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Post-Corona-Trends im Shoppingcentermarkt

Veröffentlicht am: 21. Juni 2024 Letzte Aktualisierung: 22. April 2025

Der wirtschaft­liche Aufschwung der letzten zwei Jahre konnte teilweise darüber hinweg­täu­schen, dass der Markt für Verkaufsflächen weiterhin vor grossen Herausforderungen steht. Der zuneh­mende Einfluss des E‑Commerce zwingt viele Händler, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und in kostspielige Anpassungen zu inves­tieren. So sind beispiels­weise die innovative Umgestaltung von Verkaufsflächen und eine klare Ausrichtung auf die Konsumentenbedürfnisse entscheidend, um das Einkaufserlebnis zu verbessern und die Attraktivität der physi­schen Geschäfte zu bewahren. Gleichzeitig gewinnt die ökolo­gische Nachhaltigkeit an Bedeutung, was zusätz­liche Investitionen in Energieeffizienz und erneu­erbare Energien notwendig macht.

Schwache Wertentwicklung

Mit diesen Herausforderungen haben vor allem auch einige Shoppingcenter zu kämpfen. Die Leerstandsquoten sind vergleichs­weise hoch (2023: 5.0 Prozent). Gleichzeitig sinken die Umsätze pro Quadratmeter stärker als bei anderen Verkaufsflächen, womit sich auch die Immobilienwerte von Einkaufszentren in den letzten fünf Jahren unter­durch­schnittlich entwi­ckelten (+1.2 Prozent). Die unsicheren Aussichten und die Schwierigkeiten, Investoren für Einkaufszentren zu finden, tragen zur stagnie­renden Wertentwicklung bei. Dies hat trotz hoher Nettocashflowrenditen zu relativ geringen Gesamtrenditen geführt, wodurch Shoppingcenter in den letzten Jahren weniger gut performten als andere Verkaufsliegenschaften. Trotz der insgesamt schwie­rigen Entwicklung fallen gewisse Shoppingcenter sehr positiv auf und konnten sich deutlich von anderen abheben.


Performance von Verkaufsflächen


Wie kann der Shoppingcentermarkt segmentiert werden?

Um diese Frage zu beant­worten, haben wir für den Zeitraum von 2018 bis 2023 die Daten von Shoppingcentern in der ganzen Schweiz analy­siert. Die Center wurden dann in zwei Kategorien aufge­teilt: in grosse, führende Topshoppingcenter und in mittel­grosse Shoppingcenter. Bereits vorab kann festge­halten werden, dass die Topshoppingcenter in einer eigenen Liga spielen: Sie verzeich­neten zwischen 2018 und 2023 einen Wertzuwachs, während die mittel­grossen Shoppingcenter in dieser Zeit deutlich an Wert verloren.

Die Betrachtung der effektiv bezahlten Mieten zeigt, dass 2023 die Ladenflächen in den Topeinkaufszentren im Mittel für knapp 640 Franken pro Quadratmeter und Jahr vermietet wurden und damit 60 Prozent teurer waren als die Flächen in den mittel­grossen Shoppingcentern (Median: 400 Franken pro Quadratmeter und Jahr). Ausserdem haben sich die Mieten bei den Topshoppingcentern über die letzten Jahre kaum verändert. Die Spitzenmieten sind sogar leicht gestiegen. Die weniger promi­nenten Shoppingcenter hingegen konnten das Preisniveau nicht halten. Hier haben sich die Mieten erst in den vergan­genen 3 Jahren wieder stabi­li­siert. Generell ist anzumerken, dass die Mieten in Einkaufszentren aufgrund der langjäh­rigen Mietverträge nur langsam auf Marktveränderungen reagieren. Die durch­schnitt­liche verblei­bende Vertragsdauer betrug sowohl bei den führenden als auch bei den mittel­grossen Einkaufszentren rund 4.5 Jahre. Einzig die Umsatzmieten reagieren schnell auf Marktschwankungen.


Shoppingcenter: Effektiv bezahlte Mieten (CHF pro m2 Verkaufsfläche und Jahr)


Topshoppingcenter führen Wartelisten, Leerstände in mittelgrossen Einkaufszentren

Nicht nur die erzielten Mieten sind bei den Topshoppingcentern höher, es gibt hier auch deutlich weniger leer stehende Verkaufsflächen. Bei den ganz grossen Shoppingcentern werden sogar Wartelisten für Mietinteressenten geführt. So lag die Leerstandsquote 2023 in den grossen Shoppingcentern durch­schnittlich bei 1.1 Prozent. In den mittel­grossen Zentren waren dagegen Leerstandsquoten von rund 7 Prozent üblich.

Was zeichnet erfolgreiche Shoppingcenter aus

Mehrere Faktoren heben die Topeinkaufszentren von ihren Mitbewerbern ab. So zeichnen sie sich beispiels­weise durch ihre exzel­lente Lage aus, vor allem durch eine hervor­ra­gende verkehrs­tech­nische Anbindung und eine hohe Anzahl an Parkplätzen. Diese Standorte verschaffen ihnen ein grosses Einzugsgebiet und damit eine Kundenbasis, die breit genug ist, um auch viele Haushalte mit überdurch­schnittlich hoher Kaufkraft zu umfassen.

Unterschiedlicher Branchenmix

Auch wenn hinsichtlich der Liegenschaftsqualität an sich kein signi­fi­kanter Unterschied zwischen den führenden und den mittel­grossen Einkaufszentren feststellbar ist, so weisen die Topshoppingcenter in der Regel eine bestimmte Mindestgrösse auf, was ein profes­sio­nelles und zielgrup­pen­spe­zi­fi­sches Management ermög­licht. Dieses übernimmt nicht nur die Bewirtschaftung und Steuerung des Einkaufszentrums, sondern koordi­niert auch die Marketingaktivitäten. Besonderes Augenmerk wird auf ein vielfäl­tiges Einkaufserlebnis, das die gesamte Familie anspricht, gelegt. Neben einer breiten Palette an gastro­no­mi­schen Angeboten und Unterhaltungsmöglichkeiten wird häufig auch ein Betreuungsservice für Kinder bereit­ge­stellt. Dadurch erhöht sich die Verweildauer, was sich positiv auf die Ausgaben pro Besucher auswirkt.


Shoppingcenter: Umsatzanteil der Verkaufsflächen nach Branche


In mittel­grossen Shoppingcentern bilden häufig Supermärkte einen Schwerpunkt aus. Sie beanspruchen im Durchschnitt mehr als 37 Prozent der Verkaufsfläche (ohne Büroflächen, Wohnungen, Lager und Parkplätze). Bei den Topshoppingcentern dominieren hingegen Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, die 39 Prozent der Fläche für sich in Anspruch nehmen. Die Food-Anbieter runden hier das Angebot ab. Dadurch gelingt es, das Shoppingcenter auf ein Zielpublikum auszu­richten und ein kohärentes sowie unter­halt­sames Einkaufserlebnis zu schaffen. Erwartungsgemäss generieren die Bekleidungs- und Schuhgeschäfte aufgrund ihres grossen Flächenanteils auch den grössten Anteil am Umsatz der Topshoppingcenter. Allerdings ist hier ein rückläu­figer Trend zu verzeichnen: Zwar ist ihr Flächenanteil über die Jahre hinweg relativ konstant geblieben, aber die Rentabilität pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist gesunken. Bei den mittel­grossen Shoppingcentern wird dieser Effekt noch dadurch verstärkt, dass gleich­zeitig die von den Bekleidungs- und Schuhgeschäften genutzte Verkaufsfläche abgenommen hat.

Gastronomische Angebote nehmen in den führenden Shoppingcentern eine bedeu­tendere Rolle ein als in den mittel­grossen Einkaufszentren. Letztere vermieten dagegen einen grösseren Anteil ihrer Fläche an Sport- und Unterhaltungseinrichtungen wie Fitnesszentren und Kinos. Unternehmen aus diesen Bereichen verfügen jedoch über eine relativ geringe Ertragskraft und bezahlen Mieten von lediglich rund 230 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Unter allen Shoppingcentern den höchsten Ertrag pro Quadratmeter Verkaufsfläche generieren Geschäfte aus der Kategorie «Übriger Non-Food», zu der insbe­sondere die Bereiche Schmuck und Accessoires sowie Kosmetik zählen.

Erfolgsfaktoren im Shoppingcentermarkt

Zusammenfassend kann festge­halten werden, dass es bei einer genaueren Betrachtung des Shoppingcentermarktes deutliche Unterschiede in der Performance der Einkaufszentren gibt. So ist nicht nur ein zentraler und sehr gut erschlos­sener Standort wichtig, sondern auch das Centermanagement spielt eine zentrale Rolle für den Erfolg eines Shoppingcenters. Es ist für Einkaufszentren essen­ziell, flexibel zu bleiben und sich konti­nu­ierlich an die sich wandelnden Marktbedingungen anzupassen. Dazu gehört, den Branchenmix gezielt zu steuern und ein vielfäl­tiges Einkaufserlebnis zu bieten. Denn nur durch innovative Lösungen und eine klare Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse können Einkaufszentren auch in Zukunft erfolg­reich sein.

Aus dem aktuellen Immo-Monitoring

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