Weiter zum Ihnhalt

ReUse im Holzbau – lohnt sich Kreis­lauf­wirt­schaft für Investor:innen?

Veröffentlicht am: 23. Februar 2026 Letzte Aktualisierung: 23. Februar 2026

Die Bau- und Immobi­li­en­branche befindet sich in einem tiefgrei­fenden struk­tu­rellen Wandel. Ambitio­nierte Klima­ziele, zuneh­mende Ressour­cen­knappheit und verschärfte regula­to­rische Vorgaben verändern die Rahmen­be­din­gungen für Inves­ti­ti­ons­ent­scheide. Die Kreis­lauf­wirt­schaft rückt dabei als zentraler Lösungs­ansatz in den Fokus. Für Inves­to­rinnen und Inves­toren stellt sich jedoch die entschei­dende Frage: Ist ReUse im Holzbau bereits heute wirtschaftlich attraktiv?
Eine aktuelle Studie von Wüest Partner im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) liefert hierzu fundierte Antworten. Sie zeigt auf, unter welchen Voraus­set­zungen kreis­lauf­ge­rechtes Bauen mit Holz nicht nur ökolo­gisch, sondern auch ökono­mische Vorteile generieren kann.

Kreis­lauf­wirt­schaft: vom linearen Modell zur langfris­tigen Ressour­cen­nutzung

Die heutige Baupraxis folgt überwiegend einem linearen Muster: bauen, nutzen, abbrechen, entsorgen. Gleich­zeitig trägt die Bauwirt­schaft wesentlich zu den CO₂-Emissionen und zum Abfall­auf­kommen bei. Vor diesem Hinter­grund gewinnt das zirkuläre Bauen deutlich an Relevanz. Ziel der Kreis­lauf­wirt­schaft ist es, Materialien möglichst lange im Nutzungs­kreislauf zu halten. Neben der Weiter- und Umnutzung bestehender Gebäude rückt dabei insbe­sondere die Wieder­ver­wendung von Bauteilen (ReUse) in den Fokus. Holz bietet hierfür besonders günstige Voraus­set­zungen: Als bioba­sierter Baustoff ist es rückbaubar, bindet CO₂ und lässt sich bei entspre­chender Planung mehrfach stofflich einsetzen.

Inves­to­ren­per­spektive: Steigende Relevanz erwartet

Trotz wachsender Aufmerk­samkeit spielt Zirku­la­rität für Investor:innen bislang eher eine unter­ge­ordnete Rolle. Eine Umfrage von Wüest Partner unter über 300 insti­tu­tio­nellen Immobilieninvestor:innen zeigt, dass Standort, Rendite und Mikrolage weiterhin die zentralen Entschei­dungs­fak­toren bei Akqui­si­tionen sind. Nachhal­tig­keits­aspekte gewinnen zwar an Bedeutung, fokus­sieren sich aktuell jedoch primär auf Energie­ef­fi­zienz und Betrieb­se­mis­sionen. Graue Emissionen und Kreis­lauf­fä­higkeit werden derzeit noch selten als wertre­levant einge­stuft – mittel­fristig wird jedoch ein deutlicher Bedeu­tungs­zu­wachs erwartet.

Bewer­tungs­praxis auf dem Prüfstand

Rendi­te­lie­gen­schaften werden in der Schweiz in der Regel mittels DCF-Methode bewertet. Dabei wird häufig von einer theore­tisch unend­lichen Fortführung der heutigen Nutzung ausge­gangen. Rückbau- und Deponie­kosten am Lebensende bleiben unberück­sichtigt, ebenso poten­zielle Erträge aus der Wieder­ver­wendung von Bauteilen. Die Modell­rech­nungen der Studie zeigen: Diese Praxis bildet ein unrea­lis­tisch optimis­ti­sches Szenario ab. Wird das Lebens­zy­klu­sende explizit berück­sichtigt, liegen die resul­tie­renden Werte rund 4 % tiefer als bei der ewigen Fortführung.

Wirtschaft­licher Mehrwert von kreis­lauf­ge­rechten Holzbauten

Hier zeigt sich ein Vorteil kreis­lauf­ge­rechter Holzbauten: Durch reduzierte Deponie­kosten, Erträgen aus ReUse und eine bessere Rückbau­fä­higkeit sind sie linearen Bauweisen überlegen – insbe­sondere bei kürzeren Restle­bens­dauern von 25 bis 50 Jahren und wenn es gelingt, die Poten­ziale der Standar­di­sierung und Vorfer­tigung umfassend zu nutzen. Die Sensi­ti­vi­täts­ana­lysen der Studie zeigen relevante Hebel, um einen wirtschaft­lichen Mehrwert zu erzielen:

  • Reduzierte Erstellungs- sowie Instandhaltungs- und Instand­set­zungs­kosten durch System­trennung sowie Standar­di­sierung und Digita­li­sierung in Planung und Ausführung
  • Aus Perspektive der Inves­toren besseres Risiko­profil der Liegen­schaft und damit tieferer Diskon­tie­rungssatz
  • Steigende Deponie- und Entsor­gungs­kosten

In kombi­nierten Optimie­rungs­sze­narien wird das Potenzial kreis­lauf­ge­rechter Gebäude sichtbar. Besonders bei Entwick­lungs­pro­jekten kann sich dies in deutlich höheren Landwerten nieder­schlagen.

Erfolgs­fak­toren für die Skalierung

Damit sich ReUse im Holzbau breiter durch­setzt, identi­fi­ziert die Studie zentrale Erfolgs­fak­toren in drei Bereichen:

  • Planung: frühe Zielde­fi­nition, Rückbau­barkeit, digitale Bauwerks­do­ku­men­tation und Materi­al­pässe
  • Regulierung: ambitio­nierte Grenz­werte für graue Emissionen, Rückbau­kon­zepte, positive Anreize
  • Markt: verän­derte Investor:innen- und Mieter:innenpräferenzen, zuneh­mende Ressour­cen­knappheit, neue Finan­zie­rungs­mo­delle

Praxis­bei­spiele zeigen, dass die technische Umsetzung bereits heute möglich ist – nun gilt es, diese Ansätze in die Breite zu tragen.

Ausblick

Sobald sich am Immobi­li­en­markt eine klare Präferenz für zirkuläre Gebäude etabliert, wird sich dies auch in der Bewertung wider­spiegeln, etwa durch tiefere Risiko­zu­schläge und entspre­chend höhere Markt­werte. Inves­to­rinnen und Inves­toren können bereits heute tragfähige Entschei­dungs­grund­lagen schaffen, indem sie Bewer­tungen einsetzen, die das Lebens­zy­klu­sende explizit berück­sich­tigen. Auf diese Weise lassen sich ökono­mische und ökolo­gische Aspekte konsistent und fundiert mitein­ander verknüpfen.

Wüest-Partner-Gruppe unter­stützt Kund:innen bei Trans­for­mation

Sie wollen das zirkuläre Bauen in Ihrer Organi­sation strate­gisch verankern? Sie benötigen Unter­stützung bei der Umsetzung der Strategie in einem konkreten Projekt?
Wir bieten Ihnen folgende Dienst­leis­tungen:

  • Szena­rio­ana­lysen für konkrete Baupro­jekte zur Gegen­über­stellung von Wirtschaftlichkeits- und Nachhal­tig­keits­aspekten
  • Entwicklung von unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Leitfäden und Konzepten zur Kreis­lauf­wirt­schaft
  • Imple­men­tierung von Massnahmen der Kreis­lauf­wirt­schaft in den Prozess­ab­läufen einer Organi­sation
  • Definition von Anfor­de­rungen im Bereich Kreis­lauf­wirt­schaft für die Projekt­ent­wicklung und Planung
  • Strategien zum Erhalt von bestehenden Gebäuden und Gebäu­de­er­neuerung

Kontak­tieren Sie unsere Expert:innen für weitere Insights.