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Wohnungsmarkt Ostdeutschland: Rasanter Kaufpreisanstieg in Leipzig und ‑rückgang in Frankfurt (Oder)

Veröffentlicht am: 12. April 2022 Letzte Aktualisierung: 31. Juli 2025

Der ostdeutsche Wohnungsmarkt ist von regio­nalen Unterschieden geprägt. Die Ballungsräume und wirtschaftlich starken Regionen sind von überdurch­schnitt­lichem Bevölkerungswachstum und geringen Leerstandsquoten geprägt, wie auch einer Tendenz zu kleineren statt großen Wohnungen. Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde bei der Hälfte der ostdeut­schen Städte ein Anstieg von mehr als 10 Prozent der Mediankaufpreise festge­stellt. Dennoch gibt es auch Regionen mit rückläu­figer demogra­fi­scher Tendenz, Neubautätigkeiten, die den Bedarf übersteigen und verhält­nis­mäßig günstigen Miet- und Kaufpreisen. Somit ist Ostdeutschland aktuell in risiko­freudige und risikoarme Investitionsstandorte unter­teilt.

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Geeignete Wohnungsmärkte außerhalb von Berlin

Für risiko­freudige Investoren bilden die Standorte Gera, Dessau-Roßlau und vor allem Plauen die größten Renditechancen. Im Gegensatz dazu zeichnen sich Berlin, Leipzig und Dresden durch ihr geringes Investitionsrisiko, aber auch durch die niedri­geren Renditemöglichkeiten aus. Hier erweisen sich die Wohnungsmärkte Potsdam, Rostock und Erfurt als die Städte mit günsti­gerem Risiko-Rendite-Profil für risiko­scheue Investoren.

Die Wohnungsgröße ist entscheidend

Bei Projektentwicklungen mit Mietobjekten liegt der Fokus auf kleineren Wohneinheiten, aufgrund des Trends zu kleineren Haushalten und höheren Mieten. Bei Projektentwicklungen mit Verkaufsobjekten verhält es sich anders. Hierbei erzielen Wohneinheiten mit 3- und mehr Zimmern im Neubausegment häufig höhere Quadratmeterpreise.

Wo sich Neubau lohnt

Bei neuen Wohnobjekte befindet sich Berlin auf dem ersten Platz in Hinblick auf die Medianmieten mit 17,38 EUR/qm, gefolgt von Potsdam mit 14,84 EUR/qm und Rostock sowie Jena mit über 12,00 EUR/qm. Diese Reihenfolge zeigt sich auch bei den Mediankaufpreisen für Eigentumswohnungen. Hierbei liegen die Preise in Berlin bei rund 7.400 EUR/qm, in Potsdam bei knapp 7.000 EUR/qm und in Rostock, Dresden sowie Leipzig bei 4.500 EUR/qm.

Aufgrund der stärkeren Preisentwicklung von Kaufpreisen gegenüber den Mieten haben Projektentwicklungen mit einem Abverkauf von Eigentumswohnungen weiterhin einen Vorteil gegenüber reinen Mietobjekten.

Die Aussicht auf den ostdeutschen Wohnungsmarkt

Die etablierten und hochprei­sigen Märkte wie Berlin stoßen in Bezug auf die Preisentwicklung und die Produktverfügbarkeit an Grenzen, was die Entwicklung dämpft. Hingegen scheint diese Grenze in Potsdam und Leipzig noch nicht erreicht zu sein.

Die Märkte mit niedri­gerem Preisniveau profi­tieren von den guten Rahmenbedingungen sowie dem knappen Wohnungsangebot in den Metropolen und holen sowohl in den Miet- als auch in den Investmentmärkten auf.

Als Warnzeichen werden das Auseinanderdriften von Miet- und Kaufpreisen, die Steigerung der Wohnbelastungsquote sowie die sozialen und daraus resul­tie­renden politi­schen Auswirkungen wahrge­nommen.

Die Aussicht auf den ostdeutschen Wohnungsmarkt

Quelle: Wüest Partner

Ein starker Preisanstieg fast überall

Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde ein starker Anstieg der Mediankaufpreise in den wachsenden Ballungsräumen wie Leipzig (+218,8 Prozent) und Potsdam (+190,0 Prozent) sowie bei über der Hälfte der ostdeut­schen Städte um mehr als 10 Prozent verzeichnet. Ein besonders hoher Spitzenkaufpreis wurde zudem in Potsdam und Berlin wahrge­nommen. In Frankfurt (Oder) dagegen lag der Rückgang des Mediankaufpreisesbei ‑12,8 Prozent, das mit der sinkenden Bevölkerungszahl assoziiert werden kann.

Diese ungleiche Entwicklung der Städte zeigt sich deutlich im allge­meinen Wohnungsbestand. Während die durch­schnitt­liche Leerstandsquote der ostdeut­schen Städte mit 5,5 Prozent noch über dem Bundesdurchschnitt von 2,8 Prozent liegt, ist die Quote bei den wachsenden Städten wie Berlin, Potsdam und Jena bei unter 1 Prozent und bildet somit einen sehr angespannten Wohnungsmarkt. Das Bevölkerungswachstum in den populären Städten sowie die gegen­tei­ligen Zahlen in den anderen Städten beein­flussen die Preisveränderungen in Hinblick auf die Miet- und Kaufpreise. 

Ein starker Preisanstieg fast überall

Eine starke Dynamik mit steigenden Mieten

Ein starker Mietpreisanstieg wurde seit 2020 in Cottbus und Greifswald (beide +8,5 Prozent) festge­stellt sowie Potsdam (+10,5 Prozent) und Rostock (+10,3 Prozent), die beide auch bereits im 10-Jahres-Vergleich mit Berlin zusammen die stärksten Entwicklungen aufge­zeigt haben.

Im Hinblick auf den gesamten ostdeut­schen Wohnungsmarkt zeigt sich des Weiteren, dass die Mietpreise von Altbauwohnungen um knapp 2,50 EUR/qm günstiger sind als die von Neubauwohnungen (12,42 EUR/qm).

Grafik

Die Kaufpreise für Mehrfamilienhäuser bleiben stabil

Der Anteil von Mehrfamilienhäusern liegt in den ostdeut­schen Städten deutlich über dem Bundesdurchschnitt (16,8 Prozent). Dies ist vor allem bei den Spitzenreitern Leipzig (45,2 Prozent), Dresden und Rostock (beide 44,2 Prozent) erkennbar. Zudem weisen Leipzig und Dresden mit Berlin ebenfalls die höchsten durch­schnitt­lichen Bruttofaktoren auf. Bei 12 der 20 unter­suchten ostdeut­schen Städte liegen die Bruttofaktoren hingegen bei unter 20.

Der durch­schnitt­liche Kaufpreis für Mehrfamilienhäuser ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 16 Prozent gestiegen. Wie auch schon bei den Mietpreisen zu sehen war, sind Potsdam und Berlin im Durchschnitt am teuersten, während die niedrigen Durchschnittskaufpreise bei den Städten mit fallenden Bevölkerungszahlen wie Plauen (645 EUR/qm) und Gera (838 EUR/qm) liegen. Trotz der konstanten Preisentwicklungen der wachsenden und weniger prospe­rie­renden Städte, ist der inter­es­sante Unterschied zu beobachten, dass der Spitzenkaufpreis (90 Prozent-Quantil) in Plauen (1.045 EUR/qm), Gera (1.269 EUR/qm) und Dessau-Roßlau (1.500 EUR/qm) günstiger ist, als der Preis des 10 Prozent-Quantils in den wachsenden Städten wie Greifswald (1.663 EUR/qm), Berlin (2.023 EUR/qm) und Potsdam (2.237 EUR/qm).

Die Kaufpreise für Mehrfamilienhäuser bleiben stabil

Neubautätigkeit zumeist deutlich über dem Bedarf

Die konstante Bevölkerungsentwicklung innerhalb von Ostdeutschland zeigt sich auch in den Wohnbautätigkeiten. So verzeichnen Potsdam, Berlin und Dresden die größten Wohnbautätigkeiten. Die niedrige Leerstandsquote ist dennoch in diesen Städten weiterhin präsent und führt zu keiner Entspannung des Wohnungsmarktes.

Bei den meisten Neubauprojekten handelt es sich um Mehrfamilienhäuser. Gleichzeitig ist im Rahmen von Mietwohnungen ein Trend zu mehr 1- und 2‑Zimmer-Wohnungen zu beobachten. Bei der Anzahl der allge­meinen Neubauten lagen 13 von 20 der ostdeut­schen Städte über dem rechne­ri­schen Neubedarf, während Erfurt, Leipzig, Berlin, Gera und Dessau-Roßlau zum ungedeckten Neubaubedarf zählen.

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