Wachstum trotz Gegenwind: Die Schweizer Wirtschaft 2026
Veröffentlicht am: 24. März 2026 Letzte Aktualisierung: 24. März 2026
Die Schweizer Wirtschaft könnte sich 2026 in einem geopolitisch anspruchsvollen Umfeld bemerkenswert stabil zeigen. Einzelne Branchen wie Chemie und Pharma oder der Baumarkt wirken als wichtige Stützen. Auch die weiterhin relativ tiefen Zinsen tragen dazu bei, dass das Wachstum anhält. Allerdings reduziert sich das Tempo, was etwa ein Blick auf die Beschäftigungs- und Bevölkerungszahlen zeigt.
Makroökonomisches Umfeld: Stabilität trotz Unsicherheit
Die Schweizer Wirtschaft steht weiterhin unter dem Einfluss geopolitischer Spannungen – insbesondere im Nahen Osten –, eines starken Frankens und zuletzt wieder steigender Energiepreise. Das Umfeld ist entsprechend von hoher Unsicherheit geprägt, und der weitere Konjunkturverlauf hängt wesentlich von der geopolitischen Entwicklung ab – etwa davon, wie sich die Lage rund um die Strasse von Hormus entwickelt oder wie stabil die Energieversorgung in den Golfstaaten bleibt.
Die Binnenwirtschaft zeigt Anzeichen von Resilienz und hat in der Vergangenheit wiederholt ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt. Für 2026 gehen wir in unserem Basisszenario von einem moderaten, unterdurchschnittlichen Wachstum aus (vergleiche dazu auch das Alternativszenario am Ende des Beitrags). Ein prognostiziertes BIP-Wachstum von 1.1 Prozent signalisiert zwar kein dynamisches Wachstum, steht aber für eine robuste Entwicklung der Wirtschaftsleistung.
Beschäftigungsentwicklung bleibt hinter der Wertschöpfung zurück
Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung wächst weiter, während sich der Arbeitsmarkt schwächer entwickelt. Mit einem Beschäftigungswachstum von 0.2 Prozent im Jahr 2025 und prognostizierten 0.4 Prozent im Jahr 2026 liegt die Entwicklung klar unter dem Niveau der vergangenen Jahrzehnte.
Besonders ausgeprägt ist die Abschwächung im ICT-Sektor, der nach Jahren kräftigen Wachstums an Tempo einbüsst. Auch Branchen wie die Lagerei sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verzeichneten zuletzt Beschäftigungsrückgänge. Demgegenüber wachsen Gesundheit und öffentliche Verwaltung weiterhin kräftig (mehr dazu in folgenden Blogbeitrag: Branchenverschiebungen beim Beschäftigungswachstum).
Mit der geringeren Beschäftigungsdynamik fällt auch die arbeitsmarktgetriebene Zuwanderung schwächer aus. Entsprechend verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum 2026 auf 0.6 Prozent. Der private Konsum dürfte sich – gestützt durch tiefe Inflationsraten und eine robuste Entwicklung der Realeinkommen – weiterhin stabil entwickeln.
Der Baumarkt als Wachstumsträger
Neben dem privaten Konsum wird der Baumarkt in der kurzen Frist zu einer zentralen Stütze des Wirtschaftswachstums. Für das aktuelle Jahr rechnen wir mit einer realen Zunahme der Hochbauinvestitionen von 4.1 Prozent. Die Trendwende bei den Neubaubewilligungen ist vollzogen und deutet auf eine Belebung des Wohnungsbaus in den Jahren 2026 und 2027 hin. Ob sich diese Dynamik auch mittelfristig fortsetzt, bleibt jedoch offen, zumal die Baugesuche derzeit eher verhalten ausfallen.
Auch die Umbautätigkeit bleibt auf hohem Niveau. Impulse kommen unter anderem vom erwarteten Systemwechsel beim Eigenmietwert, wodurch Investitionen vorgezogen werden. Gleichzeitig gewinnen energetische Sanierungen weiter an Bedeutung: Steigende Energiepreise und regulatorische Anforderungen erhöhen die wirtschaftliche Attraktivität entsprechender Massnahmen.
Inflation und Geldpolitik: Zwischen Energiepreisdruck und starkem Franken
Die Inflation bewegte sich zuletzt um den Nullpunkt und dürfte mit steigenden Energiepreisen vorübergehend wieder anziehen. Damit gewinnt die Teuerung kurzfristig an Sichtbarkeit, ohne die grundsätzliche Stabilität des Preisumfelds infrage zu stellen. Die SNB hat in ihrer Lagebeurteilung vom 19. März 2026 den Leitzins entsprechend unverändert bei 0 Prozent belassen (siehe Medienmitteilung).
Hinter diesem Entscheid steht ein Abwägen gegenläufiger Kräfte: Während höhere Energiepreise den Inflationsdruck kurzfristig erhöhen, wirkt der starke Franken dämpfend. Entsprechend liegt die Inflationsprognose in der kurzen Frist etwas höher, während sich der mittelfristige Preisdruck kaum verändert hat und insgesamt im Bereich der Preisstabilität bleibt. Die Nationalbank verfolgt weiterhin das Ziel, die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und vermeidet dabei abrupte geldpolitische Richtungswechsel. Gleichzeitig signalisiert sie eine erhöhte Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen, um eine übermässige Aufwertung des Frankens zu verhindern, die die Preisstabilität gefährden könnte.
Für den Immobilienmarkt und die Finanzierungsbedingungen bleibt das Zinsumfeld damit insgesamt unterstützend.
Implikationen für den Immobilienmarkt
Für den Immobilienmarkt bedeuten die jüngsten Entwicklungen eine leichte Eintrübung auf der Nachfrageseite – allerdings ausgehend von einer insgesamt starken Ausgangslage der Anlageklasse Immobilien. Das makroökonomische Umfeld bleibt solide, gleichzeitig zeigen sich erste Abschwächungen im Nutzer- und Anlagemarkt. So lässt die Dynamik bei Beschäftigung und Bevölkerung nach, bleibt jedoch positiv. Auch das Zinsumfeld ist weiterhin günstig, wenngleich die Renditen auf Bundesobligationen sowie die Hypothekarzinsen im Zuge gestiegener Energiepreise leicht angezogen haben. Der Baumarkt wirkt weiterhin stützend, zugleich führen die hohe Auslastung und gestiegene Energiepreise zu steigenden Baupreisen.
Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für Immobilieninvestoren im Basisszenario vorteilhaft: Das erwartete Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung sowie das noch immer tiefe Zinsniveau machen Immobilienanlagen im relativen Vergleich attraktiv – insbesondere gegenüber Staatsanleihen, die bei zehnjähriger Laufzeit derzeit rund 0.4 Prozent rentieren.
Szenarien: Stagflation als zentrales Negativszenario
Angesichts des fragilen internationalen Umfelds gewinnt die Betrachtung von Szenarien für die Schweizer Wirtschaft an Bedeutung. Im Basisszenario wird davon ausgegangen, dass der Ölpreis im Jahresverlauf mehrheitlich unter 100 Franken bleibt, sich die Lage rund um die Strasse von Hormus in naher Zukunft entspannt und es zu keiner weiteren Verschärfung der US-Zölle auf Schweizer Industriegüter kommt.
Das bedeutendste Abwärtsrisiko stellt ein Stagflationsszenario dar. Was würde eine ausgeprägte Stagflation bedeuten? Anhaltend hohe Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen würden die Inflation spürbar erhöhen und gleichzeitig die wirtschaftliche Dynamik bremsen. Auch der Arbeitsmarkt würde sich weiter abschwächen, während sich das Bevölkerungswachstum infolge tieferer arbeitsmarktbedingter Zuwanderung verlangsamt. Die Reallöhne geraten unter Druck, wodurch die Kaufkraft der Haushalte sinkt, und der private Konsum gedämpft wird. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus dem Ausland schwach.
Die Geldpolitik steht in einem solchen Umfeld vor einem Zielkonflikt: Während die Konjunktur und der Frankenkurs eine lockere Ausrichtung erfordern würden, spricht der erhöhte Inflationsdruck für steigende Zinsen. Entsprechend ist auch mit einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen zu rechnen. Dies würde die Finanzierungsbedingungen verschärfen und sich dämpfend auf die Zahlungsbereitschaft im Immobilienmarkt auswirken.