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Kindertagesbetreuung: Steigender Bedarf und sozialer Mehrwert – eine attraktive Nische?

Veröffentlicht am: 14. Februar 2024 Letzte Aktualisierung: 02. April 2026

  • Markante Zunahme der Kindertagesbetreuung seit 2014
  • Betreuung der unter 3‑Jährigen: Bundesweite Angebotslücke von 12,7%
  • Das Ost-West Gefälle besteht fort
  • Kitas als Investmentmöglichkeit mit sozialem Impact in Regionen mit ausge­prägtem Zusatzbedarf

Nach den Herausforderungen während der Corona-Pandemie ist Kindertagesbetreuung in Deutschland derzeit vor allem aufgrund von Engpässen in der Betreuung durch den zuneh­menden Fachkräftemangel präsent. Ein niedriger Betreuungsschlüssel und höhere Ausfallzeiten durch Schließungen der Einrichtungen sind häufig die Folge. Dabei gerät das Thema Kindertagesbetreuung auch aufgrund der stetig zuneh­menden Nachfrage und sich verän­dernden Betreuungswünschen der Eltern immer stärker in den gesell­schaft­lichen Fokus.

Die Zahl der Geburten ist in den vergan­genen 10 Jahren um rund 8% gestiegen, im Durchschnitt wurden jedes Jahr etwa ein Prozent mehr Kinder geboren als im jewei­ligen Vorjahr. Seit 2022 ist die Geburtenzahl jedoch rückläufig. Demgegenüber ist die Zahl der Kinder in Tagesbetreuung, also Kinder, die eine Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege besuchen, von 2014 bis 2023 um fast 20% gestiegen. In diesem Zeitraum gab es ein relativ stabiles jährliches Wachstum von durch­schnittlich rund zwei Prozent. Eine Ausnahme des konstanten Wachstums der Kinderbetreuung über die vergan­genen Jahre bildet dabei lediglich das Jahr 2021, das von pande­mie­be­dingten Schließungen und Betreuungsausfällen geprägt war.

Im Jahr 2023 wurden etwa 3,1 Millionen Kinder unter 6 Jahren betreut. Der Anteil der betreuten Kinder an allen Kindern dieser Altersklasse liegt bei 64,3%. Der überwie­gende Teil der Kinder wird in Kindertageseinrichtungen betreut, lediglich rund 4,1% der Kinder besuchen eine Kindertagespflege (Stichtag 01.03.2023).

Statistik Entwicklung Kindertagesbetreuung

Quelle: Statistisches Bundesamt

Betreuungssituation nach Alterskohorten

Einen genaueren Blick auf die Entwicklung der jewei­ligen Altersklassen ermög­licht die Unterscheidung nach zwei Alterskohorten: Die Alterskohorte der unter 3‑Jährigen (U3) sowie die Alterskohorte der 3- bis unter 6‑Jährigen (3‑U6).

Die Zahl der betreuten 3- bis unter 6‑Jährigen liegt mit etwa 2,24 Millionen deutlich über der Kohorte der unter 3‑Jähringen. Jedoch ist die Zahl der Kinder U3 in Betreuung seit 2014 um fast 30% gestiegen, während der Zuwachs der 3- bis unter 6‑jährigen Kinder in Betreuung im gleichen Zeitraum nur etwa halb so hoch ausfällt. Diese Entwicklung lässt sich vor allem auf den seit 2013 bestehenden Rechtsanspruch zurück­führen: Dieser gewährt Eltern seit August 2013 einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten vollendeten Lebensjahr des Kindes (§ 24 SGB 8).

Doch wie sieht die tatsäch­liche Betreuung in den deutschen Landkreisen und kreis­freien Städten aktuell aus?

Für die Kinder unter 3 Jahren liegt die deutsch­land­weite Betreuungsquote im Jahr 2023 bei 36,4%, aller­dings zeigen sich regional deutliche Unterschiede: Die höchsten Betreuungsquoten finden sich in Ostdeutschland, während die Bundesländer in Westdeutschland deutlich niedrigere Betreuungsquoten zeigen. Dies liegt vor allem an der histo­ri­schen Entwicklung, da in Ostdeutschland die Kinderbetreuung bereits früh im gesell­schaft­lichen Fokus stand. Kindertageseinrichtungen galten als wichtige soziale Einrichtungen für die Früherziehung der Kinder und wurden mit Gründung der DDR stark ausgebaut. So weist Mecklenburg-Vorpommern heute mit 62,1% eine mehr als doppelt so hohe Betreuungsquote auf wie Bremen (30,7%). Die kreis­freie Stadt Rostock und die Landkreise Wittenberg und Börde verfügen über die höchsten Betreuungsquoten mit je 63,6%, während Frankenthal (Pfalz) mit 15,7% das Schlusslicht bildet.

Von den 3- bis 6‑Jährigen werden bundesweit bereits 90,9% betreut. Auch in dieser Altersklasse liegt Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 94,5% an der Spitze, während Bremen mit 86% den letzten Platz einnimmt. Das Ost-West-Gefälle ist hier ebenso vorhanden wie bei der U3-Betreuung. In den Städten Rostock, Jena und Cottbus liegt die Betreuungsquote sogar über der 100%-Marke. Diese Werte können dadurch entstehen, dass Eltern ihre Kinder nicht am Wohnort betreuen lassen, an dem auch der Bevölkerungsstand erfasst wird. In Westdeutschland fällt die Betreuungsquote in der Stadt Delmenhorst bundesweit am niedrigsten aus (72,7%).

Angebot an Kindertagesbetreuung

Die Auswirkungen des Rechtsanspruchs und der daraus resul­tie­renden Nachfragesteigerung zeigen sich auch an den Fortschritten des Angebotsausbaus: Die Zahl der Kindertageseinrichtungen stieg seit 2014 auf 60.045 Einrichtungen im Jahr 2023, das entspricht einem Plus von 12,4%. Parallel dazu wurden etwa 21% mehr Plätze genehmigt.

Statistik Entwicklung Kindertageseinrichtungen

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zusatzbedarf

Trotz umfang­reicher Bemühungen, das Angebot an Kindertagesbetreuung auszu­bauen, klafft in vielen Regionen eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Der Betreuungsbedarf für Kinder unter 3 Jahren liegt bundesweit bei 49,1%, was einer Differenz von 12,7 Prozentpunkten zur tatsäch­lichen Betreuungsquote entspricht. In allen Bundesländern liegt die Betreuungsquote unter dem genannten Betreuungsbedarf, mit deutlichen Unterschieden zwischen West- und Ostdeutschland.

Chart, Quoten Kindertagesbetreuung Kinder unter 3 Jahre
Chart, Quoten Kindertagesbetreuung Kinder zwischen 3-6 Jahre

Quelle: Statistisches Bundesamt; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Die höchsten Betreuungslücken weisen die westdeut­schen Bundesländer auf, darunter Bremen mit 20 Prozentpunkten, das Saarland (19,2 PP) und Rheinland-Pfalz (18 PP). Aufgrund der vergleichs­weise hohen Betreuungsquoten in Ostdeutschland fällt der Zusatzbedarf in den Länden Mecklenburg-Vorpommern (2,9 PP), Sachsen (3,9 PP) und Sachsen-Anhalt (5,9 PP) auffallend gering aus. Der ausge­prägte Zusatzbedarf in Westdeutschland zeigt sich auch auf Kreis-Ebene: Den höchsten Zusatzbedarf verzeichnen die Städte Frankenthal in Rheinland-Pfalz (33 PP) sowie Salzgitter und Gelsenkirchen (je 29,7 PP).

Zusatzbedarf Kindertagesbetreuung für Kinder unter 3 Jahren in Prozentpunkten (2023)
Map, Zusatzbedarf Kindertagesbetreuung unter 3 Jahren

Quelle: Eigene Darstellung, Datenbasis: Statistisches Bundesamt; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

In der Altersklasse der 3- bis unter 6‑Jährigen herrscht ebenfalls eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Die deutsch­land­weite Betreuungsquote liegt 5,6 Prozentpunkte unterhalb der Betreuungsbedarfsquote (96,5%). Es lässt sich jedoch feststellen, dass in dieser Altersklasse die bisherige Betreuung grund­sätzlich näher am Bedarf als bei den unter 3‑Jährigen liegt. Die höchsten Bedarfslücken finden sich erneut in Westdeutschland. In Bremen (13,0%), Hamburg (8,7%) und Hessen (7,7%) ist die Differenz besonders hoch.

Zusatzbedarf Kindertagesbetreuung für Kinder zwischen 3 bis 6 Jahren in Prozentpunkten (2023)
Map, Zusatzbedarf Kindertagesbetreuung zwischen 3-6 Jahren

Quelle: Eigene Darstellung, Datenbasis: Statistisches Bundesamt; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Demgegenüber decken die ostdeut­schen Bundesländer den Bedarf wiederum am besten: In Sachsen ist der Bedarf mit einer Differenz von 1,7 Prozentpunkten als gedeckt zu betrachten. Ebenso in Mecklenburg-Vorpommern (2,6 PP). In der Stadt Delmenhorst ist der Zusatzbedarf mit 23,5 Prozentpunkten Differenz zur niedrigen tatsäch­lichen deutsch­landweit am höchsten. Hinreichend gedeckt ist die Nachfrage in der Stadt Rostock, hier übertrifft das Angebot die Nachfrage um 6,1 Prozentpunkte.

Nach aktuellen Berechnungen der Bertelsmann Stiftung fehlen damit bundesweit aktuell rund 400.000 Plätze in der Kindertagesbetreuung für alle Kinder unter 6 Jahren. An der Lücke zwischen Angebot und Nachfrage lässt sich vor allem bei den unter 3‑Jährigen ein deutlicher Zusatzbedarf ablesen. Der Bedarf fällt in Westdeutschland deutlich höher aus, da hier die tatsäch­lichen Betreuungsquoten eher niedrig sind und der Bedarf bisher nicht ausrei­chend gedeckt werden konnte. Bundesweit wird die Nachfrage entspre­chend der demogra­phi­schen Entwicklung bis 2025 zunächst weiter steigen. Ab 2030 ist dann aufgrund sinkender Kinderzahlen eine Verbesserung der Angebotsdeckung zu erwarten.

Kita-Immobilien als Investment

Bei Kindertageseinrichtungen handelt es sich um Spezialimmobilien mit einem eher einge­schränkten Käufermarkt. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Betreuungsplätzen kann der Bedarf insbe­sondere in Ballungsräumen bereits seit einigen Jahren nicht mehr gedeckt werden. Dies schafft ein attrak­tives Umfeld für Immobilieninvestoren, wodurch Kita-Immobilien abseits der klassi­schen Nutzungsarten inter­es­sante alter­native Anlagemöglichkeiten darstellen können.

Langfristig stabile Cash-Flows aufgrund der in der Regel langen Mietvertragslaufzeiten sowie ein geringes Ausfallrisiko durch die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen bieten langfristig stabile Renditen bei moderatem Risiko. Darüber hinaus gelten länder­spe­zi­fische Regelungen hinsichtlich der Finanzierungen, darunter z. B. Mietzuschüsse und Investitionsförderungen. All dies spricht für die Attraktivität von Investitionen in Kindertageseinrichtungen. Von verschie­denen Anbietern wurden bereits spezielle Investmentfonds für die Assetklasse Kindertagesstätten aufgelegt. Gemäß verschie­dener Marktinformationen bewegen sich die erziel­baren Renditen für sehr gute Objekte in etwa zwischen 4,50% und 5,25%, was Kaufpreisfaktoren zwischen dem 19- bis 22-fachen der Jahresmiete entspricht.

Für Investoren lohnt sich ein gezielter Blick auf die regio­nalen Unterschiede in der aktuellen Versorgung mit Kindertageseinrichtungen: In Regionen mit deutlichen Versorgungslücken und positiver demogra­phi­scher Entwicklung können sich vielver­spre­chende Investmentmöglichkeiten eröffnen. Gemäß unseren Analysen liegt der regionale Zusatzbedarf für die Betreuung der unter 3‑jährigen Kinder in den Städten Mannheim, Dortmund, Bremen und Duisburg zwischen 15% und 29% und damit oberhalb des Durchschnitts. Gleichzeitig wird in diesen Städten bis 2030 ein steigender Bedarf aufgrund einer Zunahme der Anzahl der Kinder unter 3 Jahren, aber auch zwischen 3 und 6 Jahren erwartet.

Darüber hinaus gewinnt in diesem dynami­schen Marktumfeld die Bedeutung von Umwelt‑, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) immer mehr an Gewicht. Das wachsende Interesse an ESG-konformen Assetklassen lassen nun auch soziale Infrastruktur an Relevanz gewinnen. Gerade vor dem Hintergrund der allge­gen­wär­tigen ESG-Thematik eröffnen sich mit Kita-Investments nicht nur finan­zielle Chancen, sondern auch die Möglichkeit, in Projekte zu inves­tieren, die einen nachhal­tigen positiven sozialen Mehrwert schaffen – eine essen­zielle Komponente für Investoren, die das „S“ in ESG betonen möchten.

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