere Generation).
  • Städtische Infrastruktur, die den Bedürfnissen von Familien entspricht, jedoch einen Mangel an Angeboten für eine junge Bevölkerung aufweist.
  • Ein teilweise überal­terter Bestand an grossen Wohnungen. Neubauten konzen­trieren sich vor allem auf kleinere Einheiten mit hohen Mieten – wodurch erschwing­licher Wohnraum für Familien knapp bleibt.
  • Nur wenige Neubauten im Einfamilienhaus- und Hochpreissegment (Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber benach­barte Gemeinden).


Diese Entwicklungen haben schritt­weise zu einer Abwanderung von Familien geführt und gleich­zeitig ein Überangebot an neuen Kleinwohnungen geschaffen. Statt das angestrebte junge, urbane Publikum anzusprechen, ziehen diese jedoch eher ältere Menschen an, die Ruhe suchen. Angesichts der terri­to­rialen Vorzüge der Gemeinde bleibt die jüngere Zielgruppe jedoch entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und die Vielfalt der Stadt.

Eine starke Vision für die Entwicklung

Aufbauend auf der Analyse verfolgt die vorge­schlagene Vision – jene eines «Terre d’ancrage» (Orts der Verankerung) – das Ziel, Delémont als Stadt zu positio­nieren, in der Menschen dauerhaft Wurzeln schlagen. Im Mittelpunkt steht ein hochwer­tiges Lebensumfeld, das Begegnungen sowie kultu­relle und soziale Aktivitäten fördert, kombi­niert mit einem Wohnungsangebot, das sich an die unter­schied­lichen Lebensphasen anpasst. Die Strategie gliedert sich in zwei zentrale Handlungsachsen:

  • Förderung der Stadt auf dem Land, indem die Vorteile des juras­si­schen Territoriums in Wert gesetzt werden und eine attraktive Identität, welche städtische Dynamik und Naturnähe vereint.
  • Anpassung an die verschie­denen Lebensphasen durch Diversifizierung des Wohnungsbestandes, der Ausbau von passenden Dienstleistungen und Gestaltung eines Umfelds, in dem jede Generation ihren Platz findet.

Massnahmenpriorisierung Wohnattraktivitätsstrategie

Ausgehend von den verschie­denen Feststellungen und strate­gi­schen Achsen wurde eine Reihe von konkreten Zielen und Massnahmen definiert: Kommunikation und Image-Förderung von Delémont, Diversifizierung des Wohnungsbestandes zugunsten von Familien, Entwicklung von Geschäften und Dienstleistungen, die auf junge Menschen zugeschnitten sind, sowie Förderung von Renovierungen und erschwing­lichem Wohnraum. Um die Umsetzung wirksam zu steuern, wurden die Massnahmen priori­siert – mit dem Ziel, die notwen­digen Rahmenbedingungen zu ermög­lichen, damit die Entwicklungsziele erreicht werden können.

Schlussfolgerung

Die identi­fi­zierten Analyse- und Strategieelemente verfolgen das Ziel, eine gemeinsame Grundlage für den Dialog zwischen den verschie­denen Akteuren der Raumentwicklung zu schaffen. Mit dieser Strategie strebt Delémont eine Neupositionierung als attrak­tives regio­nales urbanes Zentrum an, das seine zahlreichen Vorteile nutzt und gleich­zeitig den sich ändernden Bedürfnissen seiner aktuellen und zukünf­tigen Bevölkerung gerecht wird.

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