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US-Zölle und Schweizer Konsumentenpreise: Welche Kanäle wirken?

Veröffentlicht am: 04. April 2025 Letzte Aktualisierung: 29. Juni 2026

Das am 7. August 2025 in Kraft getretene US Zollpaket setzt die erfolg­reichen Schweizer Exportindustrien vor grosse Herausforderungen. Die USA erheben damit Importzölle von 39 Prozent auf Schweizer Maschinen, Uhren oder Präzisionsinstrumente (pharma­zeu­tische Erzeugnisse sind zwar vorerst ausge­nommen, könnten aber zukünftig auch betroffen sein). Der Zollhammer hat mit voller Wucht zugeschlagen.  Dieser Blog fokus­siert auf einen spezi­fi­schen Aspekt dieses schwel­lenden Handelskonflikts – den Effekt auf die Schweizer Konsumentenpreise.

Der Begriff „Handelskonflikt“ weckt intuitiv die Erwartung steigender Preise. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat aber bei ihrer geldpo­li­ti­schen Lagebeurteilung im Juni 2025 die Zinsen gesenkt und die Notwendigkeit betont, mit ihrer Geldpolitik einer drohenden Deflation entge­gen­zu­wirken. Dieser Blog beleuchtet, inwiefern Zollstreitigkeiten zwischen bedeu­tenden Handelsblöcken die Inflation in der Schweiz beein­flussen.

Direkte und indirekte Effekte auf den Konsumentenpreisindex

Auf den ersten Blick erscheint es plausibel: Höhere Zölle verteuern impor­tierte Produkte unmit­telbar. Zudem fällt der Wettbewerb zwischen den verschie­denen Anbietern weniger intensiv aus und etablierte Lieferketten geraten ins Wanken. Doch der Effekt des Handelskonflikts auf den Schweizer Konsumentenpreisindex (LIK) ist komplexer, das zeigen nachfol­gende Überlegungen, die auch indirekte Wirkungen berück­sich­tigen.

Importzölle und Konsumentenpreise

Für die Schweiz stehen derzeit die Importzölle seitens der USA im Fokus. In erster Linie führen diese Zölle zu höheren Preisen für die Konsumenten in den USA, welche die Importzölle erheben.

Bei Importzöllen auf Konsumgütern wie Autos oder Wein steigen die Konsumentenpreise im impor­tie­renden Land unmit­telbar an. Viele Waren – wie etwa Stahl oder elektro­nische Bauteile – werden aber nicht von privaten Konsumenten, sondern haupt­sächlich zwischen Unternehmen gehandelt. Wird bei solchen Industriegütern ein Importzoll erhoben, erfolgt die Wirkung indirekt. Ein Beispiel: Ein US-Bauunternehmen impor­tiert aus China Solarpanels und Wechselrichter für die Installation von Photovoltaikanlagen, auf welche im Zuge von Handelsstreitigkeiten substan­zielle Importzölle erhoben werden. Diese zusätz­lichen Kosten erhöhen unmit­telbar die Ausgaben des US-Unternehmens. Im nächsten Schritt versucht dieses, die Mehrkosten entlang der Lieferkette weiter­zu­geben, was Neubauten und Sanierungen verteuert. Allerdings fliessen die Baukosten nicht direkt in den Konsumentenpreisindex ein – dieser bildet vielmehr die Wohnkosten ab. Zudem beein­flussen erhöhte Baukosten das generelle Mietpreisniveau nicht unmit­telbar, da dieses stark von der Zahlungsbereitschaft der Wohnungssuchenden abhängt.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Schweiz eigene Importzölle auf Industriegüter einführen wird. Für Schweizer Importeure und Konsumenten wird es infolge der US-Zölle daher nicht unmit­telbar teurer. Allerdings kann oben beschrie­bener Mechanismus dazu führen, dass Vorprodukte, welche Schweizer Firmen aus den USA impor­tieren, teurer einge­kauft werden müssen. Ausserdem stellen Zölle auf Industriegüter in einer globa­li­sierten Welt einen Bremsklotz für das Wirtschaftswachstum dar. Sie gefährden etablierte Lieferketten, da Zulieferbeziehungen unter den verän­derten Voraussetzungen neu evaluiert werden müssen und verteuern damit die Produktion. Wie Störungen in den Lieferketten zu Produktionslücken führen können, zeigte sich im Rahmen der Corona-Krise. Die Knappheit bestimmter Güter war ein wesent­licher Grund für den auch in der Schweiz beträcht­lichen Anstieg der Konsumentenpreise.

Preisgestaltung internationaler Firmen

US-Importzölle könnten in der kurzen Frist auch dazu führen, dass betroffene asiatische, europäische und schwei­ze­rische Unternehmen hierzu­lande ihre Preise senken, um das aufgrund der sinkenden Nachfrage aus den USA entste­hende Überangebot loskriegen. Das würde in der Schweiz infla­ti­ons­hemmend wirken.

Mittelfristig könnte sich dieser Effekt jedoch umkehren. Da die USA als Absatzmarkt aufgrund der Importzölle zukünftig geringere Profite verspricht und auch um die Preise global einiger­massen einheitlich zu halten, könnten inter­na­tionale Firmen mittel­fristig zum Schutz ihrer Margen ihre Preise in anderen Absatzmärkten erhöhen. Dies könnte sich preis­treibend auf den Schweizer Konsumgütermarkt auswirken.

Dämpfende Effekte über globale Nachfrage und Energiepreise

Ein weiterer wesent­licher Kanal wirkt über die globale Nachfrage. Handelsstreitigkeiten schaffen Unsicherheit, verringern Investitionen und schwächen den Welthandel. Sinkt die weltweite Nachfrage nach Gütern, reduziert sich in der Regel auch der Bedarf an Rohstoffen und Energie – darunter Erdöl. Eine geringere Nachfrage nach Energie führt häufig zu sinkenden Energiepreisen, was wiederum die Inflationsrate in der Schweiz dämpft.

Die bedeutende Rolle des Wechselkurses

Seit Ankündigung des Zollpakets am 2. April hat der US-Dollar abgewertet, ‑6% gegenüber dem Euro und ‑9% gegenüber dem Schweizer Franken, der in unsicheren Zeiten als Safe-Haven-Währung begehrt ist. In Krisenzeiten flüchten Anleger in sichere Anlagen, wie Gold oder eben den Schweizer Franken. Diese erhöhte Nachfrage führt zu einer Aufwertung des Frankens gegenüber anderen Währungen, wodurch impor­tierte Güter in der Schweiz preis­werter werden und die Inflation somit dämpft. Auch gegenüber dem Euro dominierte zuerst dieser Safe-Haven-Effekt des Frankens. Der Franken wertete gegenüber dem Euro seit April um 3% auf. Als Reaktion auf die nun deutlich höheren US-Zölle für die Schweiz als für die EU und der damit verbunden stärkeren Eintrübung der Schweizer Konjunktur hat der Franken diese Aufwertung jüngst aber teilweise wieder verloren.    

Einmaliger Sprung oder Inflationsspirale

Bei der Einführung von Importzöllen kommt es zu einem einma­ligen Anstieg des Preisniveaus. Anhaltende Inflation hingegen bedeutet, dass die Preise über mehrere Jahre hinweg steigen. Sobald die neuen Zollkosten in das Preisniveau einge­preist sind, norma­li­siert sich die Inflationsrate in der Regel wieder – sofern keine weiteren Zölle oder Preisschocks folgen. Solange sich der Handelskrieg nicht weiter hochschaukelt und eine Inflationsspirale in Gang gesetzt wird, führen Importzölle nicht automa­tisch zu einer dauerhaft höheren Inflation, sondern bewirken vor allem einmalige Anpassungen im Preisgefüge.

Fazit: Geringer Effekt auf Schweizer Konsumentenpreise

Der Einfluss eines Handelskonflikts auf die Konsumentenpreise in der Schweiz ist vielschichtig und verläuft über verschiedene Kanäle. Insgesamt dürfte der Effekt von US-Importzöllen auf die Schweizer Konsumentenpreise aber nicht allzu­gross sein – zumindest solange die Schweiz keine eigenen Importzölle einführt und der Franken stark bleibt. Ungeachtet dessen ist der aktuelle Protektionismus eine grosse Belastungsprobe für die Schweiz als Exportchampion und kleine, offene Volkswirtschaft. Da mag es eine gewisse Genugtuung sein, dass in all diesen Turbulenzen nicht auch noch mit einer hohen Inflation in der Schweiz zu rechnen ist.

Bedeutung für den Schweizer Immobilienmarkt

Inflation und Inflationserwartungen spielen im Schweizer Immobilienmarkt eine zentrale Rolle, da sie die Zinsentwicklung massgeblich beein­flussen – was wiederum Immobilienpreise, Mieten und die Bautätigkeit prägt. Steigende Inflationserwartungen führen häufig zu höheren Zinsen, was die Finanzierungskosten von Entwicklungsprojekten sowie die Renditeerwartungen von Investoren erhöht. Zugleich ist die aufge­laufene Inflation relevant für laufende Mietverträge: Viele Schweizer Mietverträge sind infla­ti­ons­ge­schützt, und gemäss Schweizer Mietrecht dürfen Vermieter die aufge­laufene Teuerung zu 40% in Form von Mietzinsanpassungen weiter­reichen. Der Schweizer Immobilienmarkt reagiert demnach empfindlich auf Inflationsbewegungen. Aufgrund des Handelskonflikts droht aber zumindest über diesen Kanal keine allzu grosse Gefahr.

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