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Unter der Lupe: Markt für Mehrfa­mi­li­en­häuser in Zürich

Veröffentlicht am: 20. April 2018 Letzte Aktualisierung: 22. April 2025

«Anlagen­ot­stand!», «Ausge­trocknete Märkte!», «Überhöhte Immobi­li­en­preise!» – so tönt es landauf landab. Insbe­sondere an begehrten Lagen wird es in der Tat immer schwie­riger, direkt in Mehrfa­mi­li­en­häuser zu inves­tieren. Massgebend für diese Entwicklung ist, dass die Schwei­ze­rische Natio­nalbank (SNB) 2015 Negativ­zinsen einge­führt hat und die Anlei­hen­ren­diten praktisch ausblieben, was das Interesse vieler Inves­toren an diesem Segment noch beflü­gelte. In der Folge haben sich Mehrfa­mi­li­en­häuser im Schweizer Mittel in den letzten zehn Jahren um 52 Prozent verteuert (gemessen an den Freihand­trans­ak­tionen). Im Kanton Zürich betrugen die Preis­an­stiege im Schnitt gar 63 Prozent.

Während zur Nachfra­ge­stärke viel gesagt wurde, ist das Angebot auf den Inves­to­ren­märkten oftmals intrans­parent. Welche Rolle spielen die privaten Inves­toren? Wo und in welcher Menge gelangen überhaupt Häuser auf den Markt? Ein besonders inter­es­santes Betrach­tungs­objekt ist diesbe­züglich der Inves­to­ren­markt für Mehrfa­mi­li­en­häuser im Kanton Zürich: Erstens finden sich hier alle Raumtypen – von grossen Städten über Agglo­me­ra­tionen bis hin zu ländlichen Gebieten –, und zweitens werden im Kanton Zürich sämtliche Freihand­trans­ak­tionen amtlich erfasst. Aus dieser Erhebung hat das statis­tische Amt des Kantons Zürich für Wüest Partner Auswer­tungen der Freihand­trans­ak­tionen von Mehrfa­mi­li­en­häusern nach Käufer­typen und Regionen für den Zeitraum der letzten zehn Jahre aufbe­reitet. Dies ermög­lichte eine kantons­weite Analyse, aus welcher folgende, exklusive Erkennt­nisse resul­tieren.

Rückläufige Trans­ak­ti­ons­mengen – vor allem in begehrten Regionen

Zunächst fällt auf, dass die Gesamtzahl der Trans­ak­tionen von Mehrfa­mi­li­en­häusern in den letzten zehn Jahren um 14 Prozent abgenommen hat: Während im Jahr 2007 im gesamten Kanton Zürich 609 Handän­de­rungen regis­triert wurden, waren es 2016 nur noch 521. Und dies, obschon der Bestand an Mehrfa­mi­li­en­häusern aufgrund des Wohnungsbaus jährlich zwischen 1 und 2 Prozent gewachsen ist. Vor allem in den höher­prei­sigen Regionen haben die Trans­ak­ti­ons­mengen abgenommen, am stärksten in der MS-Region Glattal-Furttal mit einem Minus von 40 Prozent seit 2007, gefolgt von der Stadt Zürich. Dort wechselten in den letzten drei Jahren noch rund 50 Häuser pro Jahr im Rahmen von Freihand­trans­ak­tionen die Hand – 28 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Ebenfalls rückläufig waren die Verkäufe in den Seege­meinden: In den Regionen Zimmerberg und Pfannenstil sanken die Trans­ak­ti­ons­zahlen um 25 respektive 21 Prozent. In den übrigen Regionen waren die Verkaufs­zahlen stabil oder lagen lediglich in einzelnen Jahren über oder unter den Vergleichs­werten von 2007. In einem Umfeld stetig steigender Preise und fehlender Anlage­al­ter­na­tiven dürfte ein Verkauf insbe­sondere an den hochwer­tigen Lagen denn auch tatsächlich wenig inter­essant sein. Ebenso könnten die Mietpreis­be­we­gungen der letzten Jahre eine Rolle gespielt haben. Steigende Leerstände waren vor allem abseits der Zentren zu beobachten, wo auch die Verkaufs­zahlen von Mehrfa­mi­li­en­häusern in den letzten Jahren tenden­ziell höher lagen. Ein syste­ma­ti­scher Zusam­menhang zwischen den Nutzer- und den Inves­to­ren­märkten ist jedoch nicht nachweisbar: In der Region Glattal-Furttal haben die Angebots­mengen an Mietwoh­nungen und die Leerstände abgenommen, aber gleich­zeitig auch die Trans­ak­ti­ons­mengen. In der Stadt Zürich haben sich die Leerstände leicht erhöht, und doch war die Zahl der Verkäufe gering. Die Gesamt­markt­at­trak­ti­vität und langfristige Entwick­lungs­per­spek­tiven scheinen wichtiger zu sein als kurz- und mittel­fristige Trends auf den Mieter­märkten.

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Vier von fünf Mehrfa­mi­li­en­häusern von Privaten gekauft

Inter­essant ist auch die Frage, welche Rolle Privat­per­sonen als Käufer von Mehrfa­mi­li­en­häusern zukommt. Die vom statis­ti­schen Amt des Kantons Zürich aufbe­rei­teten und aggre­gierten Statis­tiken unter­scheiden juris­tische Personen und Privat­per­sonen auf der Käufer‑, aber nicht auf der Verkäu­fer­seite. Zunächst ist festzu­halten, dass vier von fünf Trans­ak­tionen auf Privat­per­sonen zurück­gehen, die damit also den Käufer­markt dominieren. In Bezug auf die Gesamt­summe der Kaufpreise beträgt ihr Anteil aktuell jedoch lediglich 66 Prozent – es werden im Schnitt offen­sichtlich kleinere Objekte gekauft. Die Zahl der Käufe durch Privat­per­sonen hat in den letzten Jahren bei insgesamt rückläu­figen Trans­ak­ti­ons­mengen deutlich abgenommen. Ihr Anteil blieb aber relativ konstant. Weniger Trans­ak­tionen gab es vor allem in der Stadt Zürich und in den Regionen Glattal-Furttal und Pfannenstil. Zugelegt haben hingegen die Trans­ak­tionen in den teilweise ländlichen und etwas günsti­geren Regionen Weinland (+88 Prozent), Limmattal (+57 Prozent), Zürcher Unterland (+25 Prozent) und Knonauer Amt (+20 Prozent). Juris­tische Personen und insti­tu­tio­nelle Anleger waren auffallend aktive Käufer in den Städten Zürich (+52 Prozent) und Winterthur (+44 Prozent).

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Während im Trans­ak­ti­ons­preis­index für Mehrfa­mi­li­en­häuser Lagen und Quali­täten der Häuser berück­sichtigt werden können und entspre­chend die Preis­ent­wicklung vergleich­barer Objekte im Zeitverlauf abgebildet wird, lassen sich aus den aggre­gierten Preis­in­for­ma­tionen der kanto­nalen Statistik leider keine Unter­schiede in der Zahlungs­be­reit­schaft nach Käufer­typen heraus­lesen. Es zeigt sich jedoch, dass die von Privat­per­sonen durch­schnittlich bezahlten Preise innerhalb von zehn Jahren um 23 Prozent auf 2.7 Millionen Franken angestiegen sind. Jene der juris­ti­schen Personen haben um 17 Prozent abgenommen und lagen 2016 noch bei 4.6 Millionen Franken. Eine Unschärfe bleibt in diesen Auswer­tungen, da bei weniger als fünf Trans­ak­tionen in einer Region keine Trans­ak­ti­ons­summen nach Käufertyp ausge­wiesen werden, was in den Jahres­be­trach­tungen aller­dings nur in 6 Prozent aller Fälle zutraf.

Fazit: Unter­schied­liche Risiko­prä­fe­renzen

Ein reduziertes Markt­an­gebot in einem sehr dynami­schen Investoren- und Nachfra­ge­umfeld dürfte im Kanton Zürich der entschei­dende Grund für die Preis­an­stiege der letzten Jahre bei den Mehrfa­mi­li­en­häusern gewesen sein. Insti­tu­tio­nelle Inves­toren und juris­tische Personen haben nachweisbar eine stärkere Präferenz für gut erschlossene und risiko­ärmere Regionen als Privat­per­sonen. Als Käufer sind sie trotz des verrin­gerten Angebots auch heute immer noch annähernd gleich aktiv wie vor zehn Jahren, während Privat­per­sonen offen­sichtlich etwas zurück­ge­drängt wurden. Sie haben verstärkt in den eher ländlichen Regionen des Kantons Zürich Mehrfa­mi­li­en­häuser gekauft. Zwar lassen die Trans­ak­ti­ons­sta­tis­tiken keine qualitäts- und lagebe­rei­nigte Aussagen über die Entwicklung der Zahlungs­be­reit­schaft von Privat­per­sonen als Käufertyp zu. Um über 20 Prozent gestiegene Durch­schnitts­preise deuten aber auf eine erhöhte Zahlungs­be­reit­schaft hin – wenn auch das Preis­niveau hier tiefer liegt als bei den insti­tu­tio­nellen Inves­toren oder juris­ti­schen Personen. Doch die Privat­per­sonen dürften mit einem Anteil von aktuell 78 Prozent in Bezug auf die Anzahl Handän­de­rungen als Akteure auch künftig eine wichtige Rolle im Inves­to­ren­markt spielen. Spannend wären dereinst Erhebungen zu den Verkäu­fer­typen und ‑motiven, denn je nach Markt­phase könnten sich die Verkaufs­ab­sichten plötzlich wieder mehren.