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Schweizer Hospitality: Rekordjahr 2019 und beeindruckendes Wachstum in 2022

Veröffentlicht am: 17. Februar 2023 Letzte Aktualisierung: 23. März 2026

Hospitality Update Q1/2023

Das Jahr 2019 war für die Schweizer Hospitality-Branche ein Rekordjahr. Doch auch 2022 war in vielerlei Hinsicht beein­dru­ckend. Die Anzahl Logiernächte konnte deutlich gesteigert werden und übertraf in einigen Regionen sogar bisherige monat­liche Höchstwerte. Der Vergleich der Regionen Wallis und Genf zeigt die unter­schied­lichen Entwicklungen innerhalb des Schweizer Marktes exempla­risch auf . So werden im Fokusthema dieser Ausgabe die Kennwerte und die grund­sätz­lichen Unterschiede zwischen dem bergigen Walliser und dem städti­schen Genfer Hotelmarkt näher betrachtet. Zunächst geben wir aber gerne einen generellen Überblick über den Schweizer Markt und seine Veränderungen gegenüber dem letzten Quartal.

Marktsituation Schweiz

Gegenüber dem Vorjahr konnten sowohl die Anzahl Logiernächte, die prozen­tuale Auslastung und auch die Zimmerpreise in jedem Monat deutlich gesteigert werden. Erstaunlich dabei: Der Anteil Gäste aus dem Inland reduzierte sich von 71% auf 56%, wuchs aber in absoluten Zahlen dennoch leicht um rund 58’000 Übernachtungen. 

Logiernächte
  • Die Anzahl Logiernächte stieg gegenüber dem Vorjahr um +27.1% (oder um rund 7.39 Mio.; Jan.-Feb.) 
  • Auch für den Dezember ist eine Steigerung zu erwarten (Stand Februar 2023). 
  • Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 noch rund 1.7 Mio. Übernachtungen weniger. 
  • Dieser Rückstand fällt fast ausschliesslich auf das erste Halbjahr zurück, denn ab September 2022 wurden die monat­lichen Spitzenwerte aus 2019 sogar übertroffen. 
  • Das erste Halbjahr war dabei noch von den letzten Corona-Einschränkungen betroffen.
Auslastung
  • Trotz Spitzenmonaten, resul­tiert unter dem Strich eine leicht tiefere Auslastung als 2019. Das findet seinen Grund darin, dass eine Zunahme der Anzahl verfüg­barer Zimmer statt­ge­funden hat (+1’313). 
  • Gegenüber dem Vorjahr 2021 ist die Auslastung aber deutlich gestiegen, wie die nachfol­gende Graphik zeigt:
Logiernächte Schweiz 2021/2022
Zimmerpreise

Schaut man sich die angebo­tenen Zimmerpreise an, sieht man auch da im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von zwischen 2% und 10%. Erwähnenswert ist hierbei, dass die Zimmerpreise im zweiten Halbjahr deutlicher angestiegen sind.

Zimmerpreisquantile 2021/2022 in der Schweiz

Fokus: Vergleich Wallis & Genf

Geht man nun etwas vertiefter in die Entwicklungen in der Hospitality-Branche hinein, so sieht man, dass sich innerhalb der Schweiz ein diffe­ren­ziertes Bild auftut. Die Regionen Wallis und Genf sind auf ganz unter­schied­liche Art und Weise von den vorgängig geschil­derten Entwicklungen betroffen: Genf als inter­na­tionale Stadt verfügte vor der Pandemie noch über weniger als 20% Gäste aus der Schweiz und weist eine geringere und andere Saisonalität auf (leicht mehr Gäste im wärmeren Halbjahr). Im Wallis hingegen ist der Anteil Schweizer Gäste hoch mit schon über 50% 2019 und Februar, März, Juli und August sind mit Abstand die besucher­stärksten Monate, wobei die Zimmerpreise im Winter am höchsten sind.

Schaut man sich die Logiernächte 2022 an, wird schnell klar, dass das Wallis zu Beginn des Jahres von einem sehr guten Winter profi­tieren konnte, wohin­gegen Genf von Januar bis März unter einer erheblich tieferen Auslastung litt. 

Logiernächte Wallis und Genf 2022

Begründen lässt sich diese Entwicklung mit den unter­schied­lichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Der Städtetourismus hat in dieser Zeit extrem gelitten. Nicht nur die Freizeitgäste blieben aus, sondern auch alle, die aus geschäft­lichen Gründen die Stadt besucht hätten. Feriendestinationen wie das Wallis hingegen konnten das zu ihren Vorteilen nutzen. 

Vergleich Gästemix im Wallis

Das zeigt sich auch in den vertre­tenen Nationen der Gäste. So stützten im Wallis Schweizer Gäste mit einem Anteil am Gästemix von 63% (verglichen mit 56% im 2019) die Nachfrage, welche somit bis Ende November 2022 nur 2.6% unterhalb des Spitzenjahrs 2019 lag. Zwar hat die absolute Zahl der Gäste aus der Schweiz gegenüber 2021 marginal abgenommen (-82’000, bzw. ‑3%). Gegenüber 2019 aber bleibt eine beacht­liche Steigerung von rund 360’000 Logiernächten (+18%). Die weiteren vier wichtigsten Gästenationen blieben aber allesamt noch hinter den Zahlen von 2019 zurück, wie die nachfol­genden Visualisierungen veran­schau­lichen.

Wallis: Top 5 Gästenationen nach Anzahl Logiernächte 2019 und 2022
Vergleich Gästemix in Genf

In Genf wuchs bis Ende November 2022 der Anteil an Gästen aus der Schweiz gegenüber 2019 sogar um 26%. Da der Anteil Gäste aus der Schweiz in Genf aller­dings deutlich geringer ist, vermochten diese rund 145’000 zusätz­lichen Logiernächte die Nachfrage dennoch nicht im gleichen Masse stützen.

Genf: Top 5 Gästenationen nach Anzahl Logiernächten 2019 und 2022

Per Ende November fehlten in Genf rund 360’000 Logiernächte, um mit den Zahlen von 2019 mithalten zu können. Oder anders formu­liert, im Jahr 2022 wurden die durch­schnittlich 17’000 Betten 21 Nächte weniger belegt.

Einfluss auf die Zimmerpreise

Die Zimmerpreise sind in beiden Regionen deutlich angestiegen, was sich gut mit der deutlich gestie­genen Inlandnachfrage und der Weitergabe der Erhöhung der Energiepreise begründen lässt.

In Genf lagen die Preise in der zweiten Jahreshälfte deutlich über den Preisen von 2019. 

Zimmerpreisquantile für 2022 und 2019 (ab April) in Genf

Die Preise im Wallis sind rund 10% angestiegen, was einer Preiserhöhung von CHF 15 – 20 pro Zimmer und Nacht entspricht. Somit ist die Steigerung im Wallis im Vergleich zu 2019 noch deutlicher, als das bereits in Genf der Fall ist. 

Zimmerpreisquantile für 2022 und 2019 (ab April) im Wallis
Weitere Unterschiede: Betriebsgrösse

Zum Vergleich dazu zeigt sich im Wallis ein gegen­tei­liges Bild: Gegenüber vor 10 Jahren schrumpfte die Anzahl geöff­neter Hotelbetriebe um 52 Stück auf 523 und die durch­schnitt­liche Hotel-Grösse nach Zimmerzahl stieg nur marginal von 24.3 Zimmer auf 25.5 Zimmer an. Ausserdem deutet die Entwicklung der Anzahl Neueröffnungen keine Tendenz von Wachstum der Betriebe an. Vielmehr steht mehrheitlich die flexible Verknüpfung mit anderen bewirt­schaf­teten Wohnformen im gehobenen Preissegment im Vordergrund, wie die nachfol­genden Neueröffnungen mehrheitlich zeigen:

  • Six Senses Crans-Montana – 47 Zimmer
  • Schallers Tannenhof Zermatt- 16 Zimmer
  • Aïda Hôtel & Spa Crans-Montana – 18 Zimmer
  • Au Club Alpin Champex – 8 Zimmer
  • Hotel Eringer, Hérémence – 70 Zimmer

Fazit & Implikationen für die Bewertung

Es zeigt sich also, dass sich der Walliser und der Genfer Hotelmarkt im Jahr 2022 gut bis sehr gut entwi­ckelt haben, wobei im Wallis der höhere Anteil Schweizer Gäste für eine bessere Auslastung in der ersten Jahreshälfte sorgte. Entgegen dem allge­meinen Markttrend werden die neuen Hotels im Wallis zudem nicht einfach grösser, sondern mehrheitlich exklu­siver.

Die Zimmerpreise sind nochmals gestiegen, was auf die wachsenden Kosten von Person und Energie zurück­ge­führt werden kann. Jedoch deuten Anzeichen darauf hin, dass die Ertragssteigerung stärker ins Gewicht fallen dürfte, als die gestie­genen Kosten. Entsprechend scheint es plausibel, dass die Marktmieten für Hotels in der Schweiz im Q1 2023 etwa in der Höhe der Teuerung gegenüber dem Vorjahr steigen dürften, also um rund 2.8%-3.0%. Auch die Renditeerwartung für Hotels dürfte sich im Q1 leicht steigend entwi­ckeln. 

Quellen

Kennzahlen zu Logiernächten und Gästeherkunft: https://www.bfs.admin.ch/

Kennzahlen zu Zimmerpreisen: Datenerhebung Wüest Partner

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