Der Klimawandel und die künftigen Risiken für den Gebäudebestand in Deutschland
Veröffentlicht am: 15. Juli 2026 Letzte Aktualisierung: 05. August 2026

Der Klimawandel wird immer spürbarer. Eine außergewöhnliche Hitzewelle sorgte im Juni 2026 für zahlreiche Temperaturrekorde in Deutschland und reiht sich in eine Serie extremer Wetterereignisse ein. Neben solchen akuten Extremereignissen rücken auch die langfristigen, schleichenden Veränderungen, denen der deutsche Gebäudebestand ausgesetzt ist, in den Fokus. Die vorliegende Analyse zeigt, welche Regionen und wie viele Gebäude in Deutschland künftig – unter verschiedenen Emissionsszenarien – von Hitze, Starkregen, Küsten- und Flusshochwasser, Stürmen sowie Erdrutschen betroffen sein könnten.
Der Klimawandel macht sich in Europa deutlich bemerkbar
Der Klimawandel ist in den Messdaten klar erkennbar. So wurde 2024 erstmals die 1,5‑Grad-Marke überschritten. Das bedeutet, dass die globale Durchschnittstemperatur zum ersten Mal mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Referenzwert der vorindustriellen Periode (1850–1900) lag. Dieser Wert wurde im Pariser Klimaabkommen von 2015 als kritische Schwelle definiert, die eingehalten werden sollte, um die gravierendsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Zwar liegt der Fünfjahresdurchschnitt weiterhin unterhalb dieser Grenze, doch die Auswirkungen sind längst spürbar – besonders deutlich in Europa.
Die besondere Betroffenheit Europas hat auch geografische Gründe: Auf der Nordhalbkugel gibt es deutlich mehr Landflächen als auf der Südhalbkugel. Da sich Land wesentlich schneller und stärker erwärmt als die Ozeane, sind die Temperaturen in Europa überdurchschnittlich stark gestiegen. Selbst der Fünfjahresdurchschnitt liegt hier seit 2016 durchgehend über der 2‑Grad-Marke. Die Erwärmung verändert wiederum das gesamte Wettersystem und führt zu intensiveren Hitzeperioden sowie zu heftigeren Niederschlägen. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf den Gebäudebestand aus – von der Materialbeanspruchung über die Energieeffizienz bis hin zur Attraktivität und Versicherbarkeit von Immobilien.
Extremereignisse mit Milliardenschäden
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Klimaerwärmung sind erheblich. Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 kostete viele Menschenleben und zählt mit Schäden von rund 40,5 Milliarden Euro zu den teuersten Naturkatastrophen der deutschen Geschichte; der Großteil davon war nicht versichert. Solche Ereignisse sind längst keine Ausnahmen mehr: Überschwemmungen, Hitze und Stürme verursachen in Deutschland Jahr für Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) registriert seit Jahren steigende Gebäudeschäden infolge von Elementarereignissen. Hinzu kommen weniger sichtbare, aber kostspielige Langzeitfolgen: Fassadenrisse durch Temperaturschwankungen, Schimmelschäden nach Überflutungen oder steigende Kühlkosten in überhitzten Städten. Diese zunehmenden Belastungen stellen nicht nur Eigentümer und Investoren, sondern auch die öffentliche Hand vor wachsende Herausforderungen und tragen dazu bei, dass Klimarisiken zunehmend zu Marktrisiken werden.
In der vorliegenden Studie haben wir untersucht, wie sich die künftige Entwicklung des Klimas auf die Häufigkeit und Intensität von sechs für Deutschland besonders relevanten Naturgefahren auswirken. Diese entstehen als Folge von Wetterextremen und betreffen den Gebäudebestand Deutschland unmittelbar.