Die Wirkung von Nachhaltigkeit auf Immobilienwerte
Empirische Analyse des Werteinflusses von Energieeffizienzklassen auf die Immobilienpreise

1. Einleitung
Energieeffizienz und die Wahl des Energieträgers gewinnen im Immobilienmarkt zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende empirische Studie den Einfluss der Energieeffizienzklasse und des eingesetzten Energieträgers von Wohn- und Gewerbeliegenschaften auf Miet- und Kaufpreise. Die zentrale Fragestellung lautet dabei, inwiefern die Energieeffizienzklasse und der Energieträger (fossil oder nichtfossil) die Angebotsmieten bzw. Angebotskaufpreise beeinflussen.
Die Bedeutung von ökologischer Nachhaltigkeit und ESG (Environmental, Social, Governance) in der Immobilienbranche nimmt kontinuierlich zu und rückt angesichts der aktuellen Zinspolitik und Marktsituation besonders in den Vordergrund. Investoren und Immobilieneigentümer streben zunehmend danach, ihre Portfolios nicht nur profitabler, sondern auch nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten. Dieser strategische Fokus spiegelt das wachsende Bewusstsein wider, dass ökologische, soziale und governancebezogene Faktoren entscheidend sind, um langfristige Werte zu schaffen und Risiken zu minimieren. Unternehmen, die in diesem Bereich vorbildlich handeln, erweisen sich oft als attraktivere Investitionsziele, da sie besser auf die Herausforderungen unserer Zeit vorbereitet sind.
Ökologische Nachhaltigkeit von Immobilien
Deutschland hat das ambitionierte Ziel, bis spätestens 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Dies erfordert zwangsläufig, dass Immobilien künftig CO2-neutral betrieben werden können. Die Bestimmung dessen erfolgt üblicherweise über die Analyse des Energieverbrauchs, der Energieeffizienzklasse oder der CO2-Emissionen der Gebäude. Bestehende Gebäude erhalten hierbei besondere Beachtung, da die Dringlichkeit der Emissionsreduzierung hier besonders ausgeprägt ist. Innerhalb der Immobilienökonomie rückt insbesondere die Frage in den Fokus, wie sich die Effizienzklasse und der Heizungsträger auf Miet- und Kaufpreise im Wohn- und Gewerbesegment auswirken. Hierbei ist zu beachten, dass die Absichten der Marktteilnehmer in erster Linie von wirtschaftlicher Natur sind und Investitionen rentabel sein müssen.
Daher stellt sich die Frage, wie sich die angebotene Miete beziehungsweise der Kaufpreis im Verhältnis zur Effizienzklasse bzw. dem Heizungsträger der Immobilie verhalten. Um diese Aspekte genauer zu betrachten, wurden in dieser Studie die Auswirkungen von Energieeffizienzklassen und Heizungsträger auf die Immobilienwerte analysiert.
Zielsetzung der empirischen Analyse
Die zentrale Fragestellung der Studie lautet: Wie verhalten sich die Angebotsmieten und Kaufpreise einer Liegenschaft im Vergleich zu ihrer Energieeffizienzklasse? Es soll also überprüft werden, ob Liegenschaften, die eine bessere Energieeffizienzklasse vorweisen, einen höheren Marktwert aufweisen als Liegenschaften mit schlechterer Energieeffizienzklasse.
Zur fundierten Beantwortung dieser Fragestellung wurde die Analyse so konzipiert, dass potenzielle Verzerrungen minimiert werden und eine wissenschaftlich belastbare Aussage darüber möglich ist, wie sich der Immobilienwert zweier Liegenschaften unterscheidet, die sich ausschließlich in ihrer Energieeffizienzklasse unterscheiden.
Über 1,38 Mio.
Wohn und Gewerbeinserate analysiert
3. Q. 2023 – 2. Q. 2025
0,22 EUR/m²
Sinkt die ø Miete
Kategorie «Mieten, Wohnen» je Energieeffizienzklasse
118 EUR/m²
Sinkt der ø Kaufpreis
Mehrfamilienhäusern je Energieeffizienzklasse
3,00 EUR/m²
ø Aufpreis für Büros der Effizienzklasse A
im Vergleich zu Büros der Effizienzklasse C
115 EUR/m²
Sinkt der ø Kaufpreis
Büroimmobilien je Energieeffizienzklasse
2. Methodik
Für die Analyse wurde ein multiples Regressionsverfahren durchgeführt. Dadurch lässt sich der Zusammenhang zwischen Energieeffizienzklasse und Mietpreisen bestimmen, ohne dass Unterschiede in der Lage und den Merkmalen der Immobilien die Ergebnisse verzerren.
Das bedeutet, dass die Varianzen in der Mikrolage, Makrolage, Baujahr, Größe, Zimmeranzahl sowie baulicher Zustand (Qualitätsmerkmal) herausgerechnet wurden, um theoretisch identische Immobilien zu vergleichen, die lediglich unterschiedliche Energieeffizienzklassen aufweisen.
Datenbasis
Die Analyse basiert auf einem Datensatz von rund 1.380.000 Wohn- und Gewerbeinseraten (850.000 Kaufinserate und 530.000 Mietinserate) mit hinterlegten Energieausweisdaten (Energieträger, Endenergieverbrauch und Energieeffizienzklasse). Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 3. Quartal 2023 bis zum 2. Quartal 2025.
Die untersuchten Inserate wurden jeweils in Miet- bzw. Kaufinserate und gemäß ihrer Nutzung in Wohn- bzw. Büroliegenschaften aufgeteilt und ausgewertet, wobei die Analyse die folgenden Nutzungsarten umfasst:
- Mieten-Wohnen
- Mieten-Büro
- Kaufen-Wohnen Eigentumswohnungen/Einfamilienhäuser
- Kaufen-Wohnen Mehrfamilienhäuser
- Kaufen-Büro
Energieeffizienzklassen
Die Energieeffizienzklasse ist ein System zur Bewertung und
Kommunikation der Energieeffizienz von Gebäuden. Diese Klassifizierung erstreckt sich typischerweise von A (höchste Effizienz) bis H (niedrigste Effizienz). Die Klassen basieren auf dem Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a), der entweder aus Verbrauchsdaten oder aus berechneten Werten für den Energiebedarf abgeleitet werden kann. Die Energieeffizienzklasse eines Gebäudes wird im Energieausweis dokumentiert, der je nach Ausführung als Bedarfs- oder Verbrauchsausweis vorliegt.
In Deutschland werden Wohngebäude im Energieausweis mit Energieeffizienzklassen von A+ (sehr energieeffizient) bis H (geringe Energieeffizienz) bewertet. Für Nichtwohn- bzw. Gewerbegebäude existieren derzeit keine offiziellen Energieeffizienzklassen im A‑H-Format. Die vorliegende Studie übernimmt jedoch eine Klassifizierung nach A‑H gemäß der vom Fraunhofer-Institut verwendeten Methodik, um die energetische Bewertung vergleichbar und anschaulich darzustellen.
Energieträger
Die verschiedenen Energieträger werden für diese Analyse in die Kategorien fossil und nichtfossil eingeteilt. Zu den fossilen Energieträgern werden Öl- und Gasheizungen gezählt. Zu den nichtfossilen Energieträgern gehören Wärmepumpen, Pelletöfen sowie alle mit Sonnenenergie oder Holz betriebenen Heizungen. Fernwärme sowie Elektroheizungen und Nachtspeicheröfen wurden separat betrachtet, da die Zuordnung zu fossil bzw. nichtfossil davon abhängig ist, mit welcher Energie das Fernwärmenetz gespiesen beziehungsweise die Elektrizität erzeugt wird, was je nach Region in Deutschland sehr unterschiedlich ist.
Im analysierten Datensatz verfügen die meisten Gebäude weiterhin über fossile Heizsysteme, vor allem Gasheizungen (530.122 Gebäude) und Ölheizungen (168.262 Gebäude). Nicht-fossile Heizsysteme sind seltener vertreten: 299.725 Gebäude verfügen über Wärmepumpen, 44.395 Gebäude über Holzheizungen und 6.522 Gebäude über Solarheizungen. Für die übrigen erfassten Energieträger ist eine eindeutige Zuordnung zu fossil bzw. nicht-fossil nicht möglich. Insbesondere Büroimmobilien werden überwiegend noch mit fossilen Energieträgern versorgt, während Wohnimmobilien anteilig häufiger auf nicht-fossile Energiequellen zurückgreifen.
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