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Klimarisiken in der Immobilienbranche: Wüest Partner kooperiert mit CLIMADA Technologies

Veröffentlicht am: 24. März 2025 Letzte Aktualisierung: 02. April 2026

Der Klimawandel stellt die Immobilienbranche vor große Herausforderungen. Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen nehmen zu und können den Wert von Immobilien erheblich mindern – mit poten­ziell gravie­renden Folgen für Eigentümer:innen, Investierende und Finanzinstitute. Da diese Risiken auch die Stabilität des gesamten Finanzmarkts gefährden können, verschärfen neue Regulierungen die Anforderungen an Unternehmen bezüglich ihrer Risikoidentifikation.

Um die Gefahren durch den Klimawandel für die Immobilienbranche voraus­schauend zu bewerten und robuste Managementstrategien zu entwi­ckeln, arbeitet Wüest Partner mit CLIMADA Technologies, einem Spin-off der ETH Zürich für Klimarisikoanalysen, zusammen. Die Kooperation ermög­licht eine frühzeitige Identifikation der physi­schen Risiken des Klimawandels und deren poten­zielle Auswirkungen, sodass fundierte Entscheidungen zur Risikominderung und zur Einhaltung regula­to­ri­scher Vorgaben getroffen werden können.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Immobilienbranche

Die Auswirkungen des Klimawandels sind unüber­sehbar. Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Unwetter und Starkregen treten immer häufiger auf und setzen Gebäude sowie Infrastrukturen massiv unter Druck. Die dadurch entste­henden Schäden sind oft enorm: Allein im Sommer 2024 verur­sachten Unwetter im Schweizer Wallis und Tessin Schäden von 160 bis 200 Millionen CHF. Ein drasti­sches Beispiel ist die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, die Schäden von rund 40.5 Milliarden Euro hinterließ – wovon nur etwa 20% versi­chert waren. Doch auch anhal­tende Dürren und Hitzewellen fordern ihren Tribut. In Griechenland brannten 2023 rund 1.3% der gesamten Landesfläche, mit gravie­renden Folgen für die Wirtschaft und Umwelt.

Neben akuten Extremwettereignissen bringt der Klimawandel auch schlei­chende, chronische Veränderungen mit sich. Ein Beispiel sind die steigenden Temperaturen, die insbe­sondere in Städten zur Hitzebelastung («Hitzeinseln») führen und hohe Kühlkosten verur­sachen. Ein weiteres Beispiel für chronische Klimagefahren sind auftauende Permafrostböden, welche die Stabilität von Gebäuden beein­träch­tigen und Rutschungen in Bergregionen begüns­tigen.

Steigende Klimarisiken als Herausforderung für den Finanzmarkt

Die Risiken des Klimawandels können den Wert von Immobilien erheblich mindern. In diesem Zusammenhang unter­scheidet man zwischen «physi­schen» und «transi­to­ri­schen» Risiken. Physische Risiken beziehen sich auf die Risiken, die durch die direkten Auswirkungen des Klimawandels verur­sacht werden, also kosten­in­tensive Präventionsmaßnahmen, hohe Reparaturkosten im Schadensfall, steigende Versicherungsprämien und Betriebskosten, eine sinkende Nachfrage oder drohende Mietausfälle.

Doch nicht nur Immobilienbesitzende sind von physi­schen Klimarisiken betroffen. Auch Banken, Versicherungen und Investoren stehen vor wachsenden finan­zi­ellen Risiken. Sinkende Immobilienwerte beein­träch­tigen die Finanzmärkte direkt: Wenn Beleihungswerte fallen, verlieren Banken Sicherheiten für ihre Kredite. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Kreditnehmende ihre Zahlungen nicht mehr leisten können, etwa durch hohe Sanierungskosten, steigende Versicherungsprämien oder erhöhte Zinsen. Dies kann nicht nur höhere Kreditkosten zur Folge haben, sondern im schlimmsten Fall ganze Finanzmärkte desta­bi­li­sieren.

Im Gegensatz zu den physi­schen Risiken des Klimawandels, entstehen transi­to­rische Risiken durch wirtschaft­liche und regula­to­rische Anpassungen an den Klimawandel. Dazu zählen beispiels­weise strengere Umwelt- und Klimaschutzregulierungen, verän­derte Marktanforderungen oder neue Investitionskriterien. Diese können die Finanzierbarkeit und Attraktivität von Immobilien erheblich beein­flussen, insbe­sondere wenn sie nicht frühzeitig berück­sichtigt werden.

Regulatorische Anforderungen nehmen zu

Als Reaktion auf die finan­zi­ellen Gefahren durch die Auswirkungen des Klimawandels fordern verschiedene regula­to­rische Maßnahmen eine umfas­sende Identifikation ihrer physi­schen und transi­to­ri­schen Risiken. Unternehmen sind angehalten, Klimarisiken syste­ma­tisch zu erkennen, zu analy­sieren und zu bewerten, um geeignete Strategien zu deren Management und Minderung zu entwi­ckeln. Die Nichtbeachtung dieser Risiken kann nicht nur zu erheb­lichen wirtschaft­lichen Verlusten führen, sondern auch zu regula­to­ri­schen Sanktionen.

EU: Die Taxonomie-Verordnung als Maßstab

In der Europäischen Union bildet die Verordnung (EU) 2020/852, bekannt als Taxonomie-Verordnung, einen zentralen Rahmen für nachhaltige Investitionen. Sie definiert insgesamt sechs Umweltziele, anhand derer bestimmt wird, ob eine Wirtschaftstätigkeit als ökolo­gisch nachhaltig gilt. Unternehmen, die zur nicht­fi­nan­zi­ellen Berichterstattung verpflichtet sind, müssen offen­legen, in welchem Umfang ihre Tätigkeiten mit diesen Zielen in Einklang stehen.

Vor allem für das Ziel „Anpassung an den Klimawandel“ ist eine Klimarisikoanalyse relevant. Unternehmen müssen hier darlegen, wie klima­be­dingte Risiken, physische und transi­to­rische, ihre wirtschaft­lichen Aktivitäten beein­flussen und welche Maßnahmen sie zur Anpassung ergreifen. Damit wird Transparenz geschaffen und Investoren erhalten eine fundierte Basis für nachhaltige Finanzentscheidungen.

Schweiz: FINMA setzt neue Anforderungen um

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat mit dem Rundschreiben 2026/1 „Naturbezogene Finanzrisiken“ neue Richtlinien erlassen, die ab dem 1. Januar 2026 stufen­weise in Kraft treten. Diese Richtlinien verpflichten Banken und Versicherungen, natur­be­zogene, insbe­sondere klima­be­zogene, physische und transi­to­rische Finanzrisiken syste­ma­tisch zu identi­fi­zieren, zu bewerten und in ihre Risikomodelle zu integrieren. Die Anforderungen umfassen die Implementierung geeig­neter Governance-Strukturen, die Durchführung von Szenarioanalysen sowie die Offenlegung dieser Risiken gegenüber der Öffentlichkeit, die für alle betrof­fenen Institute gilt. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Finanzinstitute gegenüber Umwelt- und Klimarisiken zu stärken und die Stabilität des Schweizer Finanzsystems zu gewähr­leisten.

Partnerschaft für eine datenbasierte Klimarisikoanalyse

Um Immobilienakteure bei der Identifikation und dem Management ihrer physi­schen Klimarisiken zu unter­stützen, koope­riert Wüest Partner mit CLIMADA Technologies, einem Spin-off der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) Zürich, das sich auf Klimarisikomodellierung spezia­li­siert hat. Das Unternehmen entstand aus der Forschung an der Professur für Wetter- und Klimarisiken der ETH Zürich und entwi­ckelt Klimarisikoanalysen für verschiedene Branchen, darunter Immobilien und Finanzdienstleistungen.

Im Juni 2024 wurde CLIMADA Technologies mit dem »venture» Award in der Kategorie Finanzen & Versicherungen ausge­zeichnet – ein Beleg für die Innovationskraft und wissen­schaft­liche Stärke des Unternehmens. Die von CLIMADA Technologies angewandte Methodik basiert auf modernsten Klimasimulationen, welche mit Gebäudeinformationen und Finanzkennzahlen kombi­niert werden, um präzise Risikobewertungen auf Objektebene zu ermög­lichen.

Die Lösung von CLIMADA Technologies bietet ein standar­di­siertes Klimarisiko-Rating, welches es ermög­licht, einzelne Immobilien oder ganze Portfolios objektiv zu bewerten und vergleichbar zu machen – eine entschei­dende Grundlage für Investoren und Finanzinstitute. Ergänzend dazu liefern die Modelle finan­zielle Schadensprognosen, die poten­zielle Wertverluste beziffern.

Dank der Zusammenarbeit von CLIMADA Technologies und Wüest Partner können nun die Klimarisiken des gesamten Schweizer Gebäudeparks in einer Studie umfassend analy­siert werden. Die Ergebnisse dieser Studie bieten wertvolle Erkenntnisse über die Auswirkungen physi­scher Klimarisiken und werden im April 2025 publi­ziert.

Ein entscheidender Schritt für die Zukunft

Die Kooperation zwischen CLIMADA Technologies und Wüest Partner vereint modernste Klimawissenschaft mit tiefge­hender Immobilienexpertise. Sie ermög­licht Immobilienbesitzenden, Investierenden und Finanzinstituten daten­ba­sierte Entscheidungen, die nicht nur die physische Resilienz von Immobilienportfolios stärken, sondern auch regula­to­ri­schen Anforderungen gerecht werden und langfristige Wertverluste minimieren.

Dabei geht es nicht nur darum, Regulationen bezüglich der Identifikation von physi­schen Klimarisiken zu erfüllen, sondern konkrete Wege für eine nachhaltige, klima­re­si­liente Immobilienwirtschaft aufzu­zeigen. Die Partnerschaft trägt dazu bei, dass der Markt nicht nur auf den Klimawandel reagiert, sondern sich aktiv darauf vorbe­reitet und seine Widerstandsfähigkeit gezielt stärkt. Sie schafft Transparenz und unter­stützt eine voraus­schauende Planung mit dem Ziel wirtschaft­licher Stabilität. Die Kombination aus fortschritt­licher Klimamodellierung und umfas­sender Marktkenntnis ist bisher einmalig und schafft eine belastbare Basis für eine resiliente Immobilienstrategie.

„Klimarisiken sind eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Gemeinsam mit Wüest Partner schaffen wir Transparenz und wandeln Risiken in Wissen um, das fundierte Entscheidungen ermög­licht. So können Immobilienbesitzende und Investierende nicht nur Werte langfristig sichern, sondern auch resiliente Strategien für die Zukunft entwi­ckeln. Wer heute handelt, gestaltet aktiv die Transformation der Branche.“ – Simone Thompson, CEO CLIMADA Technologies

„Klimarisiken sind längst keine abstrakte Bedrohung mehr – sie beein­flussen den Wert, die Versicherbarkeit und die Zukunftsfähigkeit von Immobilien. Wer heute inves­tiert, muss nicht nur Lage und Rendite im Blick haben, sondern auch die Widerstandsfähigkeit gegen Extremwetter und regula­to­rische Veränderungen. Damit das zur Norm wird, braucht es leicht zugäng­liche Daten und integrierte Modelle im Portfoliomanagement-Tool. Mit unserer neuen Kooperation mit Climada können wir genau das unseren Kunden bieten.“ – Annika Steiner, Partner bei Wüest Partner.

Der Immobiliensektor steht vor großen Herausforderungen – wer jedoch frühzeitig handelt, kann nicht nur finan­zielle Stabilität sichern, sondern auch zur nachhal­tigen Transformation der Branche beitragen. Diese Partnerschaft setzt genau dort an: Sie ermög­licht fundierte Entscheidungen, voraus­schau­endes Handeln und eröffnet neue Wege für eine wider­stands­fähige, zukunfts­si­chere Immobilienwirtschaft.