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Transitorische Klimarisiken und ihre Bedeutung für den Immobiliensektor

von Mariacarla Capillo, Jacqueline Schweizer und Ronny Haase

Mariacarla Capillo Jacqueline Schweizer Ronny Haase

Veröffentlicht am: 17. März 2026 Letzte Aktualisierung: 17. März 2026

Blogpost zum Thema Transitorische Klimarisiken und ihre Bedeutung für den Immobiliensektor
Transitorische Klimarisiken und ihre Bedeutung für den Immobiliensektor

Transitorische Klimarisiken gewinnen im Immobiliensektor stark an Relevanz. Sie entstehen nicht durch direkte Klimaschäden, sondern durch den Übergang zu einer CO₂-armen bzw. klima­neu­tralen Wirtschaft. Auslöser sind vor allem politische Entscheidungen, Regulierung, techno­lo­gische Veränderungen sowie sich wandelnde Erwartungen von Investorinnen und weiteren Anspruchsgruppen. Da der Gebäudesektor einen wesent­lichen Anteil an den natio­nalen Emissionen und am Energieverbrauch hat, steht er im Zentrum der Klimapolitik, mit unmit­tel­baren Folgen für Investitionen, Betriebskosten und Marktwerte von Liegenschaften.


Abbildung 1

Risiken infolge des Klimawandels

Abbildung zeigt die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels

Systematik: Treiber- vs. Wirkungsrisiken und politischer Anpassungsdruck

In unserem Beitrag werden transi­to­rische Risiken syste­ma­tisch einge­ordnet: treiber­ba­sierte Risiken beschreiben die Ursachen des Anpassungsdrucks (Regulierung, Markt, Technologie, Stakeholder-Erwartungen), während wirkungs­ba­sierte Risiken die finan­zi­ellen Konsequenzen abbilden (z. B. höhere Kosten, sinkende Erträge, Wertminderungen, Investitions- und Stranding-Risiken). Ein zentraler Risikofaktor ist die Dynamik des politi­schen Rahmens: Mit Netto-Null-Zielen, verbind­lichen Zwischenzielen und dem Klima- und Innovationsgesetz ist die Richtung gesetzt; bei Zielverfehlungen besteht zudem ein gesetz­licher Handlungsauftrag, der zusätz­liche Verschärfungen über Verordnungen wahrschein­licher macht.


Abbildung 2

Treiberbasierte Risikokategorien von transi­to­rische Klimarisiken

Die Abbildung zeigt die drei treiberbasierten Risikokategorien von transitorische Klimarisiken: Politik und Regulierung, Markt-, Nachfrage- und Reputationsrisiken sowie Technologie und Infrastruktur

Kantonale Energiegesetzgebung als Hauptursache regulatorischer Risiken

Für den Immobilienbereich stehen derzeit insbe­sondere regula­to­rische Risiken im Vordergrund. In der Schweiz unter­scheiden sie sich je nach Kanton, da die Energiegesetze kantonal geregelt und unter­schiedlich streng sind. Kantone nutzen verschiedene Instrumente wie Effizienzvorschriften, Anforderungen an erneu­erbare Wärme, Förderinstrumente und raumpla­ne­rische Massnahmen. Die Unterschiede führen dazu, dass Zeitpunkt, Umfang und Kosten energe­ti­scher Sanierungen je nach Standort stark variieren, etwa wenn der Ersatz fossiler Heizungen zusätzlich an Anforderungen an die Gebäudehülle gekoppelt wird.


Abbildung 3

Wirkungsbasierte Risikokategorien von transi­to­rische Klimarisiken

Die wirkungsbasierten Risikokategorien von transitorische Klimarisiken sind: Kostenrisiken, Ertragsrisiken, Marktwertrisiken und Investitionsrisiken

Drei regulatorische Szenarien mit unterschiedlichen Folgen

Die Analysen für drei regula­to­ri­schen Szenarien zeigen, dass transi­to­rische Risiken umso stärker zunehmen, je später und unkoor­di­nierter der Ausstieg aus fossilen Heizsystemen erfolgt: Verzögerte Sanierungen führen zu Nachfragespitzen, steigenden Kosten, Engpässen bei Fachkräften und erhöhten Leerstandsrisiken. Gleichzeitig beein­flussen transi­to­rische Risiken nicht nur die Instandsetzungskosten, sondern auch die Ertragskraft und die Marktwerte von Immobilien; mit wachsendem Anpassungsdruck wird es zudem schwie­riger, Kosten auf die Mieterschaft zu überwälzen, wodurch die Projektrisiken weiter steigen.

Handlungsfelder: Eigentümersteuerung und Anforderungen an Finanzinstitute

Der Beitrag betont die Notwendigkeit einer aktiven Steuerung: Eigentümerinnen und Eigentümer sollten energe­tische Erneuerungen frühzeitig planen und mit den kanto­nalen Vorgaben synchro­ni­sieren, um Investitionen zu staffeln und Liquidität abzusi­chern. Für Banken und Hypothekargeber rücken Klimarisiken als Bestandteil der Kredit- und Sicherheitenpolitik in den Fokus; insbe­sondere grössere Institute müssen gemäss aufsichts­recht­lichen Erwartungen darlegen, wie sie klima­be­zogene finan­zielle Risiken identi­fi­zieren, messen, steuern und in Strategie sowie Risikomanagement integrieren.

Fazit: Vorausschauende Planung als Wettbewerbsvorteil und Portfoliorobustheit

Eine voraus­schauende Investitions- und Sanierungsplanung ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Frühzeitiges Handeln reduziert das Risiko, in Phasen hoher Auslastung und knapper Kapazitäten sanieren zu müssen, was Kosten, Terminrisiken und poten­zielle Leerstände erhöht. Gleichzeitig bleibt eine Verschärfung der Regulierung möglich, weil der Anpassungsdruck mit zuneh­menden Klimafolgen tenden­ziell steigt. Deshalb sollten transi­to­rische Risiken konse­quent in die Liquiditäts- und Investitionsplanung integriert werden, um Portfolios robust und langfristig zukunfts­fähig auszu­richten.