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Süddeutsche Wohnungs­märkte 2022: Stabile Aussichten in stürmi­schen Zeiten

Veröffentlicht am: 29. September 2022 Letzte Aktualisierung: 01. August 2025

Die jetzt erschienene Studie Süddeutsche Wohnungs­märkte von Wüest Partner zeigt detail­liert: Trotz unsicherer Zeiten entwi­ckelt sich der südliche Immobi­li­en­markt solide. Zeichen von verein­zelten Verlang­sa­mungen und möglichen Überhit­zungen sind vorhanden, daher ist die präzise Verortung der Risiken und Poten­ziale in Bayern und Baden-Württemberg umso wertvoller.

Die zwei Bundes­länder machen sie ein Drittel des gesamten Landes aus, egal was gemessen wird. Bayern und Baden-Württemberg stellen rund 33 Prozent des deutschen BIPs mit 1.200 Milli­arden Euro Wirtschafts­leistung, 29 Prozent der deutschen Bevöl­kerung mit 24,3 Millionen Einwohner:innen und etwas weniger als 30 Prozent aller Wohnein­heiten mit 11,67 Millionen Einheiten.

In 20 Städten nimmt Wüest Partner diesen Bereich aus sieben Blick­winkeln unter die Lupe. Die drei ersten betreffen Rahmen­be­din­gungen wie Demografie, Wirtschafts­ent­wicklung und Leerstand, die vier weiteren berühren unmit­telbar die Immobi­li­en­wirt­schaft: Neubau, Miethöhe, Preise von Wohnungen und von Mehrfa­mi­li­en­häusern.

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Schnel­leres Bevöl­ke­rungs­wachstum als in Gesamt­deutschland

In 17 der 20 unter­suchten Städte wächst die Bevöl­kerung stärker als in Deutschland (1,2 %), mit Spitzen in Landshut, Regensburg und Tübingen, mit jeweils 5,6 %, 4,7 % und 4,1 %. Nur in den drei Städten Nürnberg, Karlsruhe und Stuttgart ist die Entwicklung geringer als im Rest des Landes. Bis 2040 wird das größte Wachstum in zwei Städten um München erwartet, Landshut und Augsburg, mit jeweils 14,7 % und 11,7 %. In Nordbayern hingegen wird eine negative Entwicklung prognos­ti­ziert, die besonders die Einwoh­ner­zahlen von Bayreuth und Würzburg betreffen.

Starke Wirtschaft, aber hohe Wohnkos­ten­be­lastung

Wirtschaftlich betrachtet, ist die Region bekann­ter­maßen eine wirtschaft­liche Lokomotive. So wundert es nicht, dass in acht Städten die Kaufkraft überdurch­schnittllich gewachsen ist und die Arbeits­lo­sigkeit in 16 Städten unter dem Bundes­schnitt liegt. Die Kehrseite einer gesunden Wirtschaft und eines starken Immobi­li­en­marktes: eine hohe Wohnkos­ten­be­lastung. Alle 20 unter­suchten Städte weisen hier höhere Werte auf als im Rest des Landes. In Deutschland werden im Schnitt 20,1 % des Einkommens für Wohnraum ausge­geben, in elf Städten Süddeutsch­lands hingegen mehr als 25 %, in drei davon sogar mehr als 30 %. Das sind, aufsteigend sortiert, München, Heidelberg und Freiburg im Breisgau.

Äußerst niedriger Leerstand – nur 0,2% in München

Auch beim Leerstand werden Spitzen­werte erreicht – je nach Stand­punkt ist das betrüblich oder erfreulich. Nicht nur ist der Leerstand sehr viel niedriger als in Deutschland mit 2,8 %, 13 Städte haben Werte von unter einem Prozent, in sechs davon sogar unter oder gleichauf mit 0,6 %. Die sieben restlichen Städte liegen zwischen ein und zwei Prozent. Mit 0,2 % Leerstand hält München einen absoluten Rekord. In anderen Worten, die südliche Metropole ist zum Bersten voll. Die Stadt mit dem höchsten Leerstand ist Würzburg mit 1,8 %, liegt aber damit immer noch mit einem Prozent­punkt unter dem deutschen Schnitt.

Neubau deckt nicht den Bedarf ab in 14 Städten, drei Städte liegen über dem Soll

Dieser Druck auf dem Wohnungs­markt wird länger fortdauern, da die Neubau­ak­ti­vi­täten unter dem Bedarf liegen. 14 der 20 unter­suchten Kommunen liegen im Verhältnis Baufer­tig­stellung zu Neubau­bedarf unter 100 Prozent, was einer passge­nauen Deckung entsprechen würde. Das ist übrigens ein Kunst­stück, dass Passau mit 100,5 % fast punkt­genau gelingt. Drei der Kommunen liegen sogar unter 40 Prozent des Neubau­be­darfs: Augsburg, Stuttgart und Kempten (Allgäu), deren Leerstand auch unter einem Prozent liegen. Nur in drei Städten wird der Bedarf übererfüllt: In Ingol­stadt, Würzburg und Regensburg, mit Werten über 150 % für die beiden ersten Städte.

Was gebaut wird, lässt sich genau charak­te­ri­sieren: Zu über 80 Prozent Mehrfa­mi­li­en­häuser, die im Schnitt 11,8 Wohnungen beinhalten, mit einer Fläche von jeweils 84,6 Quadrat­meter. Der darin liegende Anteil von Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen wächst stetig, was den Trend von mehr Single-Haushalten wider­spiegelt.

Mieten sinken in acht von 20 Städten zwischen 2,8 und 0,7 Prozent

Trotz dem bisher geschil­derten Druck sinkt die Miethöhe in acht Städten, am stärksten in Stuttgart, Heilbronn und Konstanz, zwischen 2,8 % und 1,6 %. Sogar in München sinken die Mieten, dafür aber nur leicht mit 0,7 %. Im Gegenzug steigen die Median­mieten an vier Stand­orten um über drei Prozent: Ulm, Landshut, Passau und Würzburg. Die höchsten Mieten, über 20 Euro/qm, werden in München, Tübingen und Freiburg im Breisgau erzielt. Ansonsten liegt die Miethöhe im Schnitt bei 13,84 EUR/qm für Neubau­woh­nungen, während Wohnungen im Altbau rund zwei Euro günstiger liegen. Wie zu erwarten ist die Miete von Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen im Schnitt 13 % teurer als die von größeren.

Wohnungs­preise weiterhin solide, aber in neun Städten Ende des Wachstums in Sicht

Angebots­preise für Wohnungen liegen im regio­nalen Durch­schnitt bei knapp über 5.000 Euro/qm. Mit doppelt so hohen Preisen überragt München eklatant die 19 weiteren Städte, für das höchste Quantil werden dort sogar Summen von 15.000 Euro/qm erreicht. Auch wenn die Preise derzeit weiterhin steigen, so verlangsamt sich das Wachstum. Bei neun von 20 Stand­orten deutet der Ausblick sogar auf sinkende Preise. In den letzten 10 Jahren entwi­ckelten sich die Median­preise am stärksten in Kempten (Allgäu) und Augsburg, mit jeweils 184 und 176 Prozent. Das Schluss­licht im Wachs­tums­ver­gleich bestand aus dem Trio Freiburg im Breisgau, Ingol­stadt und Regensburg, die alle weniger als 80 Prozent wuchsen.

Leicht steigende Brutto­fak­toren bei Mehrfa­mi­li­en­häusern

Diese Stabi­lität wird durch die Preise von Mehrfa­mi­li­en­häusern bestätigt, deren Brutto­faktor weiterhin leicht auf durch­schnittlich 27,4 steigt. Sechs Städte weisen Faktoren zwischen 20 und 25 auf, bei zehn liegen sie zwischen 25 und 30. Vier liegen sogar über 30, die Spitzen­gruppe bilden München, Stuttgart, Augsburg und Freiburg im Breisgau. Darunter sticht wieder einmal München hervor, mit einem durch­schnitt­lichen Brutto­faktor von 42,3, der sogar in Einzel­fällen atembe­rau­bende 55,9 erreicht. Dieser Faktor ist mit Vorsicht zu genießen, denn er kann zu einem Alarm­signal werden, besonders wenn zeitgleich die Mieten zurück­gehen.

Preise für Mehrfa­mi­li­en­häuser zwischen 1.800 und 9.000 Euro/qm

Die durch­schnitt­lichen Preise sind am höchsten in München (9.000 Euro/qm) und Konstanz (5.300 Euro/qm), am niedrigsten in Bayreuth (2.500 Euro/qm) und Passau (1.800 Euro/qm). Der Ausblick bei der Preis­ent­wicklung ist für 12 Städte entweder sinkend oder stabil, für die acht restlichen dagegen wachsend. Die Städte, bei denen die Zeichen am ehesten auf Preis­min­derung stehen, sind Würzburg und überra­schen­der­weise München.

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Rendite-Risiko-Profile: Wo sich Inves­tieren lohnt – und wo nicht

Welche Chancen und Gefahren sich für Immobilieninvestor:innen in Süddeutschland ergeben, geht aus den oben geschil­derten Rahmen­be­din­gungen und Facetten des Wohnungs­marktes hervor. Ob und wo sich Neubau lohnt, oder Inves­ti­tionen in Bestand, welche Städte welches Verhältnis zwischen Risiko und Rendite aufweisen, lesen Sie in der Studie Süddeutsche Wohnungs­märkte von Wüest Partner. Neben der Gesamt­analyse bieten die Studie eine detail­lierte Analyse für jede der 20 unter­suchten Städte.

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Entwick­lungen für Q3 2022 und Ausblick

Für das dritte Quartal 2022 beobachtete Wüest Partner eine deutliche Trend­wende im Umgang mit den bestehenden externen Einflüssen wie Zinswende, Inflation, Baukos­ten­stei­gerung und Energie­krise. Der monat­liche EPX-Hauspreisindex ist einer der ersten Indika­toren, der diese Entwicklung sichtbar macht.

Während die Zinswende die Zahlungs­be­reit­schaft für Immobi­li­en­in­vest­ments negativ beein­flusst und damit eine Rendi­te­stei­gerung zur Folge hat, führen Inflation, Baukos­ten­stei­gerung, Indexie­rungen und Neubau­mieten zu einer Erhöhung der Markt­mieten. Darüber hinaus wird die Energiek­riese unwei­gerlich zu einer Ausdif­fe­ren­zierung der Immobilien im Hinblick auf ihre energe­ti­schen Quali­täten führen.

Diese Markt­ent­wicklung ist in dieser Studie noch nicht berück­sichtigt. Momentan ist ein Still­stand der Branche zu beobachten, neue Vergleichs­daten aus dem Markt stehen bisher nur in sehr geringem Umfang zur Verfügung. Wüest Partner geht davon aus, dass dies auch mindestens bis zum Ende des Jahres 2022 so bleiben wird. Dennoch ist schon jetzt klar, dass allein das aktuelle Zinsniveau zu rückläu­figen Preisen über alle Markt­seg­mente hinweg führen wird, auch wenn es zu Beginn nur die Verkäufer trifft, die in der aktuellen Lage gezwungen sind, eine Immobilie zu veräußern. Langfristig ist aufgrund der nach wie vor gesunden Nachfrage und dem zuneh­menden geringen Angebot an Flächen in nachge­fragten Lagen jedoch von einem stabilen Markt­umfeld auszu­gehen.

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