Standortfördergesetz (StoFöG): Marktreaktionen und Auswirkungen auf Kapitalallokationen – Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage
Veröffentlicht am: 02. März 2026 Letzte Aktualisierung: 02. März 2026
Gemeinsam mit INTREAL hat Wüest Partner eine exklusive Branchenbefragung unter 38 Asset Managern, institutionellen Investoren und weiteren Marktteilnehmern durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Das Gesetz wird mehrheitlich als Chance wahrgenommen und dürfte künftig Investitionsentscheidungen beeinflussen.
Mehrheitlich positive Bewertung
Zwei Drittel der Befragten bewerten das Standortfördergesetz positiv. Nur ein kleiner Teil äußert sich kritisch, etwa im Hinblick auf steuerliche Aspekte wie die Einführung einer Körperschaftsteuerpflicht auf bestimmte Einkünfte.
Bemerkenswert ist dieses Ergebnis vor dem Hintergrund der häufig geäußerten Kritik an einer vermeintlich überregulierten Investmentlandschaft in Deutschland. Die Rückmeldungen aus dem Markt zeigen ein anderes Bild: Das Gesetz wird überwiegend als unterstützender Rahmen für zukünftige Investitionen gesehen.
Gleichzeitig bleibt die Euphorie verhalten. Das Gesetz, das vormals als Zukunftsfinanzierungsgesetz II diskutiert wurde, war bereits seit längerer Zeit angekündigt. Für viele Marktteilnehmer ist es daher weniger ein neuer Impuls als vielmehr die überfällige Umsetzung eines langwierigen Vorhabens.
Auswirkungen auf die Investmentstrategien
Rund zwei Drittel der Befragten sehen aktuell noch keine wesentlichen Auswirkungen auf ihre bestehende Investmentstrategie. Die bestehenden Fondsstrukturen bleiben strategisch und hinsichtlich ihrer Allokation zunächst weitgehend unverändert.
Das Gesetz führt noch nicht zu umfassenden strategischen Veränderungen, beeinflusst jedoch bereits einen relevanten Teil der Befragten und deren Investitionsentscheidungen. Einige Marktteilnehmer beginnen bereits, die neuen regulatorischen Spielräume strategisch einzuordnen. Rund jeder Dritte erweitert seine bestehende Fondsstrategie oder prüft neue Assetklassen.
Immobilienfonds planen neue Fondsprodukte infolge des Standortfördergesetzes
Die Umfrage zeigt bereits eine aktive Auseinandersetzung der Marktteilnehmer mit der Auflage neuer Fondsstrukturen. Mehr als ein Fünftel der Befragten plant bereits die Auflage neuer Fonds. Weitere Marktteilnehmer geben an, dass sie sich in einer Entscheidungsphase befinden. Damit beschäftigt sich rund ein Drittel der Marktteilnehmer bereits konkret mit der Planung oder Prüfung neuer Fondsprodukte.
Vor dem Hintergrund, dass das Standortfördergesetz erst seit Februar in Kraft ist, deutet dies darauf hin, dass die neue regulatorische Klarheit zu einer frühen Positionierung führt. Es spricht vieles dafür, dass sich diese Dynamik im Jahresverlauf 2026 weiter verstärkt. Dies gilt vor allem dann, sobald erste Strukturen erfolgreich umgesetzt sind und Erfahrungswerte vorliegen.
Photovoltaik und Energieinfrastruktur bieten größtes Investitionspotenzial laut Umfrage
Bei der Frage nach dem größten Investitionspotenzial wird ein Schwerpunkt deutlich: Am häufigsten wird Photovoltaik genannt (56,8%), gefolgt von Energieinfrastruktur (54,1%). Hierzu zählen unter anderem Batteriespeicher. Private Debt (16,2%) und Windenergie (10,8% ) folgen mit deutlichem Abstand.
Die Antworten zeigen einen klaren Fokus auf Photovoltaik und flexible Energieinfrastrukturen. Dies deutet auf ein wachsendes Interesse der Marktteilnehmer hin. Insbesondere Hybridmodelle, also die Kombination von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern sowie Co-located Batteriespeicher (BESS) gewinnen aktuell an Bedeutung.
Auffällig ist die zunehmende Konvergenz von Immobilieninvestoren und Infrastrukturinvestoren. Immobilienakteure setzen verstärkt ähnliche Schwerpunkte wie etablierte Infrastrukturakteure. Real Assets werden nicht mehr als Spezialthema einzelner Akteure gesehen, sondern zunehmend integriert gedacht.
Für Investoren bedeutet das: Energieinfrastruktur entwickelt sich zu einem zentralen Baustein zukunftsorientierter Portfolios. Thomas Lehmann, Director bei Wüest Partner, ordnet diese Entwicklung wie folgt ein:
„Die Öffnung offener Immobilienfonds für erneuerbare Energien markiert einen strategischen Paradigmenwechsel und schafft neue Möglichkeiten für stabile Cashflows, nachhaltige Wertsteigerung und eine stärkere ESG-Positionierung von Portfolios.“
Regulatorische Stabilität und Rendite bleiben entscheidend für Investitionsentscheidungen
Trotz der strategischen Verschiebungen bei Immobilieninvestoren bleiben die zentralen Entscheidungskriterien bestehen. Wichtigster Faktor ist das Rendite-Risiko-Profil. Das bestätigen fast 80% der Nennungen. Es folgen regulatorische Klarheit (76%) und mit deutlichem Abstand die steuerliche Attraktivität.
Dies unterstreicht die Bedeutung stabiler regulatorischer Rahmenbedingungen für die Mobilisierung institutionellen Kapitals. Zugleich wird deutlich, dass Kapital weiterhin primär wirtschaftlichen Kriterien folgt. Das Gesetz schafft regulatorische Klarheit und neue Investmentpotenziale. Es ermöglicht Investoren, einen noch größeren Beitrag zur Energiewende zu leisten, indem sie Infrastrukturkomponenten in ihrem Portfolio ergänzen.
Fazit
Das Standortfördergesetz wird vom Markt mehrheitlich positiv aufgenommen. Es stößt auf Akzeptanz und führt bereits bei einem relevanten Teil der Investoren zu einer schrittweisen strategischen Prüfung und Neuausrichtung. Zugleich verstärkt es eine Entwicklung, die sich bereits abzeichnete: die stärkere Integration von Immobilien und Infrastruktur unter dem Dach der Real Assets.
Die kommenden Monate werden zeigen, in welchem Umfang aus Prüfungen konkrete Investitionen werden. Für Investoren eröffnet sich die Gelegenheit, Real-Asset-Strategien weiterzuentwickeln und die neuen regulatorischen Spielräume gezielt zu nutzen.
