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Sustainable Finance: Der grösste Green Bond der Schweiz

Veröffentlicht am: 30. September 2024 Letzte Aktualisierung: 24. März 2026

Die Bedeutung der Nachhaltigkeit im Finanz- und Immobiliensektor hat in den letzten Jahren sowohl national als auch inter­na­tional erheblich zugenommen:

  • 2023 belief sich das Gesamtvolumen von nachhal­tigen Finanzanlagen laut einer Marktstudie allein in der Schweiz auf CHF 1’660 Mrd. (siehe Grafik).
  • Für den Schweizer Finanzplatz bietet diese Entwicklung eine enorme Chance, sich als führender Standort für nachhaltige Finanzen zu positio­nieren, wie das Schweizer Staatssekretariat für inter­na­tionale Finanzfragen (SIF) bestätigt.
  • Der Bundesrat hat in diesem Kontext am 16. Dezember 2022 den Sustainable Finance Bericht Schweiz verab­schiedet, der 15 Massnahmen für die Jahre 2022 bis 2025 umfasst, um die Position des Schweizer Finanzplatzes als Vorreiter weiter zu stärken

Innovative Finanzinstrumente für die Immobilienbranche

Doch wie sieht die Umsetzung von Sustainable Finance in der Praxis konkret aus, insbe­sondere in der Immobilienbranche? Ein innova­tives Finanzinstrument zur Konkretisierung bieten sogenannte Green Bonds, welche speziell darauf ausge­richtet sind, Projekte mit einem positiven Umwelteinfluss zu finan­zieren. Die Relevanz dieses Finanzinstrumentes wurde mit der Veröffentlichung der EU-Verordnung für Green Bonds (EuGBS) vom 30. November 2023 bestätigt und soll zudem zur Bekämpfung von Greenwashing beitragen.

Immobilienunternehmen wie PSP Swiss Property haben bereits Massnahmen ergriffen, um zu den genannten Zielen beizu­tragen, indem sie ihr Immobilienportfolio durch die Klassifizierung von «Green Buildings» ganzheitlich in ein nachhal­tiges Portfolio trans­for­miert haben, welche als Finanzierungsinstrument dienen sollen. Die Transformation von PSP zu einem 100% Green Bond-Portfolio orien­tiert sich an den Green Bond Principles (GBP) der ICMA und wurde u.a. mithilfe des ESG-Ratings von Wüest Partner umgesetzt, das die Nachhaltigkeitsleistung der Immobilien umfassend in allen ESG-Bereichen bewertet.

Wie kann eine Transformation gelingen?

Um den umfas­senden Prozess der Integration von Green Bonds in die Finanzierungsstrategie genauer zu beleuchten, führten wir ein Interview mit Patrick Thäler, Leiter Capital Markets & Sustainability bei PSP Swiss Property durch. Dabei wurden detail­lierte Einblicke gegeben, welche die Erfolgsfaktoren dieses grünen Finanzinstruments im Kontext des Schweizer Sustainable Finance Marktes ergründen und diesen weiter stärken sollen.

André Bittner: Herr Thäler, was sind aus Ihrer Sicht die konkreten Vorteile von Green Bonds für PSP im Vergleich zu herkömm­lichen Finanzierungsinstrumenten? Warum haben Sie sich für Green Bonds entschieden und gab es Alternativen?

Patrick Thäler: Hier müssen wir etwas vorgreifen. Wir sind eine Firma im Schweizer Markt, die in den letzten Jahren oft mit Bondemissionen am Kapitalmarkt aktiv war. Bis zum Jahr 2015 hatten wir eine Finanzierung von ca. 2/3 in Krediten und 1/3 in Bonds. Während des Negativzins-Umfelds war die Finanzierung über Bonds relativ gesehen oft attrak­tiver als über Kredite. Entsprechend haben wir immer wieder den Bondmarkt aufge­griffen. Mit Blick auf die wachsenden Volumina auf Seiten der nachhal­tigen Bonds wollten wir sicher­stellen, dass die PSP den ausge­zeich­neten Zugang zum Kapitalmarkt aufrecht­erhalten kann. Das Instrument und die Umstellung aller ausste­hender Anleihen in diese Green Bonds war eine logische Folge, welche unsere langjäh­rigen nachhal­tigen Investitionen in unser quali­tativ hochste­hendes Portfolio wider­spiegeln.

AB: Die Beweggründe hinter der Entscheidung, das Portfolio von PSP vollständig auf grüne Anleihen umzustellen, haben Sie bereits angesprochen. War diese Entscheidung haupt­sächlich durch interne Überzeugungen motiviert, oder gab es auch externen Druck durch Nachfrage oder Investoren?

PT: Wir haben die Entwicklung in Richtung Sustainable Finance schon länger verfolgt, aber der Gedanke unter­schied­liche Arten von Anleihen (Grüne und nicht Grüne) ausstehend zu haben, hat uns nicht überzeugt. Wir legen generell Wert darauf, keine unnötige Komplexität in die Struktur der PSP zu bringen. Die vollständige einmalige Umstellung aller ausste­henden Bonds war dann der richtige Weg dorthin. Es ist wichtig zu betonen, dass ein solcher Prozess nur möglich ist, wenn man ein Unternehmen ist, das seit Jahren nachhaltig inves­tiert, eine übersicht­liche Struktur aufweist und intrin­sisch vom Nachhaltigkeitsgedanken überzeugt ist. 

Damit wollten wir den Zugang zum Markt sicher­stellen. In Sachen Green Bonds kam kein externer Druck, denn der Green Bond ist eher als Instrument anzusehen, statt einer Initiative für Nachhaltigkeitspraktiken. Es ist die logische Abbildung der opera­tiven Geschäftstätigkeit auf die Finanzierung. Prinzipiell setzen wir das um, wovon wir als Firma schon lange überzeugt sind. 

AB: Können Sie noch etwas näher auf den gesamten Prozess der Umklassifizierung auf ein ganzheit­liches Green Bond Framework eingehen? Wie sind anschliessend die emittierten Green Bonds vom Markt aufge­nommen worden?

PT: Technisch gesehen wurden die Verwendungszwecke aller Bonds auf Finanzierung und Refinanzierung des Green Asset Portfolios geändert. Ein grosser Vorteil während des gesamten Prozesses war, dass wir sowohl von externen wie auch von internen Partnern grosse Unterstützung hatten. Wir konnten in sämtlichen Abteilungen auf ein grosses Know-How zählen, sei es in der Bewirtschaftung, Bauabteilung, dem Rechnungswesen, Rechtsdienst und selbst­ver­ständlich in der Nachhaltigkeit, um nur ein Paar zu nennen. Seit der Umklassifizierung haben wir ausschliesslich Green Bonds emittiert, die auf dem Markt sehr erfolg­reich platziert werden konnten. In den letzten sechs Monaten waren wir dreimal am Markt präsent und konnten uns bei diesen Emissionen stets unterhalb der Renditekurve platzieren. Dank unserer günstigen Spread-Kurven konnten wir die neuen Emissionen zu Zinssätzen im niedrigen zweistel­ligen Basispunktbereich günstiger platzieren als die bereits gehan­delten Anleihen.

AB: Also haben Sie die günsti­geren Finanzierungskonditionen von Anfang an erwartet?

PT: Für uns war es immer wichtig, als attrak­tiver Emittent wahrge­nommen zu werden und somit den Zugang zum Markt zu gewähr­leisten. Mit zusätz­licher Nachfrage für Green Bonds seitens Investoren lassen sich dann Anleihen für uns tenden­ziell etwas günstiger emittieren. Der effektive Preisunterschied bei bereits emittierten Anleihen im Vergleich zu Green Bonds (sogenanntes «Greenium») ist schwierig zu definieren, da Anleihen in der Schweiz eher gering im Volumen gehandelt und meist bis zum Verfall gehalten werden. Bei regel­mäs­sigen Bondemissionen und einem ausste­henden Bondportfolio von ca. CHF 2 Mrd. sind aber bereits wenige Basispunkte Preisvorteil materiell.

AB: Stichwort Innovation / Taking Action: Wie haben Sie den Prozess der Transformation Ihres Portfolios hin zu einem «100% Green Bond Portfolio» erlebt? Gab es Besonderheiten, Herausforderungen, oder Stolpersteine auf dem Weg?

PT: Der Prozess ist eigentlich für ein Projekt in diesem Ausmass sehr schlank abgelaufen. Was sicher auch auf verläss­liche internen sowie externen Partnern im Projekt zurück­zu­führen war. 

AB: Sind grüne Anleihen Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren nach attrak­tiver geworden? Sehen Sie eine mögliche Trendwende in naher Zukunft?  

PT: In der Schweiz herrscht weiterhin eine gesunde Nachfrage, obwohl wir aus dem europäi­schen Raum eine gewisse Marktsättigung feststellen. Wir sind der Überzeugung, dass ein erfolg­reiches Management des eigenen Geschäfts und das Vertrauen des Marktes grund­le­gende Voraussetzungen sind, um derartige nachhaltige Produkte effektiv anbieten zu können. Dabei ist es entscheidend, dass das Gesamtkonzept überzeugt.

AB: Inwiefern hat das ESG-Rating von Wüest Partner bei der Umsetzung des Green Bond Frameworks geholfen? Wie diffe­ren­ziert es sich aus Ihrer Sicht zu anderen Ratings oder Zertifikaten?

PT: Wir haben uns bereits früh infor­miert und uns mit Second Party Opinion Providers zu diesem Thema ausge­tauscht. Dabei haben wir festge­stellt, dass ein solcher Prozess mit zerti­fi­zierten Liegenschaften sehr viel einfacher umzusetzen und nachzu­weisen ist. Wir halten uns bewusst eher zurück mit Zertifikaten wie BREEAM, SNBS, LEED, etc., weil es auch ein Kostenfaktor ist.

Als wir auf der Suche nach einer geeig­neten Lösung waren, hat sich das Wüest Partner ESG-Rating optimal angeboten. Dadurch, dass Wüest Partner durch die Bewertungstätigkeit schon über viele Datenpunkte verfügt und in der Branche einen guten Ruf geniesst, war es naheliegend, uns für Wüest Partner zu entscheiden. Es war der richtige Zeitpunkt für das richtige Produkt am richtigen Ort. Es war durchaus vorteilhaft solch ein Rating zu haben, es gab aber auch Hindernisse insofern, dass die Second Party Provider zunächst über die Methodologie und Bewertungskriterien geschult werden mussten, um eine eindeutige Aussage fällen zu können. Was für uns in Zukunft besonders spannend ist, ist die nächste Version des ESG-Ratings von Wüest Partner, da diese GRESB akkre­di­tiert ist und zusätz­liche Synergien für uns ergeben kann.

AB«Sustainable Controlling» wird als viertes Prinzip im inter­na­tio­nalen ICMA Green Bond Framework (GBF) aufge­führt, woran Sie sich ebenfalls orien­tiert haben. Wie stellt PSP sicher, dass die Finanzierung aus den Green Bonds tatsächlich zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beiträgt und den ESG-Richtlinien entspricht? Welche Massnahmen werden ergriffen, um die Effektivität der Mittelverwendung zu überwachen und zu gewähr­leisten?  

PT: Zunächst ist festzu­halten, dass wir bei der PSP eine langjährige Strategie verfolgen, die im GBF wieder­ge­geben wurde. Wir haben den bestehenden Absenkpfad genutzt, welchen wir bereits vorher definiert haben. Das GBF haben wir dementspre­chend angeglichen und imple­men­tiert. Nachhaltigkeitsberichte publi­zieren wir bereits seit 10 Jahren und waren eine der ersten, die Verbrauchszahlen freiwillig mit limited Assurance auditiert haben lassen. Mit dem GBF haben wir uns selbst nochmals stärker dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet. Falls wir den von uns gesetzten Absenkpfad nicht einhalten, kann dies negative Auswirkungen auf die Green Bonds haben und einen Reputationsschaden bewirken. Eine Rückklassifizierung der Bonds möchte man dementspre­chend vermeiden. Was sich effektiv mit der Einführung des GBF geändert hat, ist daher die Zunahme der Transparenz und des Commitments. 

AB: Wenn wir eine Stufe höher auf EU-Ebene blicken, sehen wir auch hier Aktivitäten im Bereich Green Bonds. Die Einführung des EU Green Bond Standard (EuGBS) sieht vor, dass mindestens 85% der durch die Anleihe aufge­brachten Mittel in wirtschaft­liche Aktivitäten fliessen, die mit der EU-Taxonomie überein­stimmen müssen. Glauben Sie, dass dieser Standard ausrei­chend ist, um das Risiko von Greenwashing effektiv zu minimieren, oder sehen Sie die Notwendigkeit für strengere Richtlinien oder zusätz­liche Massnahmen, um die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit grüner Finanzprodukte auch in der Schweiz weiter zu stärken? 

PT: Zu den europäi­schen Standards stellen wir fest, dass diese immer etwas Zeit benötigen bis sie in der Schweiz ankommen, irgendwann aber doch über den inter­na­tional vernetzten Kapitalmarkt relevant werden. Es ist immer schwierig, einen guten Mittelweg zwischen Regulierung und Eigenverantwortung zu finden. Die Europäische Union tendiert dazu möglichst viel regulieren zu wollen.
Wir als nur in der Schweiz tätige Immobiliengesellschaft haben sicher rein von der Komplexität des Geschäfts her Vorteile im Vergleich zu inter­na­tional agierenden Unternehmen. Das ganze Nachhaltigkeitsreporting ist im Vergleich zu den tradi­tio­nellen Finanzkennzahlen aber noch in einem frühen Stadium, ich gehe davon aus und hoffe auch, dass sich dort noch viel standar­di­sieren lässt. 

AB: Verlassen wir Bonds für einen Moment und widmen uns dem Equity Bereich. In Ihrem Geschäftsbericht 2023 schreiben Sie, dass PSP bei einer Adaptation der Green Equity Principles, die durch die World Federation of Exchanges (WFE) heraus­ge­geben wurden, in der Schweiz als Vorreiter agieren möchte und ebenfalls eine Akkreditierung anstrebt. Können Sie hierzu genauer auf die Gründe eingehen? Wie genau möchten Sie das erreichen? 

PT: Dadurch, dass wir zusätzlich unsere Kredite in Sustainability-Linked Loans umgewandelt haben, ist nun unsere gesamte Verschuldung an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Es macht daher bei der Betrachtung der Bilanz Sinn, den letzten fehlenden Teil – Equity – ebenfalls zu labeln. Die Green Equity Principles der World Federation of Exchanges dienen hier als Grundlage. Man wird momentan von diversen Firmen beurteilt, bekommt eine Bewertung und ist nach aussen hin immer noch nicht ganz trans­parent und vergleichbar. So haben wir Bewertungen in einer extremen Spannweite von D- bis AAA erhalten. Die Green Equity Principles machen meiner Meinung nach deshalb Sinn, da sie von der Börse adminis­triert und abgesegnet werden und ein anderes Gewicht haben können.  

AB: Ich bedanke mich, Herr Thäler, für das infor­mative Gespräch und Ihre Einblicke in die Welt der Green Bonds. Ich bin gespannt und zuver­sichtlich was sich in Zukunft im Bereich Sustainable Finance und Green Bonds im Schweizer Finanzplatz entwi­ckeln wird. 

PT: Sehr gerne, vielen Dank.

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