Weiter zum Ihnhalt

Gemeindespezifische Bevölkerungsperspektiven für den Kanton Graubünden

Veröffentlicht am: 08. September 2025 Letzte Aktualisierung: 24. März 2026

Der Kanton Graubünden steht vor einer vielfäl­tigen demogra­fi­schen Zukunft: Während die Bevölkerung in einigen Gemeinden wächst, schrumpft sie in anderen – oftmals verbunden mit einer zuneh­menden Überalterung. Wie unter­schiedlich sich die Bündner Gemeinden entwi­ckeln, zeigen die von Wüest Partner im Auftrag des Kantons Graubünden aktua­li­sierten Bevölkerungsperspektiven. Diese bilden eine wichtige Grundlage für eine voraus­schauende Infrastrukturplanung und die regionale Standortentwicklung im Bergkanton. Die wichtigsten Ergebnisse werden in diesem Beitrag aufge­zeigt.

Die Bevölkerung in der Schweiz entwi­ckelt sich je nach Region und Gemeindetyp sehr unter­schiedlich. Während in den Agglomerationen im Mittelland auch zukünftig ein starkes Wachstum zu erwarten ist, gibt es innerhalb der Bergkantone erheb­liche Unterschiede in den Entwicklungsdynamiken (vgl. auch Studie  «Sozioökonomie der Berggebiete»).

So auch im Kanton Graubünden:  Viele gut erschossene Talgemeinden mit Zentrumsfunktion, wie beispiels­weise Ilanz, florieren und weisen ein dynami­sches Wachstum auf. In einigen Tourismusgemeinden, wie beispiels­weise Davos oder St. Moritz, ist die Wohnungsknappheit ähnlich akut wie in den Wirtschaftszentren im Mittelland. Dort ist die Nachfrage seit der Covid-Pandemie angestiegen und der Erstwohnungsbestand stagniert. In abgele­ge­neren Tälern des Engadins hingegen ist der Bevölkerungsschwund bereits heute Realität.

Bevölkerungsentwicklung in den Bündner Gemeinden

Das zeigt sich in der nachfol­genden Karte, in der das annua­li­sierte Bevölkerungswachstum der Jahre 2015 bis 2024 für die 100 Gemeinden des Kantons Graubünden abgebildet ist. Es ist eine nord-süd ausge­richtete Achse von Maienfeld im Norden bis Roveredo im Süden zu erkennen, die in den letzten zehn Jahren ein dynami­sches Wachstum aufwies. In der westlichen Surselva und im Osten des Kantons hingegen war die Bevölkerungszahl in den letzten 10 Jahren teilweise um mehr als 1% pro Jahr rückläufig.



Es ist zu erwarten, dass die regio­nalen Diskrepanzen sich weiter verstärken werden. Die zweite Karte zeigt die annua­li­sierten Wachstumsraten für den mittel­fris­tigen Prognosehorizont von 2025 bis 2040. Das Wachstum konzen­triert sich in diesem Zeitraum voraus­sichtlich auf Schwerpunkte im Norden um Maienfeld und im Süden um Roveredo. Ausserdem bleibt die Gemeinde Laax weiterhin sehr dynamisch. Das westliche und das östliche Ende des Kantons hingegen dürften weiterhin schrumpfen.



Bevölkerungsentwicklung im Kanton Graubünden

Per Ende 2024 zählte der Kanton Graubünden gut 206’000 Einwohnende. Das durch­schnitt­liche jährliche Bevölkerungswachstum in den letzten zehn Jahren betrug 0.51%. Um mit der inhärenten Unsicherheit einer Prognose umzugehen, wurden für den Kanton Graubünden drei Szenarien geschätzt. Gemäss dem mittleren – und als am wahrschein­lichsten erach­teten – Szenario wächst die Bevölkerung bis 2040 voraus­sichtlich im moderaten Tempo von 0.26% pro Jahr auf 215’000 Personen an. Das sind ungefähr 9’000 Personen mehr als 2024 (+4.3%). Danach dürfte sich die Dynamik deutlich reduzieren, da die (zwar robuste) Zuwanderung den zunehmend negativer werdenden Geburtenüberschuss nicht mehr zu kompen­sieren vermag. Im Zeitraum von 2041 bis 2055 beträgt das durch­schnitt­liche jährliche Bevölkerungswachstum voraus­sichtlich noch 0.02%, sodass bis 2055 ein Einwohnerstand von 216’000 Personen resul­tiert. Das sind ungefähr 1’000 Personen mehr als 2040 (+0.3% ggü. 2040), respektive ungefähr 10’000 Personen mehr als 2024 (+4.6% ggü. 2024).

Die Szenarien «hoch» und «tief» stellen mögliche Alternativen dar. Für die örtliche Infrastrukturplanung und Richtplanung wird das hohe Szenario als maximal benötigte Kapazität definiert. Im hohen Szenario erreicht die Bevölkerungszahl 2055 ungefähr 244’000 Personen (+18.3% ggü. 2024). Im tiefen Szenario hingegen erreicht die Bevölkerungszahl 2055 nur ungefähr 184’000 Personen (-10.8% ggü. 2024).



Entwicklung der Altersstruktur

Bis 2055 ist im Kanton Graubünden eine weitere deutliche Alterung der Bevölkerung zu erwarten. Im Vergleich zum Jahr 2023 sinkt die Zahl der Jungen, dafür steigt die Zahl der Personen über 65 Jahre stark an. Entsprechend wird der Anteil der älteren Bevölkerung deutlich zunehmen. Während der Anteil, der über 65-Jährigen 2023 noch bei 23% lag, dürfte dieser bis 2055 auf 33% ansteigen.



Fazit

Wüest Partner hat im Auftrag des Kantons Graubünden aktua­li­sierte Bevölkerungsperspektiven für die 100 Bündner Gemeinden erstellt. Die Bevölkerungsentwicklung dürfte je nach Gemeinde sehr unter­schiedlich ausfallen. Eine grosse Herausforderung besteht in der zuneh­menden demogra­fi­schen Alterung, die besonders abgelegene Gemeinden vor Probleme bei der Versorgung und Infrastrukturplanung stellt. Zudem erschwert die starke Heterogenität in der regio­nalen Entwicklung – von wachs­tums­starken Gemeinden mit guter Erschliessung über beliebte Tourismusgemeinden bis hin zu schrump­fenden Randregionen – eine einheit­liche kantonale Planung und verlangt nach diffe­ren­zierten Strategien.

Erhalten Sie immer die aktuellsten Branchen-News und Insights: