Weiter zum Ihnhalt

Energieeffizienz wird zum Werttreiber, aber München bleibt ein Sonderfall

Veröffentlicht am: 02. Juli 2026

In Deutschland sinken die Kaufpreise mit jeder schlechteren Energieeffizienzklasse im Durchschnitt um mehr als 100 Euro pro Quadratmeter. München bestätigt diesen Trend grundsätzlich, sie setzen allerdings auf Sanierung anstatt Neubau

Die Energieeffizienz von Immobilien entwi­ckelt sich zunehmend zu einem zentralen Werttreiber am Immobilienmarkt. Unsere aktuellen Analysen zeigen: In Deutschland sinken die Kaufpreise mit jeder schlech­teren Energieeffizienzklasse im Durchschnitt um mehr als 100 Euro pro Quadratmeter. München bestätigt diesen Trend grund­sätzlich – weist jedoch einige bemer­kens­werte Besonderheiten auf.

Wenn Altbaucharme die Energieeffizienz überlagert

Bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern zeigt sich in München ein ungewöhn­liches Bild. Während energie­ef­fi­ziente Gebäude grund­sätzlich Preisprämien erzielen, erreichen Immobilien mit den schlech­testen Energieeffizienzklassen teilweise höhere Preise als Objekte mit mittleren Standards. 

Der Grund liegt vor allem im hohen emotio­nalen und kultu­rellen Wert vieler Altbauten und denkmal­ge­schützter Immobilien. Gerade in begehrten Münchner Lagen stehen Architektur, Historie und Lagequalität für viele Käufer häufig über energe­ti­schen Kennzahlen. Energieeffizienz ist in diesem Marktsegment daher nicht immer das entschei­dende kaufpreis­bil­dende Kriterium.

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern in München

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern in München

Dennoch gilt auch in München: Bei den besten Effizienzklassen A bis C werden klare Kaufpreisprämien erzielt. Der Markt honoriert hochwertige energe­tische Standards zunehmend insbe­sondere bei neueren Wohnobjekten. 

Professionelle Investoren rechnen anders

Ein anderes Bild zeigt sich bei Mehrfamilienhäusern und Büroimmobilien. Hier wird Energieeffizienz konse­quent in den Kaufpreis einge­preist. 

Bei Münchner Mehrfamilienhäusern liegen die Medianpreise in der Energieeffizienzklasse A bei rund 11.000 Euro pro Quadratmeter. In der Klasse H sinken sie auf etwa 6.000 Euro pro Quadratmeter. Ähnliche Zusammenhänge lassen sich auch bei Büroimmobilien beobachten. 

Für profes­sio­nelle Investoren ist dies wenig überra­schend. Energieeffizienz beein­flusst Betriebskosten, regula­to­rische Risiken, Finanzierungsmöglichkeiten und die langfristige Vermietbarkeit. Entsprechend werden energe­tische Defizite unmit­telbar im Marktwert berück­sichtigt.

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Mehrfamilienhäusern in München

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Mehrfamilienhäusern in München

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Büroimmobilien in München

Energieeffizienzklassen und Kaufpreise bei Büroimmobilien in München

Die eigentliche Herausforderung: Sanierung statt Neubau

Die Diskussion um Energieeffizienz darf jedoch nicht ausschließlich auf Neubauten fokus­siert werden. Entscheidend für die Erreichung der europäi­schen und deutschen Klimaziele ist die Transformation des bestehenden Gebäudebestands. 

Deutschland hat sich Klimaneutralität bis 2045 zum Ziel gesetzt, die Europäische Union bis 2050. Gleichzeitig liegt die energe­tische Sanierungsquote im Wohngebäudebestand aktuell bei lediglich 0,67 Prozent pro Jahr. Nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) wäre eine Quote von rund 1,9 Prozent erfor­derlich, um die Klimaziele zu erreichen. 

Die Herausforderung ist enorm: Rund 20 Millionen Wohngebäude und 21 Millionen Nichtwohngebäude müssen in den kommenden Jahrzehnten energe­tisch moder­ni­siert werden.

Entwicklung der energe­ti­schen Sanierungsquote in Deutschland vs. erfor­der­liche Sanierungsquote

Entwicklung der energetischen Sanierungsquote in Deutschland vs. erforderliche Sanierungsquote

Die Energiewende liegt in privater Hand

Ein häufig überse­hener Aspekt betrifft die Eigentümerstruktur des deutschen Wohnungsmarktes. Rund 80 Prozent aller Wohneinheiten befinden sich im Eigentum von Privatpersonen oder Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs). 

Die Energiewende im Gebäudesektor wird daher nicht primär von insti­tu­tio­nellen Investoren entschieden, sondern von Millionen privater Eigentümerinnen und Eigentümer. Gleichzeitig erschweren steigende Finanzierungskosten, regula­to­rische Unsicherheiten und begrenzte Handwerkskapazitäten die Umsetzung notwen­diger Sanierungsmaßnahmen.

Wohnungsbestand in Deutschland nach Eigentümerstruktur

Wohnungsbestand nach Eigentümer und Nutzungsform 2022

Neubau allein ist keine Lösung

In unserer Beratungspraxis zeigt sich zudem regel­mäßig, dass Neubau nicht automa­tisch Zukunftssicherheit bedeutet. 

Durch langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse erreichen viele Gebäude bei Fertigstellung bereits nicht mehr die Standards, die für die langfristige Einhaltung von Dekarbonisierungspfaden erfor­derlich sind. Insbesondere im Kontext von CRREM-Pfaden und ESG-Anforderungen kann dies zu erheb­lichen Investitionsrisiken führen. 

Investoren müssen daher zunehmend über den aktuellen Energieausweis hinaus­denken und zukünftige regula­to­rische Anforderungen bereits heute in ihre Investitionsentscheidungen integrieren.

Energieeffizienz wird zum strategischen Erfolgsfaktor

Energieeffizienz ist längst kein reines ESG-Thema mehr. Sie entwi­ckelt sich zunehmend zu einem zentralen Faktor für Werthaltigkeit, Vermietbarkeit und Investitionssicherheit von Immobilien. 

Während München bei Wohnimmobilien aufgrund seiner beson­deren Marktstruktur teilweise eigene Regeln schreibt, zeigt sich bei Anlageimmobilien bereits heute sehr deutlich: Energetische Qualität wird vom Markt honoriert, energe­tische Defizite dagegen zunehmend sanktio­niert. 

Die Dekarbonisierung des Gebäudebestands ist damit nicht nur eine ökolo­gische Notwendigkeit, sondern auch ein wirtschaft­liches Gebot. Wer frühzeitig inves­tiert und die Transformation aktiv gestaltet, wird langfristig von stabi­leren Werten, gerin­geren Risiken und einer höheren Marktattraktivität profi­tieren. 

Kontaktieren Sie unsere Expert:innen für weitere Insights.