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Starker Anstieg der Baupreise

Veröffentlicht am: 15. Juli 2022 Letzte Aktualisierung: 01. August 2025

Die Baupreise sind in Deutschland so stark gestiegen wie seit 50 Jahren nicht mehr: Die am 8. Juli 2022 veröf­fent­lichten Daten vom Statistischen Bundesamt (Destatis) zeigen für den Neubau konven­tionell gefer­tigter Wohngebäude einen Anstieg von 17,6% (Mai 2022 im Vergleich zum Mai 2021). Damit hat die Baupreisteuerung weiter zugenommen. Im Februar 2022 waren die Preise im Vorjahresvergleich noch um 14,3% gestiegen. Beim Neubau von Bürogebäuden und von gewerb­lichen Bauten waren die Anstiege im Mai mit 19,0% respektive 19,4% gar noch leicht höher.

Die Abbildung zeigt den Baupreisindex für Wohngebäude.

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Materialpreise steigen besonders stark an

Die Hauptgründe für die starken Baupreisanstiege sind bei den Preisentwicklungen der Baumaterialen zu finden. Das geht aus der vom Statistischen Bundesamt veröf­fent­lichten Preismessziffer für Baumaterialien hervor. Im Schnitt haben Metalle im Mai um 38,1% zugelegt (im Vergleich zum Vorjahresmonat), wobei bei einzelnen Metallen respektive Metallerzeugnissen deutlich stärkere Anstiege zu verzeichnen waren. So sind beispiels­weise Betonstahlmatten im Mai 2022 um 80,2% teurer gewesen. Bei offenen Profilen lag die Teuerung gar bei 94,2%. Holz sowie Holz‑, Kork- und Flechtwaren nahmen um 37,3% zu. Die Preise für Mineralerzeugnisse stiegen um 55,8% und chemische Erzeugnisse verbuchten 29,2% höhere Preise.

Angebots- und Nachfrageschocks

Gründe für diese deutliche Dynamik bei den Materialpreisen sind sowohl angebots- als auch nachfra­ge­seitig zu finden. Einerseits wurden etablierte Lieferketten empfindlich beein­trächtigt. So wurde etwa während der Pandemie und dann wegen des Krieges in der Ukraine die Produktion in einigen Stahlwerken einge­stellt. Die daraus entste­henden Lieferengpässe sorgen für angebots­sei­tigen Preisdruck. Andererseits haben die großzü­gigen Konjunktur- und Infrastrukturprogramme während der Pandemie für große globale Nachfrage nach Baumaterialien gesorgt.

Stabile Neubauaktivitäten

Trotz der höheren Baupreise haben sich die Bautätigkeiten bis anhin stabil entwi­ckelt. Beim generierten bauge­werb­lichen Umsatz konnten sogar deutliche Anstiege im Vergleich zum Vorjahr verbucht werden. Dies ist aber haupt­sächlich den deutlichen Baupreisanstiegen geschuldet. Real betrachtet lag der Auftragseingang in den ersten vier Monaten 2022 um 0,2% tiefer als im entspre­chenden Vorjahreszeitraum.

Es ist zu erwarten, dass die Auftragseingänge in den kommenden Monaten auf hohem Niveau nachlassen werden. Verschiedene Marktteilnehmer haben angekündigt, dass sie geplante Bauprojekte unter den aktuellen Bedingungen nicht umsetzen oder verschieben werden. Außerdem werden die weiter gestie­genen Zinsen die zukünf­tigen Bautätigkeiten beein­träch­tigen. Denn die höheren Zinsen erhöhen erstens die Finanzierungskosten, und zweitens ergeben sich für einige Investoren neue Anlagemöglichkeiten (beispiels­weise im Anleihenmarkt). 

analyse

Ausblick

Es ist davon auszu­gehen, dass auch im nächsten Halbjahr die Baupreise weiter spürbar steigen werden. Denn derzeit ist es erst mittel­fristig wahrscheinlich, dass sich Lieferengpässe auflösen,  sich die Rohstoffpreise norma­li­sieren werden und die Baupreissteigerung damit abnehmen wird. Nur schon als Folge der Teuerung werden die nominalen Bauinvestitionen im laufenden wie auch im kommenden Jahr weiter ansteigen. 

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