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Baupreise 2026 unter Aufwärtsdruck

Veröffentlicht am: 15. Juli 2026

Die am 10. Juli 2026 veröf­fent­lichten Baupreisindizes des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen, dass der Baupreisauftrieb im zweiten Quartal 2026 über alle Gebäudearten hinweg erneut zugenommen hat. Die Baupreise für Wohngebäude und gewerb­liche Betriebsgebäude lagen rund 5,0 % über dem Vorjahresniveau, während sie bei Bürogebäuden um 5,2 % zunahmen.

Trotz der jüngsten Beschleunigung liegt die aktuelle Baupreisteuerung noch unter dem durch­schnitt­lichen jährlichen Preisanstieg der vergan­genen fünf Jahre. Die außer­ge­wöhnlich hohen Preissteigerungen während der Pandemie und der Energiekrise 2021–2023 werden derzeit nicht erreicht. Gleichwohl deutet die jüngste Entwicklung darauf hin, dass die Baupreisteuerung wieder an Dynamik gewinnt.



Teuerung variiert je nach Bauleistung

Die Preisentwicklung im Wohnungsbau unter­scheidet sich weiterhin deutlich zwischen den einzelnen Bauleistungen. Während Beschlagarbeiten sowie Dämm- und Brandschutzarbeiten mit knapp 9 % die höchsten Preissteigerungen im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeich­neten, entwi­ckelten sich andere Bauleistungen deutlich verhal­tener. Eine Ausnahme bilden Aufzugs- und Förderanlagen, deren Preise gegenüber dem Vorjahr leicht zurück­gingen (-1,4 %). Die Unterschiede verdeut­lichen, dass sich die aktuellen Kostenimpulse je nach Bauleistung unter­schiedlich stark auswirken. Ausschlaggebend hierfür sind unter anderem die jeweilige Kostenstruktur sowie der Anteil an Arbeits‑, Energie- und Materialkosten.



Materialkosten ziehen wieder leicht an

Baupreise und Baukosten beschreiben unter­schied­liche Perspektiven der Bautätigkeit. Während Baupreise die Preise für Bauleistungen aus Sicht der Auftraggeber abbilden, spiegeln Baukosten die Kosten der Bauunternehmen für Personal, Material, Maschinen und weitere Produktionsfaktoren wider. Steigende Baukosten werden in der Regel zumindest teilweise über höhere Baupreise an die Auftraggeber weiter­ge­geben. Sie zählen damit zu den wichtigsten Treibern der Baupreisentwicklung.

Die Baukosten werden im Wesentlichen von zwei Komponenten bestimmt: den Arbeitskosten und den Materialkosten. Die Arbeitskosten nehmen aufgrund des anhal­tenden Fachkräftemangels und steigender Tariflöhne seit Jahren konti­nu­ierlich zu. Deutlich sensibler auf Veränderungen der Energiepreise, der Rohstoffmärkte und der globalen Lieferketten reagieren dagegen die Materialkosten. Nach der außer­ge­wöhn­lichen Teuerung infolge pande­mie­be­dingter Materialengpässe und Lieferkettenstörungen in den Jahren 2021 und 2022 entwi­ckelten sich die Materialkosten weitgehend seitwärts. Die jüngsten geopo­li­ti­schen Spannungen im Nahen Osten sowie eine Eintrübung der Beschaffungsbedingungen deuten jedoch darauf hin, dass der Kostendruck bei den Baumaterialien wieder zunehmen könnte.

Im 1. Quartal 2026 lagen die Baukosten 3,3 % über dem Vorjahreswert. Dabei erhöhten sich die Arbeitskosten um 4,1 % und blieben der wichtigste Treiber der Baupreisteuerung. Gleichzeitig beschleu­nigte sich der Anstieg der Materialkosten auf 3,0 % gegenüber dem Vorjahr. Damit gewinnen die Materialkosten wieder an Bedeutung, auch wenn der Kostendruck weiterhin überwiegend von den Arbeitskosten ausgeht.


Erneute Verschärfung der globalen Lieferketten

Der Global Supply Chain Pressure Index (GSCPI) der Federal Reserve Bank of New York liefert frühzeitig Hinweise auf die Entwicklung der Bau- und Materialkosten. Er kombi­niert verschiedene Kennzahlen zu Transportkosten, Lieferzeiten und Produktionsengpässen und ermög­licht somit eine Einschätzung der globalen Beschaffungsbedingungen. Nachdem sich die Lieferketten nach den starken Verwerfungen während der Pandemie weitgehend norma­li­siert hatten, zeigt der Indikator seit Anfang 2026 wieder deutlich nach oben. Im zweiten Quartal 2026 erreichte er den höchsten Stand seit Mitte 2022.

Für den Bausektor ist diese Entwicklung von beson­derer Bedeutung, da zahlreiche Baustoffe und Vorprodukte über inter­na­tionale Lieferketten bezogen werden. Verschlechterte Beschaffungsbedingungen können längere Lieferzeiten, höhere Transportkosten und steigende Materialkosten nach sich ziehen. Die Auswirkungen spiegeln sich in den deutschen Materialkosten bislang erst ansatz­weise wider. Der jüngste Anstieg des GSCPI deutet jedoch darauf hin, dass der Kostendruck im Baugewerbe in den kommenden Quartalen weiter zunehmen dürfte.



Talsohle im Wohnungsbau scheint durchschritten

Die Entwicklung der Baugenehmigungen liefert einen wichtigen Hinweis auf die künftige Bautätigkeit im Wohnungsbau. Nachdem die Zahl der geneh­migten Wohnungen über einen längeren Zeitraum deutlich zurück­ge­gangen war, insbe­sondere infolge gestie­gener Bau- und Finanzierungskosten, mehren sich inzwi­schen die Anzeichen einer Trendwende. Die Dynamik bleibt aller­dings verhalten.

Zwar haben sich die Baugenehmigungen zuletzt leicht erholt, bewegen sich jedoch weiterhin auf einem histo­risch niedrigen Niveau. Die Talsohle im Wohnungsbau dürfte zwar durch­schritten sein, von einer nachhal­tigen Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Ob sich die positive Entwicklung fortsetzt, hängt zudem maßgeblich von den wirtschaft­lichen Rahmenbedingungen ab. Insbesondere ein erneuter Anstieg der Baupreise könnte die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte beein­träch­tigen und die Erholung im Wohnungsbau wieder bremsen.


Ausblick und Fazit

Die Baupreisdynamik hat sich zuletzt wieder leicht verstärkt. Für das Gesamtjahr 2026 ist mit einem Anstieg der Baupreise für Wohngebäude von rund 6 % gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. Treiber dieser Entwicklung sind die steigenden Baukosten. Während die Arbeitskosten weiterhin den größten Beitrag zum Kostenanstieg leisten, sorgen zuletzt auch gestiegene Energiepreise und die erneute Verschärfung der globalen Lieferketten für zuneh­menden Druck auf die Materialkosten. Diese Kostensteigerungen dürften von den Bauunternehmen zumindest teilweise über höhere Baupreise an ihre Auftraggeber weiter­ge­geben werden.

Insgesamt bleibt die aktuelle Entwicklung zwiespältig: Einerseits deuten die Baugenehmigungen auf eine vorsichtige Erholung des Wohnungsbaus hin. Andererseits sorgen geopo­li­tische Spannungen, volatile Energiepreise und verschlech­terte globale Beschaffungsbedingungen weiterhin für erheb­liche Risiken und Unsicherheiten im Baugewerbe. Sollten die geopo­li­ti­schen Spannungen anhalten oder es erneut zu Störungen der inter­na­tio­nalen Lieferketten kommen, dürfte dies den Baupreisauftrieb zusätzlich verstärken. Umgekehrt haben die Ölpreise nach ihrem zwischen­zeit­lichen Anstieg bereits wieder deutlich nachge­geben, da sich die Lage im Nahen Osten zuletzt etwas entspannt hat. Setzt sich diese Entwicklung fort, dürfte sich auch der Baupreisauftrieb abschwächen.