Weiter zum Ihnhalt

Baupreisteuerung: Zwischen Normalisierung und neuem Kostendruck

Veröffentlicht am: 20. April 2026 Letzte Aktualisierung: 07. Mai 2026

Am 10. April hat das Statistische Bundesamt (Destatis) die neuesten Zahlen zur Baupreisentwicklung in Deutschland veröf­fent­licht. Demnach stiegen die Baupreise für Wohngebäude um 3,3 %, für Bürogebäude um 3,6 % und für gewerb­liche Betriebsgebäude um 3,4 %. Damit liegen die aktuellen Preissteigerungen bei allen drei Gebäudearten deutlich unter dem Durchschnitt der vergan­genen fünf Jahre.

Gleichzeitig verbleibt das Preisniveau weiterhin auf einem erhöhten Niveau; ein Rückgang der Baupreise ist derzeit nicht absehbar. Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden zunächst die zentralen Treiber der Baupreisentwicklung im vergan­genen Jahr einge­ordnet. Anschließend werden die maßgeb­lichen Einflussfaktoren für das laufende Jahr 2026 disku­tiert, insbe­sondere die Rolle der Energiepreise.



Uneinheitliche Preisdynamik im Wohnungsbau

Auffällig an der Preisentwicklung im Wohnungsbau ist, dass der Preisauftrieb je nach Bauleistung unter­schiedlich ausfiel. Besonders stark stiegen die Preise für Leistungen, die typischer­weise durch eine hohe Arbeitsintensität, technische Komplexität oder regula­to­rische Anforderungen geprägt sind. Hierzu zählen insbe­sondere Dämm- und Brandschutzarbeiten, Elektroinstallationen, sicherheits- und infor­ma­ti­ons­tech­nische Installationen, aber auch Verglasungsarbeiten und haustech­nische Installationen. Deutlich verhal­tener entwi­ckelten sich dagegen die Baupreise bei klassi­schen materi­al­in­ten­siven Rohbauarbeiten wie Mauer‑, Beton- oder Stahlbauarbeiten.



Verschiebung vom Material- zum Arbeitskostentreiber

Die Materialkostenentwicklung verläuft im Zeitablauf deutlich volatiler als jene bei den Arbeitskosten, die vergleichs­weise stetig steigen. Während der Phase der außer­ge­wöhnlich hohen Baupreisdynamik zwischen 2021 und Anfang 2023 waren infolge pande­mie­be­dingter Materialengpässe und Lieferkettenstörungen vor allem die Materialkosten der zentrale Treiber der Teuerung. Die Arbeitskosten nahmen demge­genüber vergleichs­weise gleich­mäßig zu.

Seit dem 2. Quartal 2023 hat sich dieses Muster teilweise verschoben. Mit der Entspannung auf den Rohstoffmärkten hat der Preisdruck bei den Materialien spürbar nachge­lassen. Entsprechend treten seither vermehrt die Arbeitskosten als dominanter Kostentreiber in den Vordergrund. So erhöhten sich die Materialkosten im Jahr 2025 lediglich um 2,2 %, während die Arbeitskosten im gleichen Zeitraum um 3,6 % zulegten. Dies deutet darauf hin, dass sich die Baupreisdynamik zunehmend von externen Schocks weg und hin zu struk­tu­rellen Faktoren wie dem Fachkräftemangel und gestie­genen Gehaltsforderungen verlagert.



Kehrt der Materialkostendruck zurück?

Die jüngsten geopo­li­ti­schen Entwicklungen setzen diese Entwicklung jedoch erneut unter Druck. Insbesondere die Eskalation im Nahen Osten hat zu einem spürbaren Anstieg der Energiepreise geführt, der erfah­rungs­gemäß einen direkten Einfluss auf die Materialkosten ausübt. Dies ist ökono­misch gut begründbar: Energieintensive Baustoffe, Transportleistungen sowie zahlreiche vorge­la­gerte Produktionsschritte reagieren unmit­telbar auf Veränderungen bei den Energie- und Kraftstoffkosten. Kraftstoffe stellen dabei einen zentralen, wenn auch nicht allei­nigen, Übertragungskanal für zusätz­lichen Kostendruck im Bau dar.

Unsere Analyse zeigt dementspre­chend einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Kraftstoffpreise und den Materialkosten: Steigende Energiepreise schlagen mit leichter zeitlicher Verzögerung auch auf die Preise von Baustoffen durch. Der Effekt zeigt sich typischer­weise ein Quartal später.



Vor diesem Hintergrund dürfte in den kommenden Quartalen erneut Aufwärtsdruck auf die Materialkosten entstehen. Gleichwohl unter­scheidet sich die aktuelle Situation deutlich von der Phase nach der Pandemie: Weder sind derzeit ausge­prägte Nachholeffekte auf der Nachfrageseite zu beobachten, noch zeigen sich die globalen Lieferketten in vergleich­barem Ausmaß beein­trächtigt.

Vorerst nur moderater Druck auf die globalen Lieferketten

Als zusätz­licher Indikator kann der Global Supply Chain Pressure Index (GSCPI) der Federal Reserve Bank of New York heran­ge­zogen werden. Der Index verdichtet verschiedene Kennzahlen wie Transportkosten, Lieferzeiten und Auftragsrückstände zu einem Gesamtmaß für den Druck auf die globalen Lieferketten. In der Vergangenheit zeigte sich, dass Phasen erhöhter Lieferkettenanspannung häufig mit einer zeitlichen Verzögerung von rund einem halben Jahr in steigenden Baupreisen mündeten. Besonders ausge­prägt war dieser Zusammenhang während der pande­mie­be­dingten Störungen, als stark erhöhte Indexwerte dem späteren Baupreisanstiegen voraus­gingen.

Aktuell ist erneut ein Anstieg des GSCPI zu beobachten, was auf zuneh­mende Spannungen in den Lieferketten hindeutet. Das Niveau liegt jedoch weiterhin deutlich unter den Extremwerten der Jahre 2021 und 2022. Die gegen­wärtige Situation ist daher primär als energie­ge­trie­bener Kostenimpuls einzu­ordnen, während ein zusätz­licher, breit wirkender Preisdruck infolge stark beein­träch­tigter Lieferketten bislang nicht erkennbar ist.



Wohnungsbau: Zwischen Stabilisierung und Kostendruck

Nachdem der Wohnungsbau in den vergan­genen Jahren deutlich unter Druck geraten war, mehren sich zuletzt die Anzeichen einer Stabilisierung. Die Zahl der geneh­migten Wohnungen hat ihren Tiefpunkt überschritten und zeigt wieder eine leicht steigende Tendenz. Dies spricht dafür, dass sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zumindest teilweise verbessert haben. Hierzu dürften insbe­sondere der nachlas­sende Baupreisauftrieb sowie die Anpassung der Marktteilnehmer an das verän­derte Zinsumfeld beigetragen haben. Gleichwohl bleibt die Bautätigkeit im histo­ri­schen Vergleich auf einem niedrigen Niveau.

Vor diesem Hintergrund ist auch die weitere Entwicklung der Baupreise von zentraler Bedeutung. Zwar werden Baupreise die Bautätigkeit nicht allein deter­mi­nieren, sie sind jedoch ein wesent­licher Einflussfaktor, insbe­sondere in einem Umfeld knapper Margen und erhöhter Unsicherheit. Sollte sich der energie­ge­triebene Aufwärtsdruck auf die Baupreise verfes­tigen, könnte die fragile Erholung im Wohnungsbau rasch wieder ins Stocken geraten.



Fazit

Die Baupreisdynamik hat sich im vergan­genen Jahr zwar deutlich abgeschwächt, eine nachhaltige Entlastung ist jedoch nicht in Sicht. Während zuletzt vor allem die Arbeitskosten den Preisanstieg getragen haben, könnten steigende Energiepreise künftig wieder stärker auf die Materialkosten im Bau wirken. Gleichzeitig bleibt der von den globalen Lieferketten ausge­hende Kostendruck bislang moderat.

Die aktuelle Entwicklung bleibt damit ambivalent: Einerseits stabi­li­sieren sich zentrale Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, was sich auch in ersten Erholungstendenzen bei den Baugenehmigungen zeigt. Andererseits bestehen aufgrund der geopo­li­ti­schen Spannungen weiterhin erheb­liche Kostenrisiken. Ob sich die begin­nende Erholung im Wohnungsbau fortsetzt, dürfte daher auch davon abhängen, ob sich die jüngsten Energiepreisanstiege als temporär oder dauerhaft erweisen.